Ausgezeichnetes Schutzwaldprojekt «Schildkrötenwald»
Der Revierförster Bruno Meli verwandelte den Schutzwald Galans im Weisstannental in einen strukturreichen «Schildkrötenwald». Durch gezielte Eingriffe, Naturverjüngung und teilweisen Verzicht auf Borkenkäferbekämpfung entstand ein stabiler Bergwald, der als Erfolgsprojekt 2026 ausgezeichnet wurde.

Der Schutzwald Galans sichert oberhalb der Ortschaft Weisstannen verschiedene Alpbewirtschaftungen und ganzjährig bewohnte Gebäude vor Naturgefahren. Zudem nehmen die Bäume grosse Niederschlagsmengen auf. Sie tragen so dazu bei, Überschwemmungen durch die Seez zu verhindern, deren Wasserstand durch zahlreiche zufliessende Bergbäche rasch ansteigen kann. Aufgrund der abgelegenen Lage und schlechten Erschliessung wurde der Wald seit Jahrzehnten kaum bewirtschaftet. Dadurch entwickelte sich ein 150- bis 200-jähriger einstufiger, vermooster, dunkler Bestand. Wegen der Überalterung und der fehlenden Strukturvielfalt drohte der Schutzwald die nötige Stabilität zu verlieren. Der Revierförster Bruno Meli konnte die waldbesitzenden Alpkorporationen Galans, Hahnenboden und Steiälpli vor 13 Jahren davon überzeugen, einen Eingriff durchzuführen, um wieder einen strukturreichen, stabilen Wald zu bekommen. Jeder Waldeigentümer erhielt pro Hektare Wald 800 Franken Entschädigung, wobei gesamthaft rund 24 000 Franken ausbezahlt wurden. Mit dem Holzertrag wurde ein Teil der Forstarbeiten abgedeckt, die im Revier Sargans-Weisstannen alle an externe Forstunternehmen vergeben werden. Für die Holzbringung auf dem rund 30 Hektaren umfassenden Gebiet Galans gab es von Bund und Kanton zudem Beiträge von rund 168 000 Franken. Wenn das Geld nicht ausgereicht hätte, wäre eine Härtefallregelung zum Tragen gekommen, bei der Bund und Kanton das Defizit übernommen hätten.
Jungwuchs passt sich an
Bruno Meli liess im Schutzwald Galans zahlreiche 30 bis 50 Meter lange und 25 bis 30 Meter breite Schneisen abholzen. So kam für das Pflanzenwachstum Licht in den Wald und Wärme auf den Boden. Mit einer Seilkrananlage wurden im steilen Gelände über zwei Haupt- und fünf Zubringerbahnen rund 3000 Kubikmeter Holz mühsam aus dem Wald geschafft. Nach der Abholzung forstete Meli jedoch keine jungen Bäume nach, sondern setzte vollständig auf die Naturverjüngung. «Jeder Baum, der vom Sämling heranwächst, kommt mit den heutigen Bedingungen zurecht. Ein 150-jähriger Baum gerät durch den Klimawandel zunehmend unter Druck», sagte Meli. Er glaubt, dass sich die natürlich aufkommenden Jungbäume der Wasserverfügbarkeit anpassen und nicht mehr so hoch werden, damit sie sich selbst vollständig mit Nährstoffen versorgen können. Der Revierförster bemerkte, dass Vögel zahlreiche Sämlinge von Vogelbeeren verbreitet haben, die vor dem Projektbeginn im Galanser Wald noch nicht vorhanden waren. Die wirtschaftlich uninteressante Vogelbeere ist als Vorbau-Baumart ökologisch wertvoll, da sie indirekt zur Stabilisierung des Waldbodens beiträgt, weil sich ihr Laub gut zersetzt und Humus bildet. «Wo die Vogelbeere kommt, wachsen auch Buchen, Ahorn und Fichten», betonte Meli.

Noch mehr Verjüngungsflächen
Kurz nach den Holzarbeiten warf ein Föhnsturm zusätzlich rund 600 Kubikmeter Holz um. «Die Seilkrananlage hatten wir bereits abgebaut, die uns nochmals hilfreich gewesen wäre», sagte Meli. Er liess etwa zwei Drittel vom Sturmholz mit dem Helikopter aus dem Wald fliegen. Da dieser Aufwand nicht kostendeckend war, wurde ein Drittel vom Sturmholz liegen gelassen und die Rinde fischschuppenartig gestreifelt. So konnte das Holz schnell austrocknen und der Borkenkäfer sich nicht darin vermehren. Im Sommer 2015 gab es in den Sturmflächen dennoch 150 Festmeter Käferholz. «Wo der Sturm wütet, kommt auch der Borkenkäfer», weiss Bruno Meli nur zu gut.

Obwohl das Käferholz aufgearbeitet und wieder ausgeflogen wurde, hat sich der Borkenkäfer weiterhin vermehrt. «Bruno, jetzt musst du damit aufhören, du kommst nicht mehr ans Ziel und musst jetzt auf die Natur setzen», sagte der Revierförster damals zu sich. Er verzichtete ab 2016 vollständig auf die Käferbekämpfung und liess der Natur freien Lauf. Nach einer weiteren Zunahme der Käferbäume in den folgenden fünf Jahren gingen die Befallszahlen markant zurück, wofür Meli verschiedene Gründe sieht. Zum einen hat der Borkenkäfer im Gebiet Galans natürliche Feinde wie den Ameisenbuntkäfer, den Dreizehenspecht und verschiedene Schlupfwespen, für die Totholz als Lebensraum liegen gelassen wurde. Der Förster konnte zudem beobachten, dass einzelne Fichten selbst im Käfernest überleben konnten. Er glaubt, dass sich die Bäume gegen den Borkenkäfer selbst wehren können, indem sie Duftstoffe aussenden. Ein weiterer Faktor für den natürlichen Borkenkäferrückgang ist der entomopathogene Pilz, der Insekten wie den Borkenkäfer befällt und tötet. Zudem ist die kurze Vegetationszeit in der Höhenlage von 1400 bis 1700 Meter über Meer ungünstig für die Vermehrung des Borkenkäfers, für die es Temperaturen von rund 20 Grad Celsius braucht. In den Höhenlagen kann er sich im Zeitraum von Juni bis September höchstens einmal vermehren, während er im Tal innerhalb eines Sommers bis zu vier Generationen hervorbringen kann.

Bestätigung für Erfolgsprojekt
In den letzten zehn Jahren sind im Gebiet Galans etwa zehn Prozent des Fichtenbestands dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen, während heute nur noch einzelne Bäume davon betroffen sind. Meli bemerkte, dass Bergahorn, Buchen und Vogelbeeren in den naturverjüngenden Flächen schnell hochkommen und in den nächsten 30 Jahren keine markanten Eingriffe gemacht werden sollen, damit sich mehrschichtige Wälder entwickeln. Durch die Eingriffe hat der Schutzwald Galans eine Struktur bekommen, die aus der Vogelperspektive einem Schildkrötenpanzer gleicht, der Symbol für Schutz, Vielfalt und Anpassungsfähigkeit ist. Bruno Meli und Roger Bolliger, Projektförster der Waldregion 3, haben das Projekt für den Schutzwaldpreis 2026 eingereicht. Dieses wurde von der Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer Forstvereine in der Kategorie «Erfolgsprojekt» mit dem Preis ausgezeichnet. Für den Revierförster ist der Schutzwaldpreis eine Bestätigung für seine jahrelange Arbeit. «Von zehn Förstern hätten mindestens acht gesagt: ‚Bruno, du musst das Käferholz abholzen, sonst hast du da oben bald keinen Wald mehr’», sagte Meli. Er erklärte, dass er sich heute zurücklehnen kann, weil er einfach der Natur vertraut hat. «Wenn man die Natur in Ruhe lässt, regelt sie sich von selbst», betont der 62-jährige Förster. Bruno Meli möchte nach seiner Pensionierung mit seiner Frau noch ein paar Sommer eine Alp bewirtschaften und dort die grenzenlose Freiheit in der Natur geniessen.

