Landwirtschaftliche Vereinigung Wil: «Wir müssen uns ins Zeug legen»
Kurz vor den Kantonsratswahlen war die Hauptversammlung der Landwirtschaftlichen Vereinigung Wil geprägt von politischen Themen. Präsident Christof Signer erwähnte einige im Jahresbericht und Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbands, gab Wahl- und Stimmempfehlungen ab.

Bäuerinnen und Bauern werden immer mehr gefordert, Stellung zu beziehen und sich bei Wahlen und Abstimmungen einzusetzen. Das zeigte sich an der Hauptversammlung (HV) der Landwirtschaftlichen Vereinigung Region Wil in Henau deutlich. Präsident Christof Signer bat, die Pfähle für bisherige Plakate nicht zum Hagen zu verwenden. Im Herbst würden sie wieder gebraucht, wenn die Biodiversitätsinitiative zur Abstimmung komme. «Wir müssen uns ins Zeug legen, dass sie abgelehnt wird», betonte er. Sie sei zu extrem. Von einem «grossen Einschnitt» sprach später auch Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbands (SGBV), als er erklärte, wo es bei einer Annahme überall zu Einschränkungen und Verhinderungen käme.
Analog diskutieren
Vor, nach und teilweise während der Vorstellung der Kandidierenden ging es im Saal lebhaft zu und her. Die Bauern hatten sich viel zu erzählen. Auf den Tischen lagen die Gesichter von Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten in Form von Karten. Viele bäuerliche Vertreterinnen und Vertreter sind auf den Wahllisten. 38 insgesamt. Aus dem Gebiet der Landwirtschaftlichen Vereinigung Region Wil sind es sieben. Alle waren an der HV anwesend. Drei Frauen und vier Männer. Nach den offiziellen Traktanden führte Vorstandsmitglied Thomas Hollenstein mit ihnen eine Art Podium durch. Er befragte sie zu verschiedenen Themen, konnte es sich allerdings nicht verkneifen, zuerst ausführlich seine persönliche Meinung kundzutun. Wil West, die
Wir müssen uns in Zeug legen, dass die Biodiversitätsinitiative abgelehnt wird.
Raumplanung, die Biodiversitätsförderfläche, die Bildung und die Biodiversitätsinitiative waren Themen, über die die zwei amtierenden Kantonsräte Ursula Egli und Sepp Sennhauser und die kandidierenden Brigit Keller-Hürlimann, Julian Künzle, Jennifer Oswald, Philipp Schönenberger und Hans Tanner reden konnten. Es erstaunte in dieser Runde nicht, dass sie sich alle einig waren und dass sie auch die 13. AHV-Rente ablehnen.
Herausfordernde Witterung
In seinem Jahresbericht erwähnte Christof Signer einige Schwierigkeiten im letzten Jahr. Diese hingen vor allem mit der Witterung zusammen. Ein trockener März, Regen im Überfluss im April, was die Rüben- und Maissaat erschwerte. «Älteres Heu gab es in Hülle und Fülle.» Ab Juni sei es zwar wieder trocken geworden, doch weil die zu nassen Böden vorher befahren worden seien, habe es zwei magere Emdschnitte gegeben. «Goldig», sei allerdings der Herbst gewesen und dann sei es ab Oktober und bis Ende Jahr wieder nass geworden, was das Misten und Güllen erschwert habe. Für die Kartoffeln seien die Bedingungen zum zweiten Mal in Folge schlecht gewesen. Hier habe es sich gezeigt, wie wichtig Pflanzenschutzmittel seien.
Älteres Heu gab es in Hülle und Fülle.
Allerdings seien viele Wirkstoffe verboten und die neuen seien um ein Vielfaches teurer. Für verschiedene Behandlungen stünde statt drei bis fünf nur noch ein Wirkstoff zur Verfügung, was zu Resistenzen führen könne. Erfreut zeigte sich der Präsident über die Wahl von Albert Rösti als Bundesrat und Esther Friedli in den Ständerat. Skeptisch zeigte er sich, was bessere Produzentenpreise anbelangt. Auf verschiedenen Ebenen hätten sich Probleme gezeigt. Eine der jüngsten Diskrepanzen sei die Tatsache, dass die Migros die Labelschweine IP-Suisse um 40 Prozent reduziere, weil die Konsumenten billigere Lebensmittel wählten.
Wählen und abstimmen
Peter Nüesch erwähnte an erster Stelle das Abstimmungsdatum vom 3. März. Nebst der eidgenössischen Abstimmung werden die Mitglieder des Kantonsrats gewählt. Der Wahlkreis Wil hat Anrecht auf 18 Sitze. «Es lohnt sich, sich einzusetzen, denn ein Drittel der Kantonsräte sei während der Legislaturperiode zurückgetreten. «Da kann man nachrutschen.» Bei den Regierungsratswahlen habe sich der SGBV für die sechs Bürgerlichen ausgesprochen. «Das siebte Mitglied kann frei gewählt werden.» Nüesch wies zudem auf die kommunalen
Eine gute Ausbildung ist wichtig – auch wir kennen den Fachkräftemangel.
Wahlen im Herbst hin. Auch da sei es wichtig, Personen im bäuerlichen Umfeld zu werben, wo es Rücktritte gebe. Für die Biodiversitätsinitiative sei es wichtig, zu mobilisieren. Die Initiative sei zu extrem und würde Bemühungen um Wind- und Solarkraft zunichtemachen, die Wald- und Holzwirtschaft und die Landwirtschaft einschränken und die Umsetzung würde 500 Millionen Franken kosten. Eine Kampagne dagegen sei angedacht und eine Vorkampagne mit Aufklärungstafeln, was die Landwirtschaft für die Biodiversität bereits leistet, sei geplant.
Ausbildung wird reformiert
Ein anderes Thema, über das Peter Nüesch informierte, war die Bildung. «Eine gute Ausbildung ist wichtig, auch wir kennen den Fachkräftemangel.» Der SGBV wolle mehr in die Stapler-/Teleskopladerkurse investieren und deshalb werde an der DV des St. Galler Bauernverbands ein höherer Hektarpreis beantragt. Auf das Jahr 2026/27 soll die Ausbildung reformiert und in der Schweiz harmonisiert werden. Die Ausbildung solle drei Jahre lang dauern und ein viertes Jahr freiwillig angehängt werden können. Dieses werde beispielsweise an die Betriebsleiterschule angerechnet. Die Öffentlichkeitsarbeit ist ein ständiges Thema. «Für das Projekt ‚Schule auf dem Bauernhof‘ sollte es möglichst in allen Gemeinden einen Hof geben, der mitmacht.» Am 15. September findet die Aktion «Vo Puur zu Puur» im unteren Toggenburg statt. Peter Nüesch berichtete schliesslich von der Petition, die der Schweizer Bauernverband und weitere Organisationen an den Bund und verschiedene Grossverteiler übergeben hat. Mehr Anerkennung und genügende Entlohnung für die Bauern werden darin gefordert.
Hinweis
Berichterstattungen über weitere Hauptversammlungen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des St. Galler Bauers.
