Melkroboter kann dank neuem Sensor jetzt noch mehr
Das schwedische Unternehmen für Melk- und Stalltechnik Delaval präsentierte am 7. Mai 2026 offiziell sein neustes Produkt: Der hauseigene Melkroboter wurde durch einen Sensor ergänzt. Die Agrarpresse wurde vorab zu einer exklusiven Enthüllung auf einen Betrieb in Kesswil eingeladen.

Betriebsleiter Thomas Roth kann jetzt übers Handy die Milchinhaltsstoffe seiner Kühe abrufen.
Thomas Roth bewirtschaftet im thurgauischen Kesswil einen 33 Hektaren grossen Milchwirtschaftsbetrieb mit 70 Kühen. Die Milch wird zu Emmentaler verarbeitet. Mit dem Bau eines Laufstalls mit Melkroboter im Jahr 2021 stellte er die Weichen neu.
Ein Melkroboter ist eine bemerkenswerte Erfindung. Moderne Systeme erfassen neben der Milchmenge auch Zellzahlen, die Hinweise auf die Eutergesundheit geben. Zudem können sie den Progesteronspiegel messen, was für das Fruchtbarkeitsmanagement wertvoll ist.
Neuer Sensor «enthüllt»
Marcel Gut, Produktsupport Melken/Farm-Management von Delaval, präsentierte am Freitag, 1. Mai 2026, der Agrarpresse die Neuheit in einem inszenierten Auftakt. Der Melkroboter aus eigenem Haus, der Delaval VMS V300, wird funktional erweitert mit einem Sensor für die Messung von Milchinhaltsstoffen. Dies macht ihn zu einer noch wichtigeren Plattform für Herdenmanagement und Gesundheitsmonitoring.
Werte zu Fett, Eiweiss und Laktose erlauben Rückschlüsse auf Fütterung, Pansenfunktion und Stoffwechsel der Kuh. Sie zeigen, wie effizient das Tier das Futter in Milch umsetzt, ob ein Ungleichgewicht in der Ration besteht oder ob ein erhöhtes Risiko für Ketose oder Azidose vorliegt.
Zuchtbetriebe erfassen die Milchinhaltsstoffe meist monatlich. Das Analyse-Tool des Melkroboters liefert sie nun täglich. Gemäss Marcel Gut sind die Ergebnisse, die mithilfe der Nahinfrarotspektroskopie gemessen werden, exakt. Diese Genauigkeit sei ein grosser Fortschritt und ein Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.
Optionale Erweiterung
Jeder Delaval-Melkroboter VMS V300 lässt sich mit dem Sensor für Milchinhaltsstoffanalyse erweitern. Der Sensor wird an der Milchleitung des Melkroboters montiert. Es ist keine spezielle Wartung nötig. Das System kommt ohne Verbrauchsmaterialien und chemische Hilfsstoffe aus, die oft benötigt werden, um Inhaltsstoffe messbar zu machen. Damit der Sensor einwandfrei läuft, ist dreimal täglich eine Systemreinigung nötig.
Die offizielle Bekanntmachung des Produkts fand weltweit am 7. Mai 2026 statt. Die Markteinführung ist im Herbst 2026. Die Preise werden im Juli bekannt gegeben. Beim Melkroboter von Betriebsleiter Thomas Roth wurde im Rahmen eines Pilotprojekts die Erweiterung bereits im Dezember 2025 vorgenommen. Mit dem neuen Sensor hat er zwar erst kurz Erfahrungen gesammelt, dennoch sieht er in den Daten viel Potenzial für seine Herde wie auch einzelne Tiere.
Die Datenverarbeitung läuft zweistufig: Die Software Delpro ist auf dem Betriebscomputer installiert und verarbeitet alle Daten aus dem Stall in Echtzeit. Ergänzend dazu stellt die webbasierte Plattform Delaval Plus Informationen online zur Verfügung, wie etwa jene zu den Milchinhaltsstoffen. Der Zugriff kann auch über das Smartphone erfolgen.
Anwesenheit ist unverzichtbar
Trotz Melkroboter und die dadurch gewonnene Zeit und Entlastung findet Thomas Roth es wichtig, seine Tiere weiterhin im Stall oder auf der Weide zu beobachten. «Darauf kann und werde ich nicht verzichten.»
