Fabian Gut im Interview zum Raufuttermarkt im Wandel
Fabian Gut aus Muolen ist Grosshändler für landwirtschaftliche Produkte wie Futtermittel und Einstreu. Daneben führt der 44-jährige gelernte Landmaschinenmechaniker gemeinsam mit Lkw-Chauffeur Kilian Hähni auch Spezialtransporte durch. Seit sechs Jahren präsidiert er den Schweizer Raufutterverband. Im Interview äussert er sich unter anderem zu den Branchenentwicklungen.

Herr Gut, seit wann führen Sie Ihren Handelsbetrieb, und wie hat alles begonnen?
Fabian Gut: Ich habe den Betrieb vor mehr als 20 Jahren gemeinsam mit meinem Vater, Arnold Gut, und unserem Geschäftspartner Karl Germann aus Muolen gegründet. Karl Germann ist inzwischen leider verstorben. Damals führte mein Vater noch einen Landwirtschaftsbetrieb, und wir waren parallel im Grosshandel tätig. Später habe ich den Handelsbetrieb übernommen.
Die Heuernte 2024 war durch Wetterextreme geprägt. Wie schätzen Sie die diesjährige Lage ein?
Gut: Letztes Jahr erschwerte der viele Regen die Ernte und beeinträchtigte die Qualität. Dieses Jahr sind die Bedingungen besser. Die Mengen sind etwas tiefer, dafür überzeugt die Qualität umso mehr. Kurz gesagt: Die Qualität ist ausgesprochen gut, die Quantität ist gut.
Gibt es typische Qualitätsmerkmale, auf die man beim Heu besonders achten sollte?
Gut: Ein wichtiges Merkmal von gutem Heu oder Emd sind Farbe und Geschmack. Die beiden Produkte kann man nur objektiv mit dem Auge beurteilen. Fotos reichen dafür nicht aus. Heu oder Emd muss man anfassen und daran riechen können, man arbeitet quasi mit allen Sinnen.
Welche Entwicklungen im Handel und Transport von Heu und Stroh haben Sie in den letzten Jahren besonders beschäftigt?
Gut: Heute werden Heu und Stroh meist in schweren Quaderballen transportiert; das Ladegewicht ist deutlich gestiegen. Kleinballen sind weniger gefragt und werden paketweise angeboten. Die Logistik ist einfacher geworden und benötigt weniger Personal. Standardisierte Produkte wie künstlich getrocknete Luzerne, Häckselstroh oder Strohpellets werden vermehrt mit Sattelschleppern osteuropäischer Herkunft transportiert, da die Lohnkosten hierzulande schwer konkurrenzfähig sind.
Wie hat sich der Raufuttermarkt in den letzten Jahren verändert?
Gut: In den letzten zehn Jahren gab es viele Schwankungen durch extreme Trockenperioden. Trotz Befürchtungen wegen des Klimawandels kam es nicht zu Engpässen. Es gab auch Jahre mit einem Überangebot, in denen der Markt gesättigt war. Zunehmend wird auch über das Internet gehandelt, etwa über Plattformen wie Bio-Mondo, den digitalen Marktplatz der Schweizer Biolandwirtschaft. Der Nachteil ist, dass man den Verkäufer nicht kennt. Denn im Raufuttergeschäft zählt vor allem Vertrauen.
Welche Entwicklungen beobachten Sie bei Bioraufutter? Nimmt die Nachfrage weiter zu?
Gut: Ich habe den Eindruck, dass viele Betriebe mittlerweile ihre Lieferanten oder Abnehmer im Bio-bereich gefunden haben. Biolandwirte sind verpflichtet, Raufutter aus der Schweiz zu beziehen. Die Nachfrage stagniert zurzeit.
Wie unterscheidet sich Raufutter aus der Schweiz von Importware in Bezug auf Qualität, Preis oder Nachhaltigkeit?
Gut: Ein grosser Teil des importierten Raufutters ist feldgepresst. Die Qualität schwankt von ausgesprochen gut bis weniger hochwertig. Feldgepresstes Raufutter ist günstiger und weniger aufwendig herzustellen als belüftetes Heu. Es stammt meist von kleinstrukturieren Betrieben, ähnlich wie in der Schweiz. Gerade in schwierigen Zeiten sind diese Produzenten für unsere Versorgungssicherheit wichtig. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, sich langfristig zu unterstützen und regional einzukaufen, in guten wie in schlechten Jahren.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit den deutschen und österreichischen Heu- und Strohlieferanten aus? Gibt es gemeinsame Strategien oder Spannungsfelder?
Gut: Eine feste Strategie gibt es nicht, aber wir kennen uns durch jährliche Treffen. Wir arbeiten mit gleichen Produkten und haben ähnliche Herausforderungen. Ein zentrales Thema ist der Kostendruck, da Struktur- und Lohnkosten im Ausland niedriger sind.
Welche Rolle spielt der zunehmende Unkrautdruck und das eingeschränkte Pflanzenschutzmittelangebot aus Ihrer Sicht?
Gut: Den Unkrautdruck sehe ich vor allem als Folge der Ökologisierung und einer extensiveren Wieslandbewirtschaftung. Dadurch treten vermehrt unerwünschte und teils giftige Pflanzen wie Ampfer, Herbstzeitlose oder Jakobs-Kreuzkraut auf, besonders bei Importware. Pflanzenschutz ist vor allem im Getreidebau problematisch. Schweinebetriebe benötigen sauberes, pilzfreies Stroh. Die Qualitätsanforderungen sind auch dort hoch. Diese zuverlässig zu erfüllen, wird zunehmend schwieriger.
Wo sehen Sie die grösste Herausforderung bei der Festsetzung der Preise?
Gut: Alle Beteiligten – Produzenten, Händler, Transporteure und Abnehmer – stehen unter Kostendruck. Wichtig ist, dass jeder in der Wertschöpfungskette wirtschaftlich überleben kann. Es braucht alle.
Welche langfristigen Veränderungen erwarten Sie durch den Klimawandel im Raufutterbereich?
Gut: Der Klimawandel sorgt für stärkere Schwankungen, gute und schlechte Jahre wechseln sich schnell ab. Die Nachfrage ändert sich kurzfristig stark. Langfristig wird vor allem der sinkende Tierbestand, besonders bei Rindern und Schweinen, spürbar sein. Ungenutzte Futterflächen könnten künftig zu einem Überangebot an Raufutter führen.
Was motiviert Sie persönlich, sich für den Verband zu engagieren?
Gut: Heu und Stroh begleiten mich tagtäglich, oft auch nur gedanklich. Diese enge Verbindung zur Branche war ein entscheidender Grund, warum ich das Amt des Präsidenten übernommen habe. Es ist mir ein Anliegen, mich für den Verband und die Landwirtschaft einzusetzen.
Was tun Sie, um persönlich abzuschalten?
Gut: Ich bin Mitglied bei den Ischällner Immenberg. Dort kann ich abschalten, einfach mit den Trychle mitlaufen. Abschalten heisst für mich aber auch, am Freitagabend mit Kollegen etwas zu unternehmen oder zusammen ein kleines Reisli zu machen.
