IG kritisiert teure Baumverpflanzung in Wattwil
Für die geplante Thursanierung in Wattwil will der Kanton St.Gallen drei Bäume testweise verpflanzen. Die IG Vernünftige Thursanierung kritisiert Kosten, Erfolgsaussichten und die dazugeplante Baumschule auf landwirtschaftlicher Nutzfläche.
Der Kanton St.Gallen möchte für 112 Millionen Franken die Thur oberhalb, durch und unterhalb von Wattwil verbreitern. Nun hat der Kanton St.Gallen bei der Gemeinde Wattwil um eine Baubewilligung für eine Baumverpflanzung ersucht. Im Rickenhof sollen drei Bäume als Test an ihren zukünftigen Standort umgepflanzt werden.
Das gefällt nicht allen. Der Verein IG Vernünftige Thursanierung Wattwil kritisiert diese Test-Baumverpflanzung. Aus einer Medienmitteilung vom 12. August 2025 gehen folgende Gründe hervor:
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Baumverpflanzung ist teuer – Ausgang offen
«Laut dem technischen Bericht sollen die drei testweise zu verpflanzenden Bäumen über Jahre hinweg betreut, gewässert und gedüngt werden. Der Kanton erhofft sich daraus Erkenntnisse für die mögliche Rettung weiterer Bäume.» Doch ein Erfolg sei ungewiss. «Alte Bäume lassen sich nicht verpflanzen», schreibt die IG und verweist auf eine alte Volksweisheit. Die aufwendige Verpflanzung mit Spezialbagger und Kränen sei nicht nur teuer für den St.Galler Steuerzahler, sondern auch ein massiver Eingriff in die Thurallee. Dabei sei diese über die Schutzverordnung der Gemeinde eigentlich geschützt.
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Alleebäume fallen zum Opfer
Laut Medienmitteilung der IG führe die geplante Thursanierung Wattwil zur Fällung von 230 der insgesamt 450 Alleebäume. Bei 70 weiteren Bäumen werde sich zeigen, ob ihre Versetzung möglich ist. Lediglich 150 Alleebäume könnten erhalten bleiben. (Anmerkung der Redaktion: Im Faktenblatt zur Thursanierung ist von einem Drittel die Rede, die gefällt werden müssen (150), 150 sollen verpflanzt werden und 150 bleiben stehen.)
«Die Testverpflanzung soll der Bevölkerung vorgaukeln, dass eine Verpflanzung unproblematisch sei. Dabei lässt die geplante Thursanierung die bekannte und beliebte Baumallee verschwinden, und mit ihr auch Lebensräume sowie Erholungsorte für Mensch und Tier», schreibt die IG weiter. Es werde Generationen dauern, bis die Thur-Allee im Toggenburg wieder prächtig gediehen sei.
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62’000 m2 Landwirtschaftsland werden zerstört
Der neue Standort der drei Bäume zeigt, wo die Thur zukünftig verbreitert durchfliessen wird. Im Bereich Rickenhof wird die Thur von 46 auf 85 Meter verbreitert. Zwischen den drei zu verpflanzenden Testbäumen und der heutigen Thur wird auf dem bestehenden Wiesland eine Baumschule mit einer Fläche von 2300 m² angelegt. Diese Baumschule sowie die Thursanierung an sich benötigen Flächen an Landwirtschaftsland: «Insgesamt werden in Wattwil über 62’000 m2 bestes Landwirtschaftsland zu Flussbett und Böschungen umgewandelt.»
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Baumschule ist weder Staatsaufgabe noch demokratisch abgestützt
«Die neue Baumschule ist für die Thursanierung nicht notwendig, denn Bäume können bei privaten Baumschulen beschafft werden.» Es sei nicht Aufgabe des Kantons, auf Landwirtschafts- und Fruchtfolgeflächen eine solche bereitzustellen oder zu betreiben. Dass die Baumverpflanzung und die Baumschule im Rickenhof stattfinden, sei kein Zufall: Das heutige Wiesland ist Eigentum der Gemeinde Wattwil. Die Wattwiler Bevölkerung hat sich jedoch nie dafür ausgesprochen, dass der Kanton auf gemeindeeigenem Landwirtschaftsland Baumschulen einrichtet.

Nachgefragt beim Kanton St.Gallen
Der «St.Galler Bauer» hat beim Projektleiter der Thursanierung nachgefragt. Philipp Gyr arbeitet beim kantonalen Amt für Wasser und Energie (AWE). Die Testverpflanzung inklusive mehrjähriger Betreuung, Bewässerung und Düngung kosten gemäss seinen Aussagen rund 120’000 Franken. Laut einem Faktenblatt handelt es sich um einen Bergahorn, eine Sommerlinde und eine Stieleiche. Auf die Frage, welche Erfahrungen oder Referenzprojekte es gäbe, die zeigen, dass eine Verpflanzung von älteren Bäumen erfolgreich sein kann, verweist er auf die Verpflanzung der Allee für das diesjährige eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Mollis.
Für das ESAF 2025 wurden wegen der Arena zwölf gesunde Grossbäume (Stammumfang bis 160 cm) professionell verpflanzt. 16 Bäume mussten gefällt werden, nach dem Fest wird die Allee aber mit 56 Neupflanzungen vergrössert.
Eine Baumschule auf Landwirtschaftsland
Es ist geplant, am Standort Rickenhof eine 2300 m² grosse Baumschule anzulegen. Die Gründe dafür erklärt Gyr wie folgt: «Wir möchten diese Möglichkeit in Zukunft nutzen, sofern die Verpflanzung der Bäume erfolgreich verläuft. Sollte die Testverpflanzung wider Erwarten scheitern, werden wir die Baumschule nicht anlegen.» Bis zur Entscheidung werde sich an der landwirtschaftlichen Nutzung des Wieslands kaum etwas ändern. Hinsichtlich des Einwands der IG Vernüftige Thursanierung, dass auch in einer anderen Baumschule gezogene Bäume verwendet werden könnten, bezieht er sich mit seiner Ausage auf die Auskunft eines Spezialisten: «Bäume wachsen und gedeihen besser, wenn sie in der gleichen Umgebung und unter den gleichen klimatischen Verhältnissen grossgezogen werden.
