Biomühle mahlt für Biofutter aus Überzeugung

Die Biomühle Lehmann in Arnegg verarbeitet seit 25 Jahren Biofutter für Hühner, Poulets und andere Tiere – ganz ohne synthetische Zusätze. Der moderne Mühlenbetrieb mit Wurzeln im 14. Jahrhundert ist ein Pionier der Schweizer Biolandwirtschaft. Ein Besuch.

Eric Droz ist seit 2021 Geschäftsführer und Inhaber der Biomühle Lehmann. Bilder: zVg.
Eric Droz ist seit 2021 Geschäftsführer und Inhaber der Biomühle Lehmann. Bilder: zVg.

Die Vereinigung Schweizer Mühlenfreunde (VSM/ASAM) zählt 370 Mitglieder. Sie bildet ein Forum für Mühlenfreunde aus allen Landesteilen der Schweiz und hat die Forschung, die Dokumentation, den Erhalt und den Betrieb der historischen Schweizer Mühlen als Teil des lokalen und nationalen kulturellen Erbes zum Ziel. Dieses Jahr feiert die VSM das 25-Jahre-Jubiläum. «Der Sammelbegriff Mühle umfasst alle möglichen Arten von Anlagen, die unsere Vorfahren mithilfe von Kraftantrieben wie Wasser, Wind und Tieren gebaut und genutzt haben. Dies sind: Reiben, Sägen, Walken, Getreidemühlen, Pressen, Papiermühlen, Pulvermühlen, Stampfen, Ölen, Hammerschmieden, Messerschmieden, Kleinkraftwerke aus den Anfängen der Elektrifizierung und andere mechanische Betriebe und Anlagen», schreibt die VSM auf ihrer Webseite muehlenfreunde.ch, wo auch die rund 80 historischen Mühlen gelistet sind.

Erste Biofuttermühle

Altes Handwerk fasziniert und die Entwicklungen der Vorfahren erstaunen. Sie beobachteten, überlegten, kombinierten, planten, versuchten, scheiterten und fanden schliesslich Lösungen, die auch heute noch funktionieren und auf Interesse stossen. Moderner geht es in der Mühle Arnegg zu und her. Auch sie gibt es seit 25 Jahren. Der Ursprung der Alb. Lehmann Bioprodukte AG liegt jedoch viel weiter zurück und ist mit der Lindmühle im Kanton Aargau verbunden. Sie wird bereits im 14. Jahrhundert erwähnt. Unterdessen hat sie die siebte Generation Lehmann übernommen. Albert und Maja Lehmann kamen 1988 als sechste Generation ans Ruder. Bereits fünf Jahre später regten Biobauern aus dem Freiamt an, Tierfutter nach Biorichtlinien herzustellen. Die Idee stiess auf Begeisterung und die Produktion von konventionellem Futter wurde eingestellt. Dies war der Anfang des Bio-Knospen-Futters in der Schweiz. Eine Pionierleistung. 1997 wurde die Futterproduktion in die Erlenmühle nach Gossau verlegt und 2000 erfolgte der Umzug in die ehemalige OBI-Futtermühle nach Arnegg. Die Biofuttermühle in Gossau wurde 2001 eine eigene Firma, die Alb. Lehmann Bioprodukte AG. 2021 übernahm Eric Droz die Biomühle Lehmann als Geschäftsführer und Inhaber. Der Name der Firma ist jedoch geblieben und auf dem Logo steht schlicht Biomühle Lehmann. Die Erlenmühle ist unterdessen eine Getreidesammelstelle geworden. «Die Zusammenarbeit mit der Lindmühle der Familie Lehmann funktioniert weiterhin für beide Betriebe positiv. So können Biobauern das Biomehl weiterhin von der Biomühle beziehen und ihr Mahlgetreide, das in der Lindmühle gemahlen wird, über die Biomühle abgeben», freut sich Droz.

Im Jahr 2000 erfolgte der Umzug in die ehemalige Obi-Futtermühle in Arnegg.
Im Jahr 2000 erfolgte der Umzug in die ehemalige Obi-Futtermühle in Arnegg.

Ein überraschender Weg

So klar wie bei der Familie Lehmann war der Berufsweg von Eric Droz nicht vorgezeichnet. «Ich wusste schon als Schüler, dass ich Bauer werden will. Ab der fünften Klasse half ich in meiner Freizeit – ich wuchs in Teufen auf – bei einem Bauern. Eine Berufsberatung brauchte ich nicht; ich lernte Landwirt, auch wenn wir zu Hause keinen Bauernhof hatten. Ich stellte mir vor, dass ich dann später Agronomie studieren würde», erzählt der sympathische und in sich ruhende Geschäftsführer. Nach der Lehre hängte er deshalb die Berufsmittelschule an. Als er mit 19 Jahren Vater wurde, änderte sich jedoch alles. Er montierte eine Weile Stalllüftungen, erlangte während der Rekrutenschule den Fahrausweis für Lastwagen und transportierte dann als Chauffeur für die Brühwiler Transport AG in Oberwangen Futtermittel für die Biomühle Lehmann. Es kam wie es kommen musste: Der interessierte und mitdenkende junge Mann fiel Albert Lehmann auf und er holte ihn in seine Firma. «Ich hatte auch einen guten Draht zu den Kunden, und das war sicher mit ausschlaggebend», erinnert sich Droz. Die Schulbank drückte er doch noch, einfach in anderen Fächern und mit anderem Ziel. «Ich machte eine kaufmännische Ausbildung und absolvierte die Schule für Futtermitteltechnik Uzwil.» Bei der Biomühle Lehmann stieg er von der Produktion über die Qualitätssicherung weiter nach oben, bis er das Tagesgeschäft verantwortete. «In dieser Zeit arbeitete ich eng mit Albert Lehmann zusammen, und schliesslich durfte ich das Unternehmen 2021 übernehmen», erzählt er. Unterdessen steht er 30 Angestellten vor und freut sich, dass er nun doch nahe an der Landwirtschaft ist, mit Bauern ins Gespräch kommt, mit ihnen Rezepturen für die Fütterung besprechen kann und erfährt, was auf den Höfen passiert. «Landwirt ist für mich der schönste Beruf, und wenn die Bauern hören, dass ich selber Landwirt bin, ist die Akzeptanz gleich grösser», stellt er fest.

Biofutter für Bioeier

Eric Droz ist also angekommen, auch wenn sein Weg ein paar interessante Kurven genommen hat. Inzwischen ist der 36-Jährige Vater von drei Kindern. Die Weitsicht der Familie Lehmann hat sich ausbezahlt, die Nachfrage nach Biofutter ist stetig gewachsen. «Ich bin überzeugt, dass die Biolandwirtschaft wachsen wird, wenn auch langsamer als auch schon. Das macht jedoch nichts», sagt Droz. Die Ökologisierung werde sich weiterentwickeln. «Bio wird ein Teil davon sein.» Den Bio- und Demeter-Rohstoff aus der Region bringen die Bauern selbst in die Sammelstelle nach Gossau, wo er getrocknet und gereinigt wird. Bauern aus der ganzen Schweiz bringen ihre Getreide in diverse Sammelstellen, wo die Biomühle Lehmann sie mit den fünf eigenen Lastwagen abholt. Gemahlen und gemischt wird in Arnegg. Rund 30 000 Tonnen Endprodukt verlassen die Mühle wieder und gehen zu verschiedenen Bioproduzenten. Besonders in der Bioeier- und Biopouletproduktion ist das Biofutter gefragt. «Weil wir nur bio verarbeiten, ist sichergestellt, dass der Landwirt immer konformes Futter erhält. Ins Futter dürfen wir ausserdem keine synthetischen Aminosäuren mischen. Wir stellen die Mischungen so her, dass sie auf den Betrieben funktionieren und in der Zusammensetzung möglichst stabil sind», informiert Eric Droz.

Wertvoller Rohstoff

Angeliefert und gesammelt werden Gerste, Futterweizen, Triticale, Hafer, Leguminosen, Körnermais und Sonnenblumen. «Wir haben eigene Ölpressen. Der Kuchen dient als wertvoller Rohstoff für Hühnerfutter und das Öl als Energielieferant und Staubbinder in diversen Mischfuttermitteln», erklärt Eric Droz. Der Rohstoff wird in einer modernen Mühle der Rezeptur entsprechend zusammengemischt, vermahlen und in Big Bags oder Säcke abgefüllt oder bei grossen Lieferungen lose in Silos geblasen. Ein Teil wird pelletiert. Es gibt in Arnegg eine Mischlinie, zwei Pelletierlinien und eine Flockenlinie. Neben Bio- wird auch Demeter-Futter hergestellt. Pro Woche werden davon 500 bis 600 Tonnen produziert. Der Kontakt zu den Lieferanten und zu den Abnehmern ist Eric Droz wichtig. Einerseits pflegt er ihn im direkten Austausch auf dem Hof oder am Telefon. Viermal pro Jahr verfasst er zudem eine «Biopräss», ein Informationsblatt über Aktuelles, sei es über die Entwicklung der Ernte, Besonderheiten bei den verschiedenen Tierarten, praktische Tipps oder Weiterbildungen. Eine Schlagzeile kann heissen: «Jedes dritte Bioei in der Schweiz wird mit Futter der Biomühle Lehmann produziert.»

 

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