Die Landwirtschaft setzt zunehmend auf Automatisierung
Der Neubau der Familie Rutz in St. Pelagiberg zeigt exemplarisch, wohin sich die Milchviehhaltung entwickelt: Melkroboter und automatische Fütterungssysteme übernehmen zunehmend Arbeiten im Stall und schaffen mehr Flexibilität im Betriebsalltag. Die Firma Lely, die mit seinem Standort in Waldkirch die Ostschweiz betreut, sieht in der Automatisierung einen anhaltenden Trend und die Zukunft vieler Landwirtschaftsbetriebe.

Der Neubau war für ihn ein grosser und entscheidender Schritt. «Die Automatisierung bringt deutlich mehr Struktur, Planbarkeit und Flexibilität in unseren Alltag. Gleichzeitig geniessen unsere Tiere mehr Komfort und Ruhe im Stall», sagt Albert Rutz. Die Entscheidung für einen modernen Laufstall mit zeitgemässer Technik habe den Betrieb nicht nur nachhaltig gestärkt, sondern auch optimal für die Zukunft aufgestellt. Die Familie Rutz produziert auf ihrem Betrieb in St. Pelagiberg Käsereimilch zur Herstellung von Emmentaler AOP. Deshalb erfolgt die Fütterung vollständig silofrei. Gemolken wird mit zwei Lely-Melkrobotern, während ein automatisches Lely-Fütterungssystem die Kühe jederzeit bedarfsgerecht und zuverlässig versorgt.
Albert Rutz erzählt, dass er seinen Betrieb früher mit rund 70 Kühen in zwei Anbindeställen bewirtschaftete und noch mit Standeimern molk. Schon damals war für ihn klar, dass er den Hof langfristig weiterentwickeln und zukunftsfähig aufstellen will. 2019 begann die Familie Rutz mit der Planung eines neuen Laufstalls. Eine intensive Phase, die viel Zeit und Geduld erforderte. Im November 2024 konnte der neue Stall mit 110 Kühen bezogen werden.

Mehr Flexibilität im Stallbetrieb
Doch weshalb braucht es gleich zwei Melkroboter? Samuel Gstöhl, Verkaufsleiter Ostschweiz bei Lely, der Albert Rutz an diesem Nachmittag besucht, erklärt: «Pro Melkroboter werden im Durchschnitt rund 40 Kühe gemolken. Mit ihrer Herdengrösse hat sich die Familie deshalb bewusst für zwei Roboter entschieden.» Für Albert Rutz käme eine Rückkehr zum alten System heute nicht mehr infrage. In der Automatisierung von Melken und Fütterung sieht er klare Vorteile. «Es gibt weniger manuelle Arbeit, wir sind flexibler und brauchen keine Angestellten. Es ist eine enorme Arbeitserleichterung.» Besonders während der Heuernte sei dies eine grosse Entlastung. So müsse man nicht mehr zwingend zwischen 16 und 19 Uhr im Stall stehen. Die Kühe würden zudem mehr Milch geben, und die Milchqualität bleibe konstant hoch. Hygiene und Abläufe seien immer gleich und zuverlässig gewährleistet. «Ich kann jedem, der über die Anschaffung eines Melkroboters nachdenkt, nur raten: Nicht lange zögern. Es zahlt sich aus», sagt der Landwirt. «Auf einem Betrieb in dieser Grösse wären zwei bis drei Mitarbeitende nötig. Auch für Ferienablösungen müsste man entsprechend sorgen. Der Melkroboter hingegen läuft an 365 Tagen im Jahr zuverlässig durch.»
Regionale Standorte
Das Lely Center ist in Härkingen ansässig und unterhält zudem Standorte in der Ostschweiz in Waldkirch, im Mittelland in Reiden sowie in der Romandie in Payerne. «Den Betrieb in Waldkirch mit rund 25 Mitarbeitenden führen wir übergangsweise. Langfristig planen wir in Bronschhofen den künftigen Ostschweizer Sitz», erklärt Samuel Gstöhl. In der Ostschweiz wird insbesondere in den Kantonen Thurgau und St. Gallen am meisten Milch produziert. Entsprechend wurde der Standort hier angesiedelt. Der Kundenkreis reiche von Schaffhausen bis ins Engadin. «Mit dem Aufbau des regionalen Führungsteams in Waldkirch starteten wir im Januar 2025. Wir mussten alle in die Rollen hineinwachsen», sagt Samuel Gstöhl. Der Übergang sei daher fliessend verlaufen.
Er bezeichnet das Führungsteam in Waldkirch als «Regio-Dreieck». Drei Personen, die in ihren jeweiligen Disziplinen gewachsen sind und heute noch mehr Verantwortung tragen: Marcel Schwager ist Mitglied der nationalen Geschäftsleitung sowie Standortleiter Ostschweiz, Samuel Gstöhl ist Verkaufsleiter für die gesamte Ostschweiz und Marco Keller ist verantwortlich für den Servicebereich in der ganzen Ostschweiz. «Schweizweit werden jedes Jahr über 100 Landwirtschaftsbetriebe mit ein bis zwei Lely-Melkrobotern ausgestattet», sagt Samuel Gstöhl. Von der Automatisierung würden vor allem Familienbetriebe profitieren, da es nur wenige oder gar keine zusätzlichen Arbeitskräfte brauche. Dadurch entstehe mehr Spielraum für Freizeit oder weitere Betriebszweige auf dem Landwirtschaftsbetrieb. Zudem werde ein hohes Tierwohl erreicht. «Die Kuh kann selbst entscheiden, ob sie fressen, liegen oder gemolken werden möchte. Darüber hinaus gibt sie zehn bis 15 Prozent mehr Milch.»

In der ganzen Schweiz sind etwa 50 Lely-Servicetechnikerinnen und -Servicetechniker im Einsatz. «Marco Keller ist wohl der erfahrenste Melkroboter-Techniker in der Schweiz und vermutlich weit über die Grenzen hinaus. In den vergangenen zwölf Jahren hat er selbst über 300 Melkroboter in Betrieb genommen, etwa 12 000 Kühe eingemolken und massgeblich dazu beigetragen, dass Melkroboter käsereitaugliche Milch produzieren können», sagt Samuel Gstöhl.
Dreimal jährlich gewartet
Der erste Lely-Melkroboter ist im Jahr 1999 in Untersiggenthal in Betrieb genommen worden. «Ein Jahr später kam der erste in der Ostschweiz», weiss Samuel Gstöhl. Heute seien in der Region rund 420 Melkroboter im Einsatz, schweizweit etwa 1200.
Seit 2012 gibt es zudem das automatische Fütterungssystem Lely-Vector, von dem in der Ostschweiz inzwischen rund 40 Einheiten im Einsatz sind. Als drittes Spezialgebiet bezeichnet Samuel Gstöhl den Discovery Collector, ein Stallreinigungsroboter. Die Handhabung der automatischen Lely-Systeme sei relativ einfach, vieles sei selbsterklärend. «Wenn ein Landwirt Freude an seinen Tieren und an der Arbeit hat, lernt er es schnell», sagt Marco Keller. Die Servicetechniker seien rund um die Uhr erreichbar, sechs Personen leisteten Pikettdienst. Etwa 80 bis 90 Prozent aller Probleme könnten telefonisch gelöst werden. Längere Stillstände eines Lely-Systems gebe es kaum. Die Melkroboter würden dreimal pro Jahr gewartet, die Fütterungs- und Stallreinigungsroboter zweimal jährlich. Die Melkroboter hätten sich in den letzten zehn bis 15 Jahren stark verändert. Die heutigen Modelle seien service- und kuhfreundlicher. Marco Keller spricht in diesem Zusammenhang vom I-Flow-Konzept, das für einen stressfreien Kuhverkehr in der Milchviehhaltung steht.

Automatisierung nimmt zu
Auf die Frage, welche Rolle künstliche Intelligenz künftig im Stall spielen wird, sagt Marco Keller: «Das ist ein riesiges Potenzial in der Landwirtschaft. Lely Zeta ist geplant.» Dabei sollen Kameras in Kombination mit künstlicher Intelligenz eingesetzt werden, um Kühe sowie mobile Stallroboter zu erkennen und zu lokalisieren. Das System überwache und dokumentiere kontinuierlich den Gesundheitszustand der Tiere, ohne dass jemand ständig im Stall anwesend sein müsse. Standortleiter Marcel Schwager sagt: «Die Verkaufszahlen von Traktoren gehen zurück, während die Automatisierung weiter zunimmt. Ein Melkroboter ist jährlich rund 8000 Stunden im Einsatz; deutlich mehr als ein Traktor.» Die drei Lely-Spezialisten vom Standort Waldkirch sind sich einig: «Zusammen verfügen wir über mehr als 30 Jahre Lely-Erfahrung. Wir sind alle in der Landwirtschaft verankert und setzen uns für eine nachhaltige, profitable Landwirtschaft ein. Das Endresultat soll stimmen, und am Ende eines Tages sollen sowohl der Landwirt als auch seine Tiere zufrieden sein.»
Wer ist Lely?
Lely ist ein niederländisches Unternehmen, das Roboter und Technik für Milchviehbetriebe entwickelt, darunter automatische Melkroboter, Fütterungssysteme und Stallreinigungsroboter. Das Familienunternehmen wurde 1948 gegründet und ist heute weltweit in der Landwirtschaft tätig. Der Name Lely geht auf die Gründer Cornelis und Arij van der Lely zurück.
