Precision Farming senkt Pestizideinsatz deutlich
Das Ressourcenprojekt Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming (PFLOPF) erreicht nach acht Jahren Laufzeit das angestrebte Ziel: die Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes um mindestens 25 Prozent durch den gezielten Einsatz von Precision-Farming-Technologien.

Das Ressourcenprojekt Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming (PFLOPF) zielt darauf ab, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu optimieren, um deren negative Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren. Durch den gezielten Einsatz von Precision-Farming-Technologien soll der Pflanzenschutzmitteleinsatz optimiert und die Einsatzmengen reduziert werden.
Am 5. Mai 2026 wurde auf den Betrieben von Thomas Haller und Roman Käser im aargauischen Birrhard das Ressourcenprojekt PFLOPF abgeschlossen. Aus Sicht der Trägerschaft war es erfolgreich, denn das angestrebte Einsparpotenzial von Pflanzenschutzmitteln um mindesten 25 Prozent wurde erreicht. «Mit dem Ressourcenprojekt PFLOPF konnten wir aufzeigen, wie die Landwirtschaft die Herausforderungen im Pflanzenschutz unter Ausnutzung neuester digitaler Technologien professionell angeht», sagte Christian Eggenberger, Leiter Beratung, Entwicklung und Innovation Arenenberg und Trägerschaftsvertreter aus dem Kanton Thurgau, anlässlich der Abschlussveranstaltung. Dem konnte sich Matthias Müller, Abteilungsleiter Landwirtschaft Aargau und Präsident der Konferenz der Landwirtschaftsämter der Schweiz (KOLAS), nur anschliessen: «Die entscheidende Frage lautet nicht ‚Pflanzenschutz ja oder nein‘, sondern: Wie setzen wir Pflanzenschutzmittel so ein, dass sie wirksam, aber möglichst schonend sind? PFLOPF gibt darauf eine überzeugende Antwort.»
Neue Technologien überzeugen
Die teilnehmenden Projekt-Landwirte berichten von deutlichen Einsparungen: «Als grossen Vorteil beim Spot-Spraying-Einsatz sehen wir bei uns auf dem Betrieb ein Einsparpotenzial an Pflanzenschutzmitteln beim ersten Durchgang von 60 Prozent. Bei der zweiten Überfahrt von 30 bis 40 Prozent», sagt Florian Schmelzer, Produktionsleiter der Max Schwarz AG in Villigen AG. Weitere Motivationsgründe der Landwirte, teilzunehmen, waren das Interesse, Neues auszuprobieren, oder der gesteigerte Anwenderschutz.
Ein Teil der Technologien, wie beispielsweise die satellitenbasierten Lenksysteme, ist ausgereift, finanziell tragbar und wird deshalb breit in der Praxis eingesetzt. «Ich habe mit einfachen und günstigen Spurführungssystemen begonnen. Diese haben auf kostengünstige Art gezeigt, wo man durchfahren muss», beschreibt Lohnunternehmer und Landwirt Raphael Müller aus dem aargauischen Wohlen seinen Anfang mit Precision-Farming-Technologien.
Noch etwas Luft nach oben
Obwohl die Technologie bereits in vielen Bereichen gut funktioniert, gibt es noch Optimierungspotenzial. Tobias Daepp, Landwirt und Lohnunternehmer aus Arbon, erklärt: «Die Herausforderungen liegen aus meiner Sicht im Bereich Datenerfassung und -übertragung. Da gibt es sicher noch Luft nach oben und es wäre wünschenswert, wenn das künftig einfacher geht.» Besonders im Obst- und Rebbau sind die verfügbaren Technologien noch nicht vollends marktreif. Hier besteht weiteres Entwicklungspotenzial.

Fazit des Projektes
Zu Projektende kann folgendes Fazit gezogen werden:
Reduktionspotenzial: Je nach Kultur, Witterungsversverlauf und zur Verfügung stehenden Precision-Farming-Technologien ist eine Pflanzenschutzmittelreduktion in der Summe aller Massnahmen um 25 Prozent möglich.
Akzeptanz: Bei ausreichender Praxisreife, einfacher Handhabung und nachvollziehbarem positivem Kosten-Nutzen-Verhältnis werden die Technologien heute eingesetzt. Die Entwicklung heute noch nicht praxisreifer Technologien schreitet rasch voran, unter anderem durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Wirtschaftlichkeit: Ein Teil der Technologien ist bei entsprechender Auslastung finanziell selbsttragend, für andere braucht es eine Förderung via Direktzahlungen (DZV) oder die Strukturverbesserungsverordnung (SVV).
Beratung: Im Bereich der Prognose- und Monitoringsysteme braucht es unterstützendes Know-how und den Lead der landwirtschaftlichen Beratungszentren, damit die Technologien in der Praxis Wirkung entfalten.
Das Ressourcenprojekt PFLOPF
Das Ressourcenprojekt PFLOPF zeigt auf, wie durch den Einsatz von Precision-Farming-Technologien Pflanzenschutzmittel optimiert und eingespart werden können. 58 Betriebe aus den Bereichen Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebbau beteiligten sich am Projekt und setzten auf rund 2000 Hektaren ressourcenschonende Technologien ein. Von den Betrieben wurden mindestens zwei der folgenden Precision-Farming-Technologien gewählt:
– Prognose- und Monitoringsysteme
– Satellitenbasierte Lenksysteme
– Satellitenbasierte Teilbreiten- und Einzeldüsenschaltung
– Sensorgesteuerte bewuchsspezifische Ausbringung (Spot-Spraying)
– Sensorgesteuerte Hackgeräte
– Autonomer Mulchroboter
– Pflanzenschutzdrohnen
Das Projekt dauerte von 2019 bis 2026. Projektkosten: Rund 4,1 Millionen Franken. Der Grossteil davon kam den Betrieben direkt oder indirekt zugute: 45 Prozent in Form von Abgeltungen für die Massnahmenumsetzung und 33 Prozent in Form von Beratung, Wissenstransfer sowie finanzielle Unterstützung für Prognose- und Monitoringsysteme.
Hinter dem Projekt steht eine breite Trägerschaft, bestehend aus den Kantonen Aargau, Thurgau und Zürich mit den landwirtschaftlichen Beratungszentren Liebegg, Arenenberg und Strickhof. Agroscope führte die wissenschaftliche Begleitung durch, Agrofutura unterstützte fachlich. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat das Projekt kofinanziert.
