Grassilage füllt Wintervorrat für Nutztiere
Das schöne und milde Frühlingswetter sorgt dafür, dass die Bauern das Gras ihrer Wiesen für den Futtervorrat im kommenden Winter silieren und somit konservieren. Die Methode der Grassilage ist etwa seit rund 150 Jahren bekannt und aus der Nutztierhaltung nicht mehr wegzudenken.

Zügig fährt der 340 PS starke Häcksler über die grosse Futterwiese im zürcherischen Benken, wo das für das Silieren gemähte und angewelkte Gras in Schwaden gelegt wurde. Der Pick-up nimmt diese Schwaden auf und führt das Gras in den Häcksler, wo es zerkleinert und über den Auswurf direkt auf den Erntewagen für den Transport überladen wird und dort in einen der Futtersilos eingefüllt und konserviert wird. Damit werden zugleich auch die ersten Futtervorräte für den kommenden Winter angelegt.
Luftdicht verschlossen
Für die einwandfreie Silageherstellung werden mindestens 36 bis 48 Stunden ohne Niederschlag benötigt. Nach einer kurzen Anwelkzeit auf der Wiese kann das Futter auch zu Quader- oder Rundballen gepresst werden. Danach wird die Balle luftdicht in eine Folie eingewickelt, sodass der benötigte Gärprozess starten kann und das Futter konserviert und lagerfähig wird.
Nicht überall möglich
Nebst der Ballensilage und den traditionellen Hochsilos kommen heute auch Fahrsilos für Silage aller Art zum Einsatz. In der Milchviehhaltung ist die Silageverfütterung allerdings teilweise eingeschränkt. Dies ist im Zürcher Weinland aber nicht der Fall. Der grösste Teil der Milch wird hier als Industriemilch zu Joghurt, Trinkmilch, Weichkäse oder Quark verarbeitet. Doch sogenannte Rohmilchkäse wie Emmentaler, Greyerzer, Sbrinz oder auch Appenzeller können und dürfen nur aus silofrei produzierter Milch hergestellt werden. Entsprechend müssen die Milchlieferanten für diese Rohmilchkäseproduktion auf die Fütterung mit Silage verzichten. Die Gefahr steckt dabei in den Buttersäurebakterien, die ihren Ursprung im Silofutter haben. Diese können, wenn sie über die Rohmilch in die Käsemasse gelangen, zu massiven Fehlgärungen führen. Um diese Gefahr für andere Käsearten oder auch Milchprodukte auszuschalten, wird die Milch vor dem Verarbeitungs- und Verkäsungsprozess pasteurisiert. Zugleich besteht auch die Möglichkeit, mit einer Baktofuge diese Milchsäurebakterien zu entfernen.
Im Ausland setzt man hingegen einfach auf künstliche Zusatzstoffe, die der Milch beigemischt werden, damit sich beispielsweise Nachahmerprodukte wie der Emmentaler produzieren lassen. Dies ist in der Schweiz nicht erlaubt.
Seit über 150 Jahren
Schriftliche Unterlagen zur heutigen Methode der Grassilage sind bereits 150 Jahre alt. So hat 1877 ein französischer Landwirt ein erstes Handbuch über Silage geschrieben. Bekannt war diese Futterkonservierung aber auch bereits in Skandinavien, England und Irland. Erst viel später wurde diese Konservierungsmethode jedoch in den Alpenländern angewendet. Zuerst stand dabei der eigentliche Silo als Konservierungsort im Mittelpunkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen vermehrt die Flach- oder Fahrsilos auf. Ausserdem entwickelte man für die Maissilage die Silowurst. Die Siloballe trat ihren Siegeszug erst vor rund 40 Jahren mit dem Aufkommen der entsprechenden Landtechnik mit Grossballenpressen an. Diese Technik ermöglicht es, dass auch kleinere Futtermengen einfach und rasch konserviert werden können, ohne dass ein Silo dafür geöffnet werden muss.
Heinzen und Schober
Bis anhin war es nur möglich, Gras und Grünfutter vollständig getrocknet unter Dach als Winterfutter einzulagern. Für die einfache Futtertrocknung wurden dabei über Jahrhunderte einfache Systeme entwickelt, wo das gemähte Gras an Heinzen und ähnlichen Gestellen zum Trocknen aufgehängt wurde. Später wurde das Futter im Berggebiet in kleinen Schobern und Scheunen oder aufgestockt im Freien für den kommenden Winter gelagert.
Silo ist griechisch
Die Bezeichnung Silage stammt von Silo und leitet sich historisch vom griechischen Wort «Siros» ab. Mit diesem Ausdruck wurden ursprünglich unterirdische, luftdichte Futterspeicher bezeichnet. Vermutlich schon vor über 9000 Jahren wurde Getreide in solchen Speichern aufbewahrt. Funde aus der Zeit von 1500 bis 1000 vor Christus in Ägypten und Karthago brachten solche Silos als Lagerstätten zutage.
