Wirksame Weidepflege im Herbst

Der Herbst gilt als beste Zeit für die Unkrautpflege auf Weiden. Jetzt lassen sich Blacken, Disteln und Kreuzkraut am wirksamsten bekämpfen, bevor sie im Frühling neu austreiben. Wer im Herbst handelt, sorgt nachhaltig für gepflegte und gesunde Weideflächen.

Eine gründliche Säuberung am Waldrand zieht in den Folgejahren starke Pflege und Handarbeit nach sich.
Eine gründliche Säuberung am Waldrand zieht in den Folgejahren starke Pflege und Handarbeit nach sich.

«Was man da vielerorts antrifft, ist eine mittlere Katastrophe. Kaum ein Bauer nimmt ernsthaft den Kampf gegen Unkraut auf», äussert sich der Berner Tourist Jörg Mayer anklagend. Er weiss aus seinem Umfeld, wofür die Schweizer Landwirtschaft Direktzahlungen bezieht. «Die Betriebe tendieren zu einer Grösse, die eine detaillierte Übersicht verhindert. Zeitmangel und Gleichgültigkeit sind wohl die Gründe, warum in nächster Zeit auch unsere Schweizer Weiden verganden.»

Die Zeiten ändern sich

Landschaftsbilder, aufgenommen vor 100 Jahren, zeigen deutlich, wie sich die Schweiz verändert hat. Entlang von kleinen Wassergräben hat sich die Bewaldung massiv vergrössert. Die Gesellschaft braucht infolge anderer Heiztechnik weniger Brennholz als damals. Haselstauden, Erlen, Eschen und anderes Laubholz breiteten sich demzufolge aus. Dasselbe gilt für die Schweizer Alpenwelt. Wie einer Statistik zu entnehmen ist, hat sich die Alpfläche der Schweiz in den letzten 40 Jahren um weit über 300 Quadratkilometer verkleinert. Im Lauf der Jahrhunderte wurden viele Waldgebiete in Alpflächen umgewandelt. Sobald diese umgewandelten Flächen wieder zu wenig genutzt wurden, kehrte die Natur zurück zur Vegetation, die dem Standort angepasst ist. Um dieser Verbuschung und damit Verwilderung von Landschaften entgegenzuwirken, wurden 2014 vom Bund neue Direktzahlungen beschlossen. Diese sollten den Bewirtschaftenden unter anderem Motivation verleihen, der aufkommenden Verbuschung einen Riegel zu schieben. Eine Studie von Agroscope stellt nun fest, dass diese Direktzahlungen einen unbeabsichtigten Effekt erzielten. Zwei Prozent des Graslandes pro Betrieb sind 2014 trotzdem von verschiedenen Unkräutern, Grünerlen und anderen Hölzern bedeckt worden. Einer der Gründe dafür ist das Unterlassen von Beweidung der Biodiversitätsflächen. Nebst Ziegen und verschiedenen Schafrassen können andere Nutztiere wie Rinder die wachsende Verbuschung ebenfalls zurückhalten. Ein zweiter Grund ist das Ausbleiben von Mulchen auf neu definierten Biodiversitätsflächen. Mulchen gilt nebst guter Bewirtschaftung mit hohem Tierbesatz als kostengünstigste und wirksamste Methode gegen Verbuschung.

Aushacken oder Stechen der Sumpfkratzdistel soll fleissig erfolgen.
Aushacken oder Stechen der Sumpfkratzdistel soll fleissig erfolgen.

Weidepflege im Spätherbst

Aus Sicht von Bruno Nabulon, Berater für Pflanzenbau und Umwelt am Landwirtschaftlichen Zentrum St .Gallen (LZSG) in Flawil, ist der Herbst die wichtigste Jahreszeit für die Bekämpfung von Unkräutern allgemein. Dies gelte insbesondere für Blacken, Disteln und Kreuzkraut. «Dann lagern die Pflanzen Reserven für das nächste Jahr an. Jede jetzt vernichtete Rosette wird im nächsten Jahr nicht austreiben.» Im Frühling und im Sommer gehe es bei vielen Unkräutern darum, deren Versamen zu verhindern. Dann sei die Zeit dafür aber oft Mangelware bei den Bauern. «Eine Wirkung im Kampf gegen die Ausbreitung dieser unerwünschten Pflanzen erreicht man so schon. Aber im Herbst wäre diese Arbeit sogar noch nachhaltiger.» Die durch das Entfernen der Pflanzen entstandenen Lücken würden bis zum Frühling wieder zuwachsen. Das Unkraut verschwinde nicht so schnell, werde aber mit der Dauer garantiert weniger.

Hartnäckige Brombeeren

Entlang von Waldrändern und oft auch inmitten von Weideflächen haben sich vielerorts Brombeeren breitgemacht. Diese zur Familie der Rosengattung gehörende Pflanze gedeiht weltweit. Ihre Stacheln dienen als Kletterhilfe und wirksamer Frassschutz. Im Herbst sollte diese sich rasant ausbreitende Pflanze unbedingt abgeräumt beziehungsweise gemäht werden. Überwintert die Brombeere unbeschadet, bringen ihre Zweige zahlreiche Blütenstände. Die jungen Triebe müssen im nächsten Sommer wieder abgeschnitten werden. Geschieht dies nicht, kriecht die Pflanze, sobald sie den Boden erreicht hat, mit grosser Geschwindigkeit vorwärts und setzt überall neue Wurzeln an. «Es dauert Jahre, bis eine Brombeere verschwindet. Zudem ist das Ausstocken problematisch, da sie sich gut im Boden verankert und daher oft nur bedingt abstirbt.»

Werden diese Brombeeren jetzt gemäht und abgeräumt, geschieht das Entfernen der Triebe im nächsten Sommer einfacher.
Werden diese Brombeeren jetzt gemäht und abgeräumt, geschieht das Entfernen der Triebe im nächsten Sommer einfacher.

Chemische Bekämpfung

Das erfolgreiche Eliminieren von Unkräutern auf chemischem Weg will gut durchdacht sein. Viele Mittel sind für eine konkrete Pflanze bestimmt und daher nur beschränkt einsetzbar. Die bewilligten Herbizide sind zielorientiert in der Wegleitung über Biodiversität zu finden. Der Einsatz des Mittels Roundup mit der Chemikalie Glyphosat kann gegen Ackerkratzdisteln und Blacken in Ökoflächen eingesetzt werden. Dieser starke Unkrautvertilger gilt aber als krebserregend und ist in verschiedenen Ländern nicht mehr im Einsatz. Das Herbizid Asulam ist nicht mehr erhältlich und hat eine Aufbrauchfrist bis am 1. Juli 2026. Der Einsatz von Chemie bei der Unkrautbekämpfung ist immer ein Eingriff in die Natur, der unerwünschte Nachwirkungen hat. Das Verenden von Nützlingen pflanzlicher oder tierischer Art ist eine logische Folge. Unkrautfreie Weiden zu haben ist eine unaufhörliche Aufgabe. Für Bruno Nabulon sind folgende Massnahmen die wichtigsten: «Die Weiden sollen im Frühjahr stark genutzt, im Sommer und Herbst aber diesbezüglich schonend beweidet werden. Dabei ist dem Wetter immer genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Jedes Unkraut braucht eine Lücke, um zu gedeihen.»

Stolz verschwindet

Die Schweizer Landwirtschaft könne sich vielerorts sehr wohl sehen lassen mit ihren gut gepflegten Alpen und Wiesen. Doch das Grösserwerden der Betriebe verdränge die Wichtigkeit von Unkrautvernichtung zunehmend in den Hintergrund. Verloren gehe der Stolz einer ansehnlichen, gut gepflegten Weide. Die Tradition des Farnmähens und des Blackenstockens verschwinde. Tourist Jörg Mayer sagt: «Ich hoffe sehr, dass sich die jungen Schweizer Bauern bewusst sind, dass der Konsument auch diesbezüglich gerne gut bedient ist. Dass der Kauf von Schweizer Produkten auch optisch gut begründet sein kann und dem Land mit wenig Chemie Sorge getragen wird».

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