SBV: Preiskampf und AP 2030 fordern Bauern 2026 heraus
An seiner Neujahrsmedienkonferenz schaute der Schweizer Bauernverband am 5. Januar 2026 auf dem Betrieb der Gebrüder Etter in Meikirch auf die anstehenden Themen im Jahr 2026: Agrarpolitik 2030, Entlastungspaket, Produzentenpreise, Freihandel und UNO-Jahre.

Den Schweizer Bauernfamilien steht mit 2026 ein entscheidendes Jahr bevor. Auf dem Milch- und Ackerbaubetrieb von Christoph und Daniel Etter in Meikirch ging der Schweizer Bauernverband (SBV) auf die verschiedenen Herausforderungen ein. Ein zentrales Thema ist die Agrarpolitik (AP) 2030, die sich nun konkretisiert. SBV-Vizepräsidentin Anne Challandes erläuterte die Kernanliegen aus Sicht der Bauernfamilien: «Die AP 2030 soll den Hauptzweck der Landwirtschaft stärken: die Versorgung der Bevölkerung mit nachhaltig produzierten Lebensmitteln.» Statt einer reinen Agrarpolitik sei eine gesamtheitliche Ernährungspolitik gefragt. Zudem soll sie nach den vielen ökologischen Massnahmen der letzten Jahre den Fokus auf die wirtschaftliche und damit auch soziale Nachhaltigkeit legen. Denn nach wie vor seien die Einkommen in der Landwirtschaft viel tiefer als in vergleichbaren Sektoren. Das führe zu untragbarer Arbeitsbelastung, Überforderung, Burn-out und mehr. «Aus diesem Grund und weil die Landwirtschaft mit seit 20 Jahren nominal gleichen Ausgaben keine Schuld am Loch in der Bundeskasse trägt, muss sie aus dem Entlastungspaket genommen werden», so Challandes.
Zwängerei und Utopie
Das zweite grosse Thema 2026 sei die Abstimmung über die Ernährungs-Initiative, die voraussichtlich im Herbst vors Volk kommt. SBV-Direktor Martin Rufer sagte dazu: «Die Initiative ist eine Zwängerei und Utopie.» Um das Ziel von 70 Prozent Netto-Selbstversorgungsgrad zu erreichen, müsste der Staat die Grenzen schliessen und die Bevölkerung zu einer mehrheitlich veganen Ernährung zwingen. «Wir hätten also Zustände wie im Krieg», so sein Fazit. Die Initiative ziele in erster Linie auf die tierische Produktion. Doch mit unsinnigen Auflagen schwäche sie auch den Pflanzenbau. Die Initianten seien verblendet: «Die Menschen in der Schweiz essen nicht, was die Landwirtschaft produziert. Vielmehr produziert die Landwirtschaft, was die Menschen essen.»
Kostendeckend verkaufen
Die Gastgeber Etter erinnerten daran, dass sie mehr als vier von fünf Franken mit dem Verkauf ihrer Produkte verdienen und deshalb auf kostendeckende Produzentenpreise angewiesen sind: «Der aktuelle Preiskampf im Detailhandel mit Dumpingpreisen macht uns grösste Sorgen. Denn mittelfristig fällt das auf die Lieferanten und dann auf uns Bauernbetriebe zurück.» Generell brauche es gegenüber Lebensmitteln wieder mehr Wertschätzung und damit verbunden wieder mehr Wertschöpfung. Was nichts koste, sei auch nichts wert und ende dann auch schneller als Food Waste.
Zum Abschluss schaute SBV-Präsident Markus Ritter über die Landesgrenzen. Der vorliegende Deal mit den USA sei für den SBV akzeptabel, weil die gemachten Zusagen beim Fleisch innerhalb der WTO-Kontingente lägen und das Schweizer Lebensmittelrecht nicht ausgehebelt werde. «Mercosur hingegen ist eine andere Geschichte. Dieses enthält 25 bilaterale Kontingente im Agrarbereich, darunter auch sensible Landwirtschaftsprodukte wie Wein oder Fleisch mit Zugeständnissen ausserhalb der WTO-Zollkontingente», führte er aus. Hier brauche es für die betroffenen Bereiche Begleitmassnahmen sowie den Verzicht auf Sparübungen im Inland auf Kosten der Bauernfamilien. Zum Abschluss wies er darauf hin, dass die Landwirtschaft auch bei der UNO wichtig sei: «2026 ist sowohl das internationale Jahr der Weiden und Hirten wie auch das internationale Jahr der Landwirtinnen.» Zu beiden plane der SBV Aktivitäten.
