Wil West Ja: Wieso dabei alle profitieren würden

«Gross denken» ist für das Ja-Komitee beim überarbeiteten Projekt Wil West zentral, wie es an der Medienkonferenz vom Freitag, 23. Januar 2026 wiederholt sagte. Sechs Parteivertreter erklärten und warben für die Vorlage, die am 8. März zur Abstimmung kommt. Bei einem Nein könne man das regionale Agglomerationsprogramm «kübeln».

Heiterer Fototermin: Dario Sulzer, Franzika Steiner-Kaufmann, Raphael Frei, Michael Sarbach, Ursula Egli und Andrin Monstein (von links).
Heiterer Fototermin: Dario Sulzer, Franziska Steiner-Kaufmann, Raphael Frei, Michael Sarbach, Ursula Egli und Andrin Monstein (von links).

Die St. Galler Parteien Die Mitte, FDP, SP, GLP, EVP, die SVP Stadt Wil und die Gruppierung Grüne für Wil West bilden das Ja-Komitee Wil West. Unterstützt wird es von der Industrie- und Handelskammer, dem Kantonalen Gewerbeverband St. Gallen, dem Hauseigentümerverband, TCS und ACS. An der Medienkonferenz sprachen Franziska Steiner-Kaufmann, Kantonsrätin und Kantonalpräsidentin Die Mitte, Dario Sulzer, Kantonsrat SP, Raphael Frei, Fraktionspräsident FDP und Kantonsrat, Michael Sarbach, Grüne für Wil West und Kantonsrat, Ursula Egli, Kantonsrätin SVP Wil, Andrin Monstein, Vizepräsident GLP und Kantonsrat.

Die Ausgangslage

Die Grundstücke für das Projekt Wil West liegen auf dem Gebiet der Gemeinde Münchwilen im Kanton Thurgau, gehören jedoch dem Kanton St. Gallen. Ursprünglich wollte der Kanton St. Gallen die zwei Grundstücke im Umfang von 125 000 Quadratmetern selbst erschliessen und vermarkten. Mit einem Sonderkredit von 35 Millionen Franken hätte er dieses Vorhaben vorfinanziert. Die St. Galler Stimmberechtigten lehnten allerdings den Sonderkredit im Jahr 2022 ab. Damit war das Vorhaben mit der Vorfinanzierung durch den Kanton St. Gallen nicht mehr möglich. Das Projekt wurde danach überarbeitet. Kritikpunkte der Gegner wurden aufgenommen und weitgehend berücksichtigt.

Start bei einem Ja

Bei der Abstimmung vom 8. März geht es um die Frage «Wollen Sie dem Kantonsratsbeschluss über den Verkauf der Grundstücke Wil West und die Kompensation von Fruchtfolgeflächen im Kanton St. Gallen zustimmen?». Erst mit einem Ja kann das Projekt, das einen Entwicklungsprozess von 20 bis 30 Jahren vorsieht, gestartet werden. Den Autobahnanschluss Wil West gibt es nicht ohne das Ja zum Verkauf. Das Ja-Komitee erklärte an der Medienkonferenz, wie sich der Verkaufspreis von 20,3 Millionen Franken zusammensetzt, und widerlegte den Quadratmeterpreis von 54 Franken, den die Gegner ausgerechnet haben und als zu tief monieren.

Verbessertes Projekt

Das Ja-Komitee führt drei Schwerpunkte zugunsten der Entwicklung an einem zentralen und gut angeschlossenen Standort ins Feld. «Die Zersiedelung soll gebremst werden, um wertvollen Boden zu schützen und den vorhandenen Boden klug zu nutzen.» Damit nehme der Druck auf das Landwirtschaftsland in der Region Wil ab, wovon die Ernährungswirtschaft profitiere. 22 Gemeinden verzichten zugunsten von Wil West auf Neueinzonungen für Neuansiedlungen. Trotzdem hätten sie noch genug Reserven, um sich individuell entwickeln zu können, sagte das Ja-Komitee. Im überarbeiteten Projekt ist ein Betrag von 3,8 Millionen Franken vorgesehen für die freiwillige Kompensation von Fruchtfolgeflächen, wovon die Landwirtschaft auch profitiere. Konkret würde mit dem abgetragenen Humus der zu überbauenden Flächen vorhandener Boden aufgewertet. «Durch noch dichteres Bauen wird der Boden optimal und effizient genutzt. Die Aussenflächen auf dem Areal dürfen maximal zu 50 Prozent versiegelt werden. Das ist im Sommer ein Vorteil.» Gemäss Ja-Komitee ist dies eine der Verbesserungen gegenüber dem ursprünglichen Projekt. Die ökologische Nachschärfung des Projekts, inklusive des nachhaltigen Bauens und der geplanten Zertifizierung gemäss Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz, seien zentrale Optimierungen. «Eigentlich müssen wir froh sein, dass das Projekt 2022 abgelehnt wurde», war eine inoffizielle Äusserung im bilateralen Gespräch. Eine starke Agglomeration Wil stärke den ganzen Kanton.

Zwei Bäuerinnen, Franziska Steiner-Kaufmann (links) und Ursula Egli, setzen sich für Wil West ein.
Zwei Bäuerinnen, Franziska Steiner-Kaufmann (links) und Ursula Egli, setzen sich für Wil West ein.

Arbeit und Verkehr

Der zweite Schwerpunkt des Ja-Komitees liegt bei den Arbeitsplätzen der Zukunft. Viele Menschen, auch «teuer» im Kanton St. Gallen ausgebildete Fachleute, würden nach Zürich zur Arbeit pendeln. «Wil West schafft die Grundlage dafür, dass die Menschen dort arbeiten können, wo sie zu Hause sind. Damit stärken und schaffen wir die Wertschöpfung in der Ostschweiz und sichern den nächsten Generationen einen hochwertigen Lebens- und Arbeitsraum», hielten die Parteiexponenten fest. Die Landwirtschaft sei genauso wichtig wie die Wirtschaft insgesamt: «Kartoffeln und Wirtschaft.» Der Kanton St. Gallen werde trotzdem von Steuereinnahmen profitieren, auch wenn das Land an den Kanton Thurgau verkauft würde, denn die Menschen, die dereinst dort arbeiten könnten, würden in der ganzen Region wohnen. Der dritte Schwerpunkt liegt bei den Verkehrswegen. Der Bund finanziere den Autobahnanschluss im Westen von Wil nur im Zusammenhang mit dem Projekt Wil West, sei also an das Agglomerationsprogramm Region Wil gekoppelt, das bei einem Nein wertlos werden würde. Damit würde der Verkehr in den Quartieren und bis hinauf ins Toggenburg entlastet. Der öffentliche und der Langsamverkehr sollen gestärkt, das Parkplatzangebot eingeschränkt werden.

Es braucht beides: In der Schubkarre sind Kartoffeln als Symbol für die Landwirtschaft und Symbole für die Wirtschaft.
Es braucht beides: In der Schubkarre sind Kartoffeln als Symbol für die Landwirtschaft sowie Symbole für die Wirtschaft.

Die Kosten

Die 20,3 Millionen Franken würden für die 7,8 Hektaren bebaubare Fläche bezahlt. Für jene Fläche also, die tatsächlich bebaut werden könnte. Die restliche Fläche, etwa für den Autobahnanschluss oder die ökologischen Ausgleichsmassnahmen, werde dem Bund übertragen, der dafür die Kosten übernehme. Somit liege der Preis bei rund 255 Franken pro Quadratmeter. Das Areal sei jetzt noch als unerschlossenes Landwirtschaftsland klassiert, also als Entwicklungsgebiet vorgesehen. Hinzurechnen müsse man auch die Erschliessung von zusätzlich 250 Franken pro Quadratmeter. «Der Preis ist fair und angemessen für unerschlossenes Land. Von Wil West werden alle profitieren: der Kanton Thurgau, der Kanton St. Gallen und die Bevölkerung beider Kantone.»

Berichterstattung zum Start Wil West Nein-Kampagne

Beinahe zeitgleich mit der Ja-Kampagne starteten auch die Gegner des Projekts Wil West ihre Nein-Kampagne: zum Artikel (Ausgabe 5 vom 30. Januar 2026)

 

Stimmfreigabe beim St. Galler Bauernverband

Wil West polarisiert. In der St. Galler Landwirtschaft ist man sich nicht einig, ob das heute genutzte Kulturland zugunsten einer wirtschaftlichen Entwicklung aufgegeben werden soll oder ob dessen Schutz höher zu gewichten ist. An der Sitzung des Landwirtschaftsrats des St. Galler Bauernverbands (SGBV) in Grabs wurde am Montag, 19. Januar 2026, die Stimmfreigabe beschlossen (siehe Ausgabe 4 vom 23. Januar 2026 oder den Onlineartikel).

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