Die Dimensionen moderner Holzverarbeitung

Auf dem Erlenhof in Gossau verarbeitet die Blumer Lehmann AG jährlich 170 000 Festmeter Rundholz mit modernster Technik, eigenem Biomassekraftwerk und einem neuen Leimholzwerk. Ein Rundgang zeigt die Dimensionen moderner Holzverarbeitung.

Der Erlenhof in Gossau ist der Produktions-, Lager- und Betriebsstandort der Blumer Lehmann AG. Bild: Jan Thomas, Blumer Lehmann
Der Erlenhof in Gossau ist der Produktions-, Lager- und Betriebsstandort der Blumer Lehmann AG. Bild: Jan Thomas, Blumer Lehmann

Schon beim Betreten des Erlenhofs, des Hauptsitzes von Blumer Lehmann in Gossau, merkt man: Hier herrscht keine Stille. Das Dröhnen der Motoren, die Hydraulik der Gabelstapler, metallisches Klirren von Kranhaken, all das vermischt sich mit dem intensiven Duft von frischer Nadelholz-Schnittware, die fein säuberlich haushoch aufgestapelt ist. Jeden Tag fahren etwa 35 Lastwagen auf den weitläufigen Rundholzplatz, wo die fünf Meter langen Baumstämme mit einem der grössten Elektroportalkrane der Schweiz abgeladen und auf die Sortierlinie gehievt werden. Auf dem Erlenhof in Gossau werden jährlich rund 170 000 Festmeter Rundholz zu Schnittholz und verschiedenen Holzprodukten verarbeitet.

Auf dem Erlenhof in Gossau werden jährlich rund 170 000 Festmeter Rundholz verarbeitet.
Auf dem Erlenhof in Gossau werden jährlich rund 170 000 Festmeter Rundholz verarbeitet.

Gross und modern

Roger Wegmüller, der für den Holzeinkauf zuständig ist, erklärt, dass vorwiegend Nadelholz verarbeitet wird, weil die Produktionsanlagen entsprechend ausgerichtet sind. Blumer Lehmann nimmt auch keinen Lohneinschnitt vor, da die automatisierte Anlage auf Serienproduktion ausgelegt ist. Beim Betreten der Produktionsanlage staunt selbst der Holzfachmann über eine der grössten und modernsten Holzverarbeitungsanlagen der Schweiz: Massive Stämme gleiten auf endlosen Bahnen durch die Anlage, Sägeblätter arbeiten sich kraftvoll und gezielt durch das Holz und überall greift menschliche Präzision in hochmoderne Technik. Der Laie sieht hingegen ein Labyrinth mit Förderbändern und CNC-gesteuerten Abbundmaschinen, in dem die Holzstämme wie Spielzeuge über die Förderbänder und durch die Holzbearbeitungsmaschinen geschickt werden. Riesig ist das Trommelmagazin, das sich endlos dreht und Holzlamellen genau sortiert und gezielt weiterleitet, damit es keine Staus und Leerläufe auf der Anlage gibt.

Rund 35 Lastwagen liefern täglich Stammholz an.
Rund 35 Lastwagen liefern täglich Stammholz an.

60 Prozent Bauholz

Beeindruckend ist auch das Keilzinkverfahren, bei dem Schadstellen aus den Latten herausgeschnitten und die kurzen Holzstücke endlos zu stabileren Baulatten zusammengekeilt, verklebt und zugeschnitten werden. Wegmüller erklärt, dass etwa 60 Prozent von einem Baumstamm als Bauholz genutzt werden kann. Vor der Weiterverarbeitung kommt das Holz noch in eine der zwölf Trocknungskammern, die rund um die Uhr laufen und fortlaufend rund 1500 Kubikmeter geschnittenes Holz je nach Einsatzbereich langsam auf eine Restfeuchte von zehn bis 15 Prozent heruntertrocknen. Der Rundgang führt auch in die Element- und Modulbauhalle, wo kräftig geschraubt und gehämmert wird. Monteure fertigen überwiegend aus Brettschichtholz einzelne Wand-, Boden- und Deckenelemente, die dann zu modularen Raumeinheiten zusammengebaut und fast vollkommen ausgestattet werden. Die Modulbauten können nach dem Re-Use-Prinzip immer wieder an neuen Standorten für unterschiedliche Zwecke in veränderter Zusammensetzung aufgebaut werden.

Das Restholz aus sämtlichen Abteilungen wird zu Pellets verarbeitet oder im eigenen Biomassekraftwerk zur Wärme- oder Stromgewinnung genutzt. Rinde und andere Nebenprodukte werden als Mulch weiterverwendet und damit der nachhaltige Holzkreislauf geschlossen.

Die moderne, automatisierte Anlage ist darauf ausgelegt, Serienprodukte in definierten Dimensionen herzustellen.
Die moderne, automatisierte Anlage ist darauf ausgelegt, Serienprodukte in definierten Dimensionen herzustellen.

Neues Leimholzwerk

In der Halle 16 wartet Roland Inauen. Der Projektleiter ist von der Planung bis zur Inbetriebnahme für das neue Leimholzwerk zuständig. Im März 2024 wurden die Produktionslinien bei der Firma Ledinek in Slowenien bestellt und mit rund 120 Lastwagenladungen auf den Erlenhof transportiert. Seit einem Jahr sind ständig sechs bis 20 Monteure und Programmierer der slowenischen Firma mit dem Aufbau der Anlage beschäftigt. «Tausende Kilometer Elektroleitungen wurden schon installiert», sagt Inauen und erklärt anhand einer Bildschirmpräsentation die Funktion der kombinierten Produktionsanlage für Brettschichtholz (BSH) und Brettsperrholz (CLT). Zurzeit fahren vier Anlagenführer und ein Lernender die erste Produktionslinie im vollkommen eingezäunten und vollautomatisierten Leimwerk hoch, während die zweite Produktionslinie noch für die Inbetriebnahme im kommenden Frühjahr vorbereitet wird. Die BSH-Produktion läuft bereits mit rund 60 Prozent der Kapazität.

Die Schnittware kommt in einen riesigen rotierenden Holzdrehspeicher, der die Brettware sortiert und platzsparend lagert.
Die Schnittware kommt in einen riesigen rotierenden Holzdrehspeicher, der die Brettware sortiert und platzsparend lagert.

Nachfolgeregelung gesichert

An den letztjährigen Feierlichkeiten zum 150-jährigen Firmenjubiläum wurde das neue Stammhaus eingeweiht. Dabei wurde auch bekannt gegeben, dass die Frutiger, eines der grössten Bauunternehmen der Schweiz, mit der Übernahme von 30 Prozent der Aktien bei Blumer Lehmann eingestiegen ist.

Mit einer kleinen Sägerei hat Leonhard Lehmann I. das Familienunternehmen 1875 gegründet, das die damals 24-jährige Katharina Lehmann 1996 als letzte Familiennachfolgerin in der fünften Generation mit 66 Mitarbeitenden übernahm. Die Blumer Lehmann AG beschäftigt an ihrem Hauptstandort in Gossau mittlerweile rund 530 und in den Tochterfirmen in Deutschland, Österreich und Luxemburg weitere über 100 Personen. Bis zum Jahr 2029 ist eine vollständige Übernahme durch Frutiger geplant, womit die Nachfolge des Familienunternehmens gesichert wäre und so den Beschäftigten und allen Beteiligten eine langfristige Perspektive bietet.

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