Es wird eng auf der Strasse
Strassenbauten behindern die Zirkulation von Ausnahmefahrzeugen. Zusammen mit dem Schweizerischen Nutzfahrzeugverband (Astag), Sektion Ostschweiz, demonstrierte der Verband Thurgauer Landwirtschaft, Kommission Landtechnik, eine Verkehrssituation in Hauptwil.

Der Forst-Forwarder kann die Strassenpassage mit der mittigen Verkehrsinsel gut passieren, ebenfalls der Lastwagen mit Anhänger. Der 3,5 Meter breite und 16,6 Meter lange Mähdrescher hingegen muss auf den Gehsteig ausweichen – das ist nicht ganz ungefährlich. Denn besagter Gehsteig ist an der Hauptstrasse beim Primarschulhaus in Hauptwil. Das landwirtschaftliche Fahrzeug bewegt sich vorsichtig und langsam, um nichts zu touchieren. Würde es nicht mit den Rädern auf den Gehsteig fahren, hätte es auf der Fahrerseite den scharfkantigen Randstein der Verkehrsinsel gestreift. Das wiederum könnte zur Folge haben, dass der Reifen platzt. «Vielleicht platzt er nicht gerade hier in Hauptwil, sondern während einer nächsten Fahrt», sagt Adrian Schmalz vom Schweizerischen Nutzfahrzeugverband (Astag), Sektion Ostschweiz. Auf der rechten Seite besteht die Gefahr, den Zaun zu berühren. Dieser sei erst nach der Sitzung mit der damaligen Regierungsrätin angebracht worden.

Die ganzen Szenen mit den Fahrzeugen auf der 3,5 Meter breiten Fahrbahn sind gestellt, sie sind aber durchaus alltäglich. Die Astag-Sektion Ostschweiz und der Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL), Kommission Landtechnik, wollen mit dem Mähdrescher, der als Ausnahmefahrzeug gekennzeichnet ist, auf ihre Anliegen aufmerksam machen und demonstrieren, wie wichtig ist es, dass sie bei Strassenbauprojekten angehört werden. Auch aus Sicherheitsgründen. «Unser Ziel ist es, dass wir bei der Thurgauer Regierung Gehör finden, wenn es um Strassenbauten geht», erklärt Rolf Kuhn, Präsident des VTL/Landtechnik. «Wir suchen den Dialog.» Bis jetzt sei der Verband aber abgeblitzt.

Mindestens vier Meter Breite
Die Verkehrssituation auf Thurgauer Strassen gestalte sich für Ausnahmefahrzeuge, die nach Strassengesetz eine Breite von 3,5 Metern haben dürfen, schwierig, sagt Markus Koller, Geschäftsführer VTL/Landtechnik. Ausnahmefahrzeuge seien beispielsweise Feldhäcksler, Rübenroder, Ballenpressen, angehängte Erntemaschinen oder eben Mähdrescher. Strassenbereiche mit Inseln und erhöhte Bushaltestellen müssten mindestens vier Meter Fahrbahnbreite haben, damit schwierige Manöver, wie am Hauptwiler Beispiel gezeigt, vermieden werden könnten. Die Strassen müssten so dimensioniert sein und genügend Marge in horizontaler sowie vertikaler Linie aufweisen, dass die Fahrzeuge zirkulieren könnten. «Es muss bei Kreiseln oder Pförtneranlagen darauf geachtet werden, dass auch mit Anhängerzügen problemlos durch Kurven und Schikanen gefahren werden kann.» Kuhn nannte auch die Tempo-30-Zonen, die immer schmäler gestaltet würden. Dieses Problem sei auch dem Winterdienst und dem Schwertransportwesen bekannt.
Es dürfe nicht sein, dass man rechtmässige Verkehrsteilnehmer von der Strassenbenützung ausschliesse und gerade Erntemaschinen in der hektischen Erntezeit zu übermässig weiten Umwegen zwinge, was zusätzlich Emissionen und auch Mehrkosten zur Folge habe. «Kosten, die nicht auf das Endprodukt, sprich auf die Lebensmittel, geschlagen werden können», so Roman Engeler, Direktor des Schweizerischen Verbands für Landtechnik. «Die Landwirtschaft möchte vorwiegend befahrbare Strassen; sie müssen nicht geteert sein, sondern können auch gepflastert und leicht erhöht sein, jedoch nicht mit scharfkantigen Randabschlüssen», ergänzt Koller.

Auch für Velos gefährlich
Scharfkantige Randabschlüsse, wie in Hauptwil, seien ein weiteres Problem für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Sie seien auch für Velofahrende gefährlich, sagt Markus Koller weiter. Ein Anliegen sei dem Verband, dass die Randsteine flach abfallend seien. Er nannte weitere Beispiele mit scharfkantigen Abschlüssen: in Sirnach in der neuen Spange Hofen Richtung Eschlikon, in Heldswil oder in Sitterdorf auf der Kreuzung Leutwil-Zihlschlacht. Koller nannte auch gute Beispiele: im zürcherischen Trüllikon beim Schulhaus oder in Weinfelden auf der Wiler- und der Dufourstrasse. Bereits in der Planung sei hier auf den landwirtschaftlichen Verkehr Rücksicht genommen worden. Die Inseln seien abgeflacht gebaut, sodass sie befahrbar sind. Diese Bauweise finde man auch in Erlen; dort habe man auf die Fahrzeuge von Stadler Rail Rücksicht genommen.

Nicht eingeladen
Die Strassengestaltung im Kanton Thurgau gebe schon seit zehn Jahren zu reden, sie sei ein bekanntes Thema. Es werde jeweils an der Aussprache der Verkehrsverbände mit der Regierung und den Amtschefs im September vorgebracht. Der VTL/Landtechnik werde jeweils an das Landwirtschaftsamt verwiesen und nicht an die Aussprache eingeladen. «Die angestossenen Diskussionen um die Strassenbauten betreffen nicht nur den Kanton Thurgau oder die Ostschweiz, sie sind Thema vom Genfer- bis zum Bodensee», sagt Engeler. Wobei die kantonalen Tiefbauämter die Vorgehensweise und das Mitwirkungsverfahren bei den Strassenbauten unterschiedlich handhabten.
