Richard Giger und sein Motormäher Bure-König
Der Molser Richard Giger besitzt noch einen der wenigen Motormäher-Einachstraktoren «Bure-König» mit Friktionsantrieb. Er hat den Oldtimer selbst liebevoll restauriert und nutzt ihn heute noch, um Holz aus dem eigenen Wald zu holen.

Von den Treibachsanhängern Bure-König wurden insgesamt nur 200 Stück produziert. Während der Hersteller schon längst nicht mehr existiert, fährt eines dieser Fahrzeuge immer noch sicher durch das Gelände oberhalb von Mols, wohl als eines der letzten dieser Art. Sinnend betrachtet Richard Giger die alten Konstruktionszeichnungen, den Werbeprospekt und die Gebrauchsanleitung seines Bure-Königs, sauber abgeheftet in einem Sammelordner. Dann erzählt er.
Vom Vater übernommen
Richard Giger wuchs in einer achtköpfigen Bergbauernfamilie in der Bergzone II in Mols auf. Sein ursprüngliches Ziel war es, den elterlichen Betrieb weiterzuführen. Den erlernten Beruf als Landwirt übte er aber dann doch nicht aus, weil sich die Situation der Familie Giger durch den Bau der Walenseeautobahn deutlich veränderte. Dazu musste nämlich Land zur Verfügung gestellt werden. Dies hätte eine Umsiedlung des ganzen Betriebs zur Folge gehabt. Aus wirtschaftlichen und persönlichen Gründen entschied sich Richard Giger jedoch damals anders. Der landwirtschaftliche Betrieb wurde aufgegeben und Giger setzte seine landwirtschaftlichen Kenntnisse nach Absolvierung der kaufmännischen Lehre als Aussendienstler und später als Geschäftsführer der Landi im Sinne seiner Kundschaft ein. Unterdessen stand der alte Bure-König viele Jahre mehrheitlich ungenutzt in der Tenne des Bauernhauses, das Richard Giger 1977 von seinem Vater gekauft hatte. Die langen Standzeiten und die Vernachlässigung bekamen dem Fahrzeug nicht gut. Lediglich gelegentliche Holztransporte aus dem eigenen Wald wurden noch damit gemacht. Leider funktionierte das Fahrzeug damals immer weniger zuverlässig. Als Richard Giger 1988 mit seiner Familie ins nebenan neu gebaute Haus umzog, sah er sich gezwungen, eine Entscheidung bezüglich des alten Fahrzeugs zu treffen. Drei Optionen standen zur Auswahl: Verschrottung, Unterbringung in einem Museum für Landmaschinen oder die Restaurierung mit Neubau eines Unterstands. Er entschied emotional und verwirklichte die aufwendigste und teuerste Variante.
Die beste Kuh dafür verkauft
Ihm geht die Geschichte des Fahrzeugs bis heute zu Herzen. Kein Wunder, dass Richard Giger es nicht über sich brachte, den altersschwachen Oldtimer einfach zu verschrotten. Immerhin ist es für ihn die letzte verbliebene Erinnerung an seine erlebnisreiche Jugendzeit und an seinen erlernten Beruf als Landwirt. Schon die Anschaffung dieses Bure-Königs war damals mit Emotionen verbunden: Die Familie Giger führte einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb in der Bergzone II. Die Arbeit, insbesondere das Mähen der Wiesen mit der Sense, sei eine kräftezehrende Arbeit gewesen, erinnert sich Richard Giger. So scheint es völlig verständlich, dass Vater Giger 1957 entschied, einen Bure-König-Motormäher mit einem 8-PS-MAG-Motor bei F. & E. Bur in Luzern zu kaufen. Um sich diese Anschaffung leisten zu können, musste die beste Kuh im Stall verkauft werden. «Dies hat bei meiner Mutter und meinen Schwestern zu Tränen geführt», erinnert sich Richard Giger. Damals war die Investition jedoch nötig, um den durch Zupachtung von Land grösser werdenden Aufwand leisten zu können. Dank eines kleinen, extra dafür gebauten, kostengünstig im Dorf hergestellten Anhängers konnte der Mähbalken aufgeladen und von einem Stück Land zum anderen transportiert werden. Damit stand der Inbetriebnahme am 1. April 1958 nichts mehr im Wege. Es erscheint heute nur konsequent, dass Vater Giger 1962 zusätzlich dazu einen passenden Triebachsanhänger mit VW-Käfer-Getriebe anschaffte, den ersten seiner Art mit Hand- und Fusskupplung. Dazu wurde das Fahrzeug in Luzern revidiert und umgebaut. Nun waren die Transporte von Gras, Heu, Stroh, Holz oder Mist auch kein Problem mehr. Dank Mähbalken mit Schnabel und dank Differenzialsperre vorne waren die Mäharbeiten im steilen Gelände nun deutlich leichter zu bewältigen.
Technische Daten
- Motormäher Marke Bure-König
- Treibachsanhänger (es wurden nur 200 davon hergestellt)
- Hersteller: Firma F. & E. Bur Konstruktionswerkstatt, Wolhusen, Luzern
- Motorisierung: 8-PS-MAG-Motor 35 SRL 66,
- ein Zylinder, Hubraum 353 cm3
- 16 Vorwärts- und 16 Rückwärtsgänge
- Treibstoff: Oeco fuel 4-Takt-Alkylatbenzin (Umweltkraftstoff), schadstoffarm
- Getriebe: Bure-König-Friktionsgetriebe, Triebachsanhänger: VW-Käfer-Getriebe
- Teilkaskoversichert
- Strassenverkehrssteuer 10 Franken
Original bis zur Farbgebung
Mit viel Herzblut hat Richard Giger seinen Bure-König im Jahr 2009 restauriert und bis ins Detail wiederhergestellt. Nachbar Kurt Freitag, Mechaniker von Beruf, half bei der Demontage sowie den Reparaturen bis zur Endmontage. Tipps und Beratung fand Richard Giger beim Verein Freunde alter Landmaschinen Sektion Ostschweiz (Falso). Den technischen Support übernahm der Fabrikant Werner Bur. Für die Farbgestaltung war Maler Markus Rinderer mit Rat und Tat zur Stelle. Dank des Farbabgleichs mit den Originalteilen konnte die Firma Knuchel-Farben den Originalfarbton liefern. So strahlt nun Gigers Bure-König wieder wie zu Zeiten seiner Anschaffung. Was den Oldtimer-Liebhaber besonders freut: Seine Leidenschaft scheint in der Familie weitergetragen zu werden. Richard Giger ist Vater von vier Kindern und Grossvater von sechs Enkelkindern. Zur Freude des Grossvaters hat der 13-jährige Enkel Dian Giger seinem «Grossdäti» schon versprochen, dass er ihm eines Tages dieses Fahrzeug für viel Geld abkaufen wird. Eine gute Option, denn immerhin fährt dieses Fahrzeug umweltfreundlich. Der vergleichsweise teure schadstoffarme Kraftstoff schmiert zudem den Motor optimal und dürfte somit die Lebensdauer positiv beeinflussen. Das ist dem umweltbewussten Oldtimer-Liebhaber wichtig.

Freude an Oldtimern
In loser Folge stellt der «St. Galler Bauer» Oldtimer-Freunde und ihre Fahrzeuge vor. In jedem Oldtimer steckt ein Stück Zeitgeschichte. Was macht den Oldtimer für seinen Halter so besonders? In dieser Beitrag stellt Richard Giger seinen Bure-König vor. Weitere Beiträge zu Oldtimern sind hier zu finden.


