Als Sortenbetreuer für Pro Specie Rara Sorge tragen zu alten Sorten

Evelyn und Urs Krapf gehören zu den zahlreichen Sortenbetreuern von Pro Specie Rara. In ihrem Garten in Mogelsberg tragen sie Sorge zu gut 20 Pflanzen. Doch rund um ihr Haus gedeihen noch weit mehr Gehölze, Blumen, Obst, Beeren und Gemüsesorten.

Der Garten von Evelyn und Urs Krapf ist ein Zuhause für Menschen, Tiere und Pflanzen.
Der Garten von Evelyn und Urs Krapf ist ein Zuhause für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Die vielfältigen Grüntöne des Gartens lassen trotz Regen staunen. Grün bildet den Rahmen für all die anderen Farben: Das Orange der Ringelblumen, das Weiss eines Phlox, das Lila einer Wicke. Im Garten von Evelyn und Urs Krapf wächst vieles bunt durcheinander und trotzdem geordnet. Schmale Wege führen vorbei an Gemüsebeeten und Rosenstöcken zu verwunschenen Ecken, in denen Sitzgelegenheiten zum Ausruhen einladen.

Zum Ausruhen bleibt allerdings gerade im Sommer nur wenig Zeit. Täglich gibt es viel zu tun: Gemüse, Beeren und Obst ernten, Hochgewachsenes aufbinden. Seit 2003 lebt Familie Krapf am Ortsrand von Mogelsberg, anfangs gemeinsam mit ihren vier Kindern, von denen drei mittlerweile eigene Wege gehen. Evelyn und Urs Krapf waren seit ihrer Kindheit vertraut mit Gärten, sei es durch Eltern, Grosseltern oder Tanten. Für beide gehörte ein Garten zum Leben dazu. 2003 waren sie auf der Suche nach einem eher abgelegenen, grossen Grundstück, um Gartenträume zu verwirklichen. In Mogelsberg fanden sie etwas Passendes, wenn auch nicht ganz so abgelegen oder gross, wie sie es sich vorgestellt hatten. Das Grundstück umfasst 1460 Quadratmeter.

Von eintönig zu vielfältig

«Als wir hier einzogen, dominierte ein Rasen den Garten wie auch einige grosse Bäume, darunter eine Thuja, eine Esche und hochgewachsene Fichten. Zudem fanden wir zwei Apfelbäume und eine Buchen- und Weissdornhecke sowie Floribunda-Rosen vor», erzählt Evelyn Krapf. Das Ehepaar krempelte die Ärmel hoch und machte sich an die Arbeit. Die grossen Bäume wurden entfernt, um mehr Licht in den Garten zu bringen. «Das Holz nutzten wir zuerst für unseren Kachelofen, später dann für unsere Holzheizung», sagt Urs Krapf. «Wir legten einige Asthaufen auf dem Grundstück an, um Insekten und Vögeln einen Lebensraum zu bieten, die Artenvielfalt zu fördern.»

Als Erstes bestimmten sie den Platz für den Gemüsegarten, denn der brauchte den sonnigsten Ort auf dem Grundstück, erinnert sich Evelyn Krapf an die Anfänge der Gartengestaltung. Weitere Pläne gab es keine und so entstand nach und nach eine wilde und zugleich geordnete Gartenwelt. Blumen kamen hinzu, mehr Obstbäume, eine Rebe über der neuen Pergola. Johannisbeeren, Stachelbeeren und weitere Beeren ergänzten den Gemüsegarten, in dem bald einmal ein Tomatenhaus aus alten Scheiben stand. Alle Pflanzen seien auch zum Geniessen, entweder sind sie essbar oder duften gut, sagt Evelyn Krapf.

Besondere Sorten betreuen

Als langjährige Mitglieder von Bioterra und Leser des Magazins war ihnen auch Pro Specie Rara vertraut. Bald entwickelte sich das Interesse, Sortenbetreuer zu werden und die Organisation beim Erhalt von besonderen Pflanzen zu unterstützen. «Der Schwerpunkt unseres Engagements liegt bei den mehrjährigen Zierpflanzen, die vegetativ vermehrt werden. Also mittels Stecklingen oder durch Teilung der Wurzeln oder Rhizome», erklärt Evelyn Krapf. Nur eine ihrer Sorten, die Breitblättrige Platterbse, Lathyrus latifolius (Blaue von Ramsen), produziert Samen, die zur Vermehrung genutzt werden. «Der Phlox Serneus, der zartlila Blüten hat, versamt sich auch. Die Samen tragen jedoch nicht die Merkmale der Sorte, weil sich die verschiedenen Phloxsorten kreuzen. Daher ist die Vermehrung über Samen nicht sinnvoll.»

Der Phlox amplifolia Serneus ist eine Pro-Specie-Rara-Blume.
Der Phlox amplifolia Serneus ist eine Pro-Specie-Rara-Blume.

Mit rund 20 Pflanzen sind sie nun bei Pro Specie Rara registriert. Das bedeutet aber nicht, dass eine regelmässige Vermehrung erforderlich ist. «Pro Specie Rara meldet sich bei uns nur dann, wenn festgestellt wird, dass eine Sorte plötzlich weniger wird. Dann würden wir die betroffene Pflanze vermehren und ihnen diese schicken. Pro Specie Rara sucht dann Gärtnerinnen und Gärtner, die diese Pflanzen bei sich aufnehmen.» Vor drei Jahren meldeten sich Krapfs selber als Vermehrer von bestimmten Astilben, die bedroht waren. «Es ist eine pflegeleichte Pflanze und wird von den Schnecken nicht angerührt», sagt Evelyn Krapf. Sie und ihr Mann schätzen es, Teil der Sicherheit im Erhaltungsnetzwerk zu sein. «Wir vermehren natürlich viele unserer Pflanzen. Diese sind jeweils begehrt an den Offenen-Garten-Tagen oder am Tag der offenen Samengärten», sagt die leidenschaftliche Gärtnerin. Auch über ihr Instagram-Konto @Hortensia8169 erhält sie Anfragen für Pflanzen.

Der Phlox paniculata Jade ist zumindest in Krapfs Garten mehltauresistent.
Der Phlox paniculata Jade ist zumindest in Krapfs Garten mehltauresistent.

Viel Zeit im Garten

Was nach viel Arbeit klingt, ist es auch, vor allem von Frühling bis Herbst. Urs Krapf, der mit einem 60-Prozent-Pensum als Oberstufenlehrer arbeitet, ist vor allem zuständig für den Gemüsegarten sowie jene Arbeiten, die Muskeln erfordern. Seine Frau ist zu 50 Prozent als Heilpädagogin und Kunsttherapeutin tätig und nimmt sich hauptsächlich der Stauden an. Während der Saison verbringen die beiden wöchentlich 20 bis 30 Stunden im Garten. «Unser Ziel ist es, die Arbeit im Garten zu vereinfachen. In absehbarer Zeit möchten wir das Haus ganz unseren Kindern überlassen, denn letztes Jahr sind wir in unser ‚Altershaus‘ nach Appenzell gezogen», erzählen die beiden, die jetzt 61 respektive 53 Jahre alt sind. Der Garten dort sei etwas grösser, aber dank weniger Gehölze einfacher zu pflegen.

Wo vor 22 Jahren noch Rasen dominierte, wächst heute eine Fülle unterschiedlicher Pflanzen bunt durcheinander.
Wo vor 22 Jahren noch Rasen dominierte, wächst heute eine Fülle unterschiedlicher Pflanzen bunt durcheinander.

Besuch willkommen

Im Moment aber pflegen und geniessen Evelyn und Urs Krapf das grün-bunte Paradies in Mogelsberg noch. Beide absolvierten vor einigen Jahren eine Ausbildung als Phytotherapeuten und stellen aus ihren Pflanzen Teemischungen, Tinkturen und Ölauszüge her. «Dieses Jahr war es schwierig, Kräuter zu ernten und zu trocknen. Ansonsten hat die Nässe den Garten kaum beeinträchtigt», sagt Evelyn Krapf, während sie auf ihrem Laptop einen Blick auf das Pflanzeninventar wirft. «Bei uns wachsen mehr als 200 verschiedene einheimische Stauden, 250 Stauden aus Europa und Asien sowie 30 verschiedene einheimische Gehölze und etwa 60 Rosensorten und -arten.» Eine Lieblingspflanze ist die Wildrose Rosa multiflora, deren weisse Blüten Insekten anziehen und die im Herbst kleine Hagebutten trägt, erklärt Evelyn Krapf und deutet auf einen stattlichen Rosenstrauch vor dem Haus. «Verkauft wurde uns die Pflanze als kleinbleibende Zwergrose, denn vor 20 Jahren hatten wir selbst noch keinerlei Rosenwissen», sagt ihr Mann und lacht. Wer sich diese Rose anschauen möchte, kann sich bei Krapfs melden, denn ihr Garten gehört zu den offenen Gärten von Bioterra. Abgesehen von definierten Wochenenden im Sommer ist Besuch auf Anmeldung auch zu anderen Zeiten willkommen (bioterra.ch/offenergarten). Evelyn und Urs Krapf teilen nicht nur ihre Pflanzen, sondern auch ihr selbst erworbenes Gartenwissen gerne.

Erhaltung der Vielfalt

Pro Specie Rara engagiert sich für die Erhaltung und Nutzung von über 1600 Garten- und Ackerpflanzen, 2500 Obstsorten, 1000 Zierpflanzensorten, 400 Beerensorten und 38 Nutztierrassen. Die vielfältigen Eigenschaften der alten Sorten und Rassen sind gleichbedeutend mit einem breiten Genpool, auf den man bei Bedarf zurückgreifen kann. Spezielle Eigenschaften können wieder gefragt sein wegen plötzlich auftretender Krankheiten, Klimaveränderungen oder neuer Konsumentenbedürfnisse.

www.prospecierara.ch

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