Agrarpolitik 2030: Junglandwirte wollen Richtungswechsel
Die Agrarpolitik 2030 droht aus Sicht der Junglandwirte Schweiz (Jula CH) ihre zentralen Ziele zu verfehlen. Dies macht die Organisation in einer Medienmitteilung klar. Wichtige Anliegen der jungen Generation seien im Verlauf der Diskussionen zunehmend verwässert worden. Die Jula CH hatte andere Ziele.
Die Junglandwirtekommission Schweiz (Jula CH) hat sich seit Beginn aktiv in die Diskussion zur AP 30+ eingebracht und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) in einer Begleitgruppe beraten. Die Jula CH begrüsst diesen Einbezug der nächsten Generation ausdrücklich.
Anliegen der Junglandwirte wenig berücksichtigt
Im vergangenen Monat nutzte die Jula CH ein weiteres Gespräch mit dem BLW, um zentrale Anliegen nochmals zu bekräftigen. Ziel ist ein mutiger Systemwechsel hin zu stabilen Rahmenbedingungen, mehr Planungssicherheit und Innovation auf den Betrieben, angemessenen Einkommen und tragbaren Arbeitsbelastungen in allen Regionen und einen Abbau des Spannungsfeldes zwischen Markt und Politik für eine Steigerung der Wertschöpfung.
Im Verlauf der Diskussionen stellte die Jula CH jedoch fest, dass zentrale Anliegen immer weniger berücksichtigt wurden. «Zwar wird die Digitalisierung als Chance erkannt, doch der angestrebte Wechsel von einer massnahmen- hin zu einer ergebnisorientierten Richtung wird nur unzureichend verfolgt. Statt echte Entlastung für die Betriebe zeichnet sich eher eine Tendenz zu mehr Überwachung und vereinfachten Kontrollen ab», schreibt die Jula CH in ihrer Medienmitteilung. Zudem bleibe aus Sicht der Jula CH unklar, wie die einheimische Produktion konkret gestärkt werden solle.
Druck auf den Detailhandel ausüben
Die Jula CH unterstütze grundsätzlich den Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette. Allerdings zeigen die bisherigen Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel nicht die gewünschte Wirkung. Insbesondere die ökonomische Nachhaltigkeit werde gar nicht berücksichtigt. Die Jula CH erwartet vom Detailhandel, dass er seine Verantwortung wahrnimmt und den Absatz von Schweizer Produkten aktiv stärkt. Mit einem zusätzlichen Brief an den Detailhandel und Treffen auf einem Bauernhof wolle die Jula CH nochmals Druck auf den Detailhandel ausüben.
Ein zentraler Hebel liegt für die Jula CH im Grenzschutz. Dieser müsse gezielt gestärkt werden, um sowohl den Bundeshaushalt zu entlasten als auch die Absatzmöglichkeiten für Schweizer Produkte zu verbessern. Eine reine Produktionsförderung greife zu kurz, wenn Verarbeitung und Absatz nicht gesichert seien.
Erhöhung der Altersgrenze wird abgelehnt
Die Organisation anerkenne die Herausforderungen bei der Hofnachfolge und sehe sich nicht als privilegierte Junglandwirte, wie sie Nationalrat Kilian Baumann bezeichnete. Die Erhöhung der Altersgrenze für die Starthilfe im Rahmen der Motion Baumann lehnt die Jula CH ab, da sie Hofübergaben weiter verzögern könnte. Stattdessen fordert sie gezielte Anpassungen bei der Steuerlast des Verkehrswerts.
Die Jula CH verlangt zudem die konsequente Umsetzung der Motion Wismer zur Wahrung der Verhältnismässigkeit in der Direktzahlungsverordnung.
Organisation bleibt zuversichtlich
Und zum Schluss fordert die Jula CH den Einkommensvergleich anhand des Median-Arbeitsverdienstes der Landwirtschaft mit dem Median-Lohn des 2./3. Sektors. Andere Vergleichsgrössen seien weder wissenschaftlich noch objektiv. «Wir bleiben zuversichtlich, dass das BLW in der Ausarbeitung unsere Anliegen anerkennt und möglichst gut berücksichtigen mag.»
