St. Galler Weinjahr 2025: von frisch fruchtig bis kräftig elegant
Das Rebjahr und die Weinlese 2025 im Kanton St. Gallen zeigten zwei Seiten. Die kühle Witterung bremste zwar die Reife, förderte aber die Aromatik. So entstehen frische, fruchtige Weissweine. Gleichzeitig reifen in warmen Lagen kräftige Rotweine mit guter Struktur.

Abgerechnet wird erst, wenn die Ernte im Keller ist – und dieses Jahr bestätigt das besonders. Noch im August war von einer grossen Ernte die Rede: Die Trauben waren gross, prall, schwer und bis dahin sehr gesund. Die Pflanzenschutzsaison verlief relativ entspannt, einzig eine dreiwöchige Schlechtwetterperiode im Juli erzeugte etwas Druck, wurde aber gut überstanden.
Der Herbst jedoch enttäuschte: Häufige Regenfälle, kühle Temperaturen, wenig Sonne und vereinzelt Hagel führten zu Ertragsverlusten. Einige Rotweinsorten mussten vorzeitig gelesen werden, und auch der Blauburgunder zeigte erneut seine divenhafte Seite.
Fazit: Es wird dieses Jahr viel Federweissen geben. Gleichzeitig überraschen spätreifende Sorten in unserem Klima zunehmend. Die Low-Alcohol-Community (Freunde alkoholarmer Weine) darf sich freuen: Der Jahrgang bringt feine, elegante Weine hervor.
Der Jahresverlauf
Zu Jahresbeginn 2025 herrschte in St. Gallen eine stabile Hochdrucklage mit Inversion: In höheren Lagen war es sonnig und mild, während im Tal kalte, neblige Bedingungen dominierten. Ab dem 23. Januar verlagerte sich das Hoch, kältere Luft strömte aus Nordwesten ein und führte zu sehr unterschiedlichen Austriebsbedingungen. Manche Lagen zeigten bereits Anfang April die ersten grünen Spitzen, andernorts verzögerte sich der Austrieb.
Der Frühling verlief warm und re-gional trocken; laut Frühjahrs- Klimabulletin 2025 zählt St. Gallen zu den Regionen mit den niederschlagsärmsten Frühlingen seit Messbeginn. Der Austrieb schritt voran, lag jedoch hinter 2024. Der Mai war wiederum recht kühl und niederschlagsreich, was den Wuchs etwas bremste. Im Juni setzte mit zunehmender Hitze eine Wetterwende ein, bevor der Juli in den östlichen Kantonen, darunter St. Gallen, regenreich ausfiel, teils mit 150 bis 200 Prozent der Niederschlagsmenge der Referenzperiode 1991 bis 2020. Der Umschwung vom trockenen Frühling und heissen Frühsommer zu einem gewittrigen, nassen Juli prägte auch August und September. Der August begann extrem heiss, was stellenweise Sonnenbrand an den Trauben verursachte. Leider wechselte das Wetter ab Mitte August, der goldene Herbst blieb aus. Insgesamt lag die Vegetationsperiode deutlich über dem Temperaturmittel, während der Wasserhaushalt je nach Region stark variierte.
Pflanzenschutz und Ernte
Die Pflanzenschutzsaison verlief insgesamt überschaubar. Bis in den Juli hinein gab es immer wieder genügend Zeitfenster, um eine saubere Applikation zu gewährleisten. Ab der zweiten Juliwoche setzte jedoch häufiger Regen ein, was den Pflanzenschutz erschwerte und die Beeren praller werden liess, dies mit potenzieller Gefahr für Botrytis oder Beerenaufplatzen. Dazu kam es zwar nicht, dennoch hinterliess die Nässe ihre Spuren.
Im August folgte eine erneute Hitzeperiode. Die Pflanzenschutzsaison war vergleichsweise früh abgeschlossen. Anschliessend verschlechterte sich das Wetter wieder: Vereinzelt trat Hagel auf, der September verlief regenreich und vor allem kühl.
Ein früher Erntebeginn ist inzwischen nichts Neues mehr. Die ersten Posten wurden bereits Ende August gelesen. Wenn die Qualität nicht zu halten ist, müssen die Trauben rechtzeitig geerntet werden. Danach ging alles schnell: Die Haupternte der weissen Sorten war bis Mitte September abgeschlossen, jene der roten reichte noch bis in die erste Oktoberwoche. Späte Sorten wurden bis Mitte Oktober eingebracht.
Der Oechsleschnitt des Blauburgunders liegt mit 92 Grad Oechsle (°Oe) dennoch im Bereich der letzten drei Jahre. Das hängt auch mit dem Trend zusammen, dass weniger Rotwein getrunken wird; Blauburgunder wird daher früher geerntet, um Schaumwein, Federweissen oder Blanc de Noir zu erzeugen. Dieser Effekt zeigt sich entsprechend in der Statistik. Deutlich höhere Werte gab es dagegen 2018 mit 100 °Oe, 2009 mit 101 °Oe und 2003 mit 103 °Oe.

Einschätzung des Jahrgangs
Die Gärung ist abgeschlossen; bei den im Holzfass ausgebauten Weinen läuft der biologische Säureabbau, ist bereits beendet oder startet im Frühling, sobald es im Keller wieder wärmer wird. Die ersten Weissweine werden bereits abgefüllt. Früh, aber den Kundenwünschen entsprechend. Für leichte Apéroweine ist das problemlos möglich. Kräftige Weiss- und Rotweine lagern noch länger, bevor sie in den Verkauf gelangen. Der Jahrgang verspricht bereits jetzt einiges: Er dürfte elegant ausfallen und eine schöne Aromatik zeigen. Der kühle September war für die Reife zwar nicht ideal, unterstützte jedoch die Aromaentwicklung. Teilweise werden die Weine leichter ausfallen, was dem Low-Alcohol-Trend (wenig Alkohol) entgegenkommt: frisch, fruchtig, verspielt und dennoch elegant mit angenehmer Säure. Gleichzeitig wird es auch kräftige Rotweine geben; in guten, sonnenverwöhnten Lagen wurden Oechslewerte um 100 Grad erreicht.
Entwicklung der Flächen
Wie das Klima und die Kundenwünsche verändern sich natürlich auch die Rebflächen und Rebsorten im Kanton St. Gallen. Wie in der Tabelle ersichtlich, nimmt die Rebfläche der zwei Hauptsorten Blauburgunder und Müller-Thurgau ab. Mehr an Interesse gewinnen immer mehr pilzwiderstandsfähige Rebsorten, dies aber vorwiegend im Weissweinbereich. Die Qualität dieser Weissweine ist super, und der geringere Aufwand im Pflanzenschutz gefällt der Natur, den Winzern sowie den Konsumenten.
Obwohl sich der Blauburgunder im Rebberg divenhaft verhält, können aus ihm viele Produkte hergestellt werden, und er ist in der Weinwelt bekannt kann über die Grenzen hinaus verglichen werden.
