30 Tage lang auf Oldtimern in Richtung Sardinien

Fredy Engler und Paul Frischknecht verbindet eine lange Freundschaft, die Liebe zu Oldtimern und die Freude am Fahren. Mit einem Hürlimann und einem Bührer machten sich die zwei Rentner im Herbst 2025 auf eine abenteuerliche, 1566 Kilometer lange Reise.

Paul Frischknecht (links) und Fredy Engler fanden mit ihren Oldtimern immer gute Stellplätze.
Paul Frischknecht (links) und Fredy Engler fanden mit ihren Oldtimern immer gute Stellplätze. Bild: zVg.

Wer in Sardinien Ferien macht, reist gewöhnlich mit dem Flugzeug oder dem PS-starken Auto an. Paul Frischknecht und Fredy Engler planten ihre Ferienreise aber deutlich gemächlicher: Die beiden langjährigen Freunde machten sich mit ihren Oldtimer-Traktoren auf, um die italienische Insel zu erleben. Ein Abenteuer, von dem sie heute – fast ein Jahr später – immer noch mit leuchtenden Augen erzählen.

Die Idee zu dieser 30-tägigen Oldtimer-Reise hatte Fredy Engler, denn er war schon lange ein Fan von Sardinien. «Als ich dort jeweils am Strand Spuren von den Traktoren sah, die den Sand rechten, wuchs in mir der Wunsch, selbst einmal mit meinem Traktor dort am Strand zu stehen», erzählt der 67-jährige ehemalige Zimmermann aus Freidorf. Im Sommer vor zwei Jahren fragte er Paul Frischknecht, ob er ihn begleiten würde. Was dieser sofort bejahte. «Sogleich legten wir das Abreisedatum fest und planten, am 1. September 2025 in Freidorf loszufahren», sagt der heute 66-Jährige, der mit seiner Frau in Henau lebt.

Landwirtschaftliche Wurzeln

Paul und Fredy sind Freunde, seit sie sich während der Lehre zum Zimmermann erstmals begegneten. «Fredy war mein Oberstift und wir hatten zusammen eine schöne Lehrzeit», sagt Paul Frischknecht. Beide haben landwirtschaftliche Wurzeln, wie Fredy Engler erzählt. «Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, auf dem ich heute noch wohne.» Paul Frischknechts Eltern übernahmen bei Roggwil einen Bauernhof mit Gasthof und Sägerei in Pacht. Nach und nach verkleinerten sie ihre drei Betriebe. Da Sohn Paul für die Nachfolge noch zu jung war, verkauften sie letztlich alle. «Mir aber blieb die Liebe zu Traktoren. Mein erster Oldtimer war ein Meili C22; diese Marke hatten wir schon auf dem elterlichen Betrieb», sagt Paul Frischknecht. Abgesehen vom altern Traktor, besass er auch einen Wagen zum Anhängen, in dem er bequem übernachten konnte. Gemeinsam verbrachten er und seine Frau Sylvia Ferien mit Oldtimer und Wagen. Später kaufte er sich dann einen Hürlimann D100 L und trennte sich vom Meili.

Eines der letzten gemeinsamen Bilder; bald schon hiess es Abschied nehmen vom Hürlimann. Bild: zVg.

 

Das eigene Bett dabei

Auch Fredy Engler entdeckte vor Jahren seine Liebe zu Oldtimern. Vom Elternbetrieb übernahm er einen Bucher-Einachser KT10, der heute noch bei ihm auf dem Hof steht und zum Beispiel fürs Holzen im Einsatz ist. Fredy Engler besitzt zudem einen Dodge-Auto-Traktor und seine Frau hatte einen Grunder TK 15. Dann fand er «per Zufall» einen Bührer Standard mit seinem Jahrgang, den er «als gutes Omen» kaufte. Auch er besitzt einen Anhänger für seinen Oldtimer – einen kleinen Wohnwagen, der mit allem Nötigen eingerichtet ist.

«Als wir mit unserer Reiseplanung begannen, war klar, dass jeder seinen eigenen Anhänger mitnimmt. So hatten wir immer unser eigenes Bett und unsere Privatsphäre», sagt Paul Frischknecht. «Fredy hatte ausserdem eine Sonnenstore am Wohnwagen, ich nahm meinen Grill mit.» Bei der Planung überliessen sie nur wenig dem Zufall, wie eine Excel-Tabelle zeigt, die Paul Frischknecht erstellt hatte. Darauf sind die einzelnen Etappen eingetragen, bis zur stattlichen Kilometerzahl ganz unten auf der Liste: 1566 Kilometer hatten die zwei Freunde auf ihrer Reise zurückgelegt. Allerdings nicht mit beiden Traktoren, doch davon später mehr. Zuerst erzählen Fredy und Paul von den ersten Etappen, die sie via Vaduz, Davos und den Flüela- und Ofenpass bis nach Meran und Bozen führten. Auf den Bildern in ihren Fotobüchern tragen sie anfangs noch Daunenjacken und Mützen. Im Südtirol wurde das Wetter dann aber mild und sonnig. «Vor der Reise hatten wir noch Angst, dass an unseren Oldtimern oder an den Anhängern etwas gestohlen würde, aber das war gar nie der Fall. Wir erlebten so viele freundliche Menschen auf unserer Reise, das war fantastisch», sagt Paul Frischknecht. Und Fredy Engler erwähnt einige Gratis-Biere und ein fruchtiges Geschenk: «Als wir einmal morgens weiterfahren wollten, lag auf dem Traktorsitz eine Melone.» Aber nicht nur verpflegt wurden die beiden mit viel Herzlichkeit, auch Standplätze auf Campingplätzen liessen sich immer finden. «Manchmal war ein Platz schon ausgebucht. Aber dann hatten die Leute irgendwo doch noch etwas frei, zum Beispiel weil sie kurzerhand einen Zaun versetzten oder uns im Wald bleiben liessen.»

Begehrtes Fotosujet

Immer wieder wurden die zwei mit ihren Oldtimern fotografiert oder nach ihrer Reise gefragt. Deshalb hängten sie kurzerhand den Reiseplan und die Route an die Anhänger, um ihre Ferienfahrt zu veranschaulichen. Eine wichtige Etappe der Reise war die Überfahrt mit der Fähre. «Unsere Tickets buchten wir unterwegs in Pisa. Auf der Fähre wurden wir einmal mehr zu Fotosujets der Arbeiter», sagt Fredy Engler schmunzelnd. Alles verlief ohne Probleme, bis die Freunde in Olbia auf Sardinien ankamen. «Eigentlich wollten wir der Ostküste entlang Richtung Süden fahren. Aber mein Traktor war nicht mehr so gut zwäg», erzählt Paul Frischknecht. «Deshalb wollte ich nicht mehr allzu weit fahren. So verbrachten wir einige Tage am Strand, wo uns Fredys Frau und seine Schwester besuchten.»

An Paul Frischknechts Anhänger fanden die Velos der Freunde Platz. Bild: zVg.

Hürlimann macht schlapp

Dem Hürlimann gings allerdings schlechter und sein Besitzer fühlte sich unsicher beim Gedanken an die lange Heimreise. Deshalb änderten die Freunde ihre Rückreisepläne und fuhren nicht via Korsika nordwärts, sondern nahmen die Fähre direkt nach Genua. «Zum Glück hatte ich eine Versicherung abgeschlossen, dank der ich meinen Traktor überall abholen lassen konnte. Bereits eine Stunde nach meiner Meldung erhielt ich Bescheid, dass ein Abschleppwagen am nächsten Tag meinen Hürlimann sowie den Anhänger in Genua holen und in die Schweiz bringen würde», erzählt Paul Frischknecht begeistert. Er selbst blieb allerdings in Italien und setzte sich fortan auf den «Beifahrersitz» von Fredy Englers Bührer. Die restliche Heimreise verlief ohne Zwischenfälle. Auch der geplante Reifenwechsel (von rechts nach links und umgekehrt) konnte nach 1372 Kilometern in einer Garage vorgenommen werden. In der Schweiz ging es nochmals in die Berge: Via Malojapass fuhren die Freunde nach St. Moritz und verluden den Bührer mit Anhänger, um durch den Vereina zu fahren.

Lebendige Erinnerungen

Ein knappes Jahr später sind die Erlebnisse jener Ferien noch immer Stoff für Geschichten bei einem Bier. «Wir erlebten schöne Begegnungen mit wildfremden Menschen. Entlang der Strecke winkten uns die Leute zu und auf Campingplätzen setzten sich Gäste gerne auf unsere Traktoren, um sich fotografieren zu lassen», erzählen die beiden voller Freude.

Paul Frischknechts Hürlimann ist übrigens gut in der Ostschweiz angekommen und fährt mit geflickter Kupplung wieder ohne Nebengeräusche. Höchste Zeit also für eine weitere Ferienfahrt? «Ich möchte gerne an zwei oder drei Oldtimer-Treffen nach Deutschland. Die Atmosphäre dort ist locker und gesellig», sagt Paul Frischknecht. Wer weiss, vielleicht begleitet ihn Fredy Engler auch bei einer dieser Reisen.

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