Indische Laufenten als Schneckenjäger
Einen Laufentenverleih bietet seit rund einem Jahr Judith Geisser aus Mörschwil an. Ihre sechs Laufenten – Edi, Lisa, Wiliam, Ronja, Emil und Britta – suchen in den Gärten ihrer jeweiligen Mieter ganz gezielt nach Nacktschnecken. Ohne giftige Schneckenkörner werden damit die gefrässigen Schnecken ökologisch aus dem Garten verbannt.

Es giesst wie aus Kübeln: Aufrecht, mit lang gestrecktem Hals und hoch erhobenem Kopf watscheln Edi und Lisa durch das saftig grüne Gras. Ihr Anblick ist erheiternd, der Regen scheint die beiden nicht zu stören. Ganz im Gegenteil – vielleicht finden die zwei Indischen Laufenten ja gerade jetzt ihre Lieblingsspeise auf dem nassen Boden. «Edi und Lisa habe ich heute Nachmittag wieder nach Hause geholt», erzählt Judith Geisser. Die 34-jährige gelernte Medizinische Praxisassistentin wohnt mit ihrer Familie in Mörschwil. Seit rund einem Jahr bietet sie einen Entenverleih an – als natürliche Schneckenbekämpfung im Garten.
Gefrässige Nacktschnecken sind eine Plage. Die ungeliebten Weichtiere samt ihren Eiern sind aber auch das Lieblingsessen der Laufente. «Aus diesem Grund biete ich einen Entenverleih an, weil er eine natürliche Variante ist, die Schnecken loszuwerden. Ohne Schneckenkörner oder Einsammeln sind sie im Nu weg.» Nebst den drei erwachsenen Entenpaaren, die Judith Geisser vermietet, zieht sie noch zwölf Jungtiere auf. Die grosse Nachfrage zeigt, dass die Mörschwilerin mit ihrem Projekt den richtigen Weg eingeschlagen hat. «Bis Ende August bin ich ausgebucht. Ich habe bereits Anfragen für das nächste Jahr bekommen.» Bei einigen Kunden stehe allerdings nicht die biologische Bekämpfung der Schnecken im Vordergrund. Sie geniessen einfach ihre amüsanten Feriengäste, denn die Enten sorgen für beste Unterhaltung.
Portables Entenhäuschen
Angefangen hat alles vor vier Jahren. «Wir sind sehr tierliebend. Neben Zwergziegen und Hühnern wollten wir unseren eigenen Garten in Hanglage mit weiteren Tieren beleben. Im Internet habe ich recherchiert und bin dann auf die Indische Laufente gestossen.» Die natürliche Schneckenbekämpfung sei dazumal nur ein positiver Nebeneffekt gewesen. Judith Geisser vermietete anfangs drei Laufenten an Freunde. Nachdem sich dann die Anfragen häuften, entschied sie sich für einen offiziellen Entenverleih. Sie schaffte sich drei weitere Laufenten an. Den Corona-Lockdown im vergangenen Jahr haben Geissers genutzt, um ein portables Entenhäuschen zu bauen. Es sei ein Familienprojekt gewesen, bei dem ihr Mann Ralf und ihre drei Kinder mitgeholfen haben. Das rote Häuschen, das über Fenster und Türe verfügt, passt perfekt in Geissers Auto. Darin kann nämlich ein Entenpärchen an den Ausleihort geliefert werden.

Und was braucht es, um Laufenten halten oder mieten zu können? «Eine Wiese oder einen Rasen mit Schnecken und eine grosse Portion Tierliebe», gibt Judith Geisser zur Antwort. Laufenten seien relativ anspruchslose Tiere – sie sind aber scheu und lassen sich nicht streicheln. Stattdessen geniessen sie lieber die Anwesenheit ihrer Artgenossen. Da sie ungerne alleine sind, vermietet Judith Geisser ihre Enten paarweise. Wer möchte, kann aber statt einem Laufentenpaar auch zwei Paare mieten. «Den Enterich erkennt man an den lockigen Schwanzfedern. Zudem schnattern die Männchen leiser als die Weibchen», sagt die Laufentenvermieterin und lacht. Grundsätzlich höre man die Enten ohnehin nur selten schnattern – eigentlich nur dann, wenn sie einer Gefahr ausgesetzt sind oder anderen Enten in der Nähe zurufen. Nebst dem Entenhäuschen bekommt der Kunde Einstreu, Schwimm- und Wasserbecken sowie Futter und Zaun mitgeliefert. 30 Franken kostet ein Entenpaar pro Woche, hinzu kommen Kosten fürs Bringen und Holen. Judith Geisser zäunt das Grundstück auch vor Ort ein. Es sei erstaunlich, wie schnell sich die Tiere in einem neuen Garten zurechtfinden. Wenn einmal eine Laufente ausbüxe, sei es grundsätzlich kein Problem. Da sie kein Einzelgänger ist, laufe sie nicht weg, sondern bleibe in der Nähe ihres Partners. Der Kot der Enten ist relativ flüssig und werde meist direkt vom Boden aufgenommen oder vom nächsten Regen weggespült – eine ideale Düngung für den Rasen.

Sicherer Unterschlupf
Schnecken stehen bei den Laufenten zwar ganz oben auf der Speisekarte. Doch grundsätzlich fressen sie ziemlich alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Sie mögen auch Würmer, Insekten sowie Rüstabfälle und feine Salatblätter. Es empfiehlt sich deshalb, Gemüsebeete und Zierpflanzen vor den gemieteten Feriengästen zu schützen. Zusätzlich wird ihnen Hühnerfutter angeboten. Damit der Schneckenschleim nicht die Schnäbel und die Kehlen verstopft, brauchen die Laufenten stets Zugang zu Trinkwasser. Enten baden auch sehr gerne. Ihnen beim Planschen zuzusehen, könne äusserst amüsant sein, weiss Judith Geisser. Wichtig sei es, dass die Laufenten jeden Abend zurück in ihr Häuschen gehen. Denn in der Nacht brauchen sie einen Unterschlupf, der sie vor dem Fuchs und Marder schützt. Während mindestens drei Wochen oder länger bleiben die Laufenten jeweils in ihrer Ferienresidenz. Für Leute, die sich überlegen, selber Laufenten zu halten, sei es eine gute Gelegenheit, dies erst einmal zu testen. Vermietet werden sie vom Frühjahr bis im Herbst. Im Winter ist es zwar auch möglich, dann allerdings weniger zur Schneckenbekämpfung.

Die ursprünglich aus Südostasien stammende Laufente legt im Sommer fast täglich ein Ei. Roh sollten die Eier nicht verzehrt werden, da sie in seltenen Fällen Krankheitserreger enthalten könnten. Doch mindestens zehn Minuten gekocht, um die Keime abzutöten, können sie bedenkenlos gegessen werden. Auch zum Backen sind die Enteneier gut geeignet. Da ihr Dotter grösser als der eines Hühnereies ist, sorgen sie für eine schöne gelbe Farbe.
Judith Geisser hat die Anschaffung ihrer Laufenten noch nie bereut. «Es ist eine interessante Erfahrung, und ich schätze den Kontakt zu den Leuten. Zudem sind die Rückmeldungen durchwegs positiv. Der Grossteil meiner Kunden ist begeistert von den Tieren.»
Weitere Informationen unter: laufentenverleih.blogspot.com

