Trockenheit und Mäuse setzen Kulturen im Linthgebiet zu
Trockenheit, Mäuse und Schädlinge setzen den Kulturen im Linthgebiet zu. An einer Flurbegehung Ende Juli 2026 zeigten Fachleute, worauf es bei Saat, Düngung und Pflanzenschutz jetzt ankommt und warum ein genauer Blick auf Böden und Bestände entscheidend ist.

Ein schwül-warmer Sommerabend wartete auf rund 230 Landwirte, die verteilt auf drei Gruppen den Referenten quer über die Wiesen folgten. Zur Flurbegehung im Linthgebiet eingeladen hatten die Landi See AG in Neuhaus, die Landi Linth in Schänis sowie die Landi BV March in Wangen. Gastgeber waren Gerold und Nicole Hofstetter vom Spettlinthof in der äussersten südlichen Ecke des Kantons St. Gallen, in Benken. Gemeinsam bewirtschaften sie 34 Hektaren Land und halten rund 70 Milchkühe mit Jungvieh. Zusammen mit seinem Bruder Marcel führt Gerold Hofstetter zudem ein Lohnunternehmen mit zwei Mähdreschern, zwölf Traktoren und drei Feldhäckslern.
Ackerbaumischung bei Mäusen
Den Auftakt der Fachreferate gestalteten Albert Fässler von Laveba und Jakob Vogel, Produktmanager bei Ufa Samen. Während Fässler von erfreulichen Getreideerträgen berichtete, richtete Vogel den Blick auf die Herausforderungen des laufenden Jahres. Die anhaltende Trockenheit und die Hitze hätten ihre Spuren hinterlassen. Während im Jahr 2024 noch rund 1070 Millimeter Niederschlag gemessen wurden und im vergangenen Jahr 830 Millimeter, seien in diesem Jahr bislang erst rund 560 Millimeter gefallen. Am Standort Benken zeigten sich deshalb lückige Bestände und ein erhöhtes Mäusevorkommen.

Trotz der schwierigen Ausgangslage rieten die Referenten zu überlegtem Handeln. «Grundsätzlich rate ich zu Geduld», sagte Vogel. Entscheidend seien die richtige Mischungswahl und eine sorgfältige Saatbettbereitung mit anschliessender Rückverfestigung durch die Walze. Fässler empfahl, den Boden vor der Saat gut «zu hobeln», das Saatgut rund einen Zentimeter tief einzudrillen und auf einen sauberen Bodenschluss zu achten. «Wo Mäuse grössere Schäden verursacht haben, kann eine Ackerbaumischung sinnvoll sein», sagte er. Auch das Beimischen von Rotklee bezeichnete er als gute Möglichkeit. Gleichzeitig warb Fässler dafür, mehr Sitzstangen für Greifvögel aufzustellen, damit diese als natürliche Mäusejäger wirken können. Tatsächlich huschten immer wieder Mäuse an den Eingängen ihrer Bauten vorbei, während hoch über den Köpfen der Teilnehmer Rotmilane ihre Kreise zogen. Dass an diesem Abend vor allem über Trockenheit, Mäuse und die Zukunft der Kulturen gesprochen wurde, überraschte niemanden.
Richtige Kali-Menge
Im zweiten Fachblock widmete sich Hansruedi Lusti vom Landor-Beratungsdienst der Düngung. Dies im Sinne der ertragsabhängigen N-Korrektur beim Silo- und Körnermais, analog wie bei Raps und Getreide. «Im Linthgebiet mangelt es den Böden häufig an Kali», erklärte er. Die mit der Gülle ausgebrachte Kaliummenge (Kali) reiche beim Mais oftmals nicht aus. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit dem Nährstoff wirke sich direkt auf die Pflanzenentwicklung aus: Die Kolbenausbildung werde verbessert und die Stängel würden kräftiger. Besonderes Augenmerk legte Lusti auf das Wurzelwerk der Maispflanzen. «Gesunde Wurzeln sind weiss und fein verzweigt. Zeigen sie sich dagegen bräunlich oder fehlen die feinen Wurzelverästelungen, ist dies ein deutlicher Hinweis, dass irgendwo der Wurm drin ist», so Lusti. Tatsächlich beobachtet er in diesem Jahr ein auffallend starkes Auftreten verschiedener Schädlinge wie Drahtwürmer, Erdschnaken und Fritfliegen. «Es lohnt sich, genau hinzuschauen, bevor es zu spät ist», warnte er die aufmerksam zuhörenden Landwirte.

Neues Insektizid-Granulat
Den Abschluss der Flurbegehung übernahm Stefan Lendi von Omya mit einem Überblick über den aktuellen Pflanzenschutz. Die eingesetzten Herbizide im Mais hätten im Linthgebiet in diesem Jahr insgesamt gut gewirkt, stellte er fest. Seit diesem Jahr steht zudem mit dem Insektizid-Granulat Beluga ein neues Mittel zur Bekämpfung von Drahtwürmern in Kartoffeln und Mais zur Verfügung mit einer Aufwandmenge von zwölf Kilo pro Hektare. Für die Anwendung sei allerdings eine Sonderbewilligung erforderlich. «Die Wirkung liegt bei 60 bis 70 Prozent, eine vollständige Bekämpfung ist nicht möglich. Bei starkem Drahtwurmdruck genügt die Wirkung von Beluga daher nicht», erklärte Lendi. Die Drahtwurmbekämpfung müsse integrativ über die Fruchtfolge erfolgen; Beluga sei dabei nur ein Element der Bekämpfungsstrategie.
Dichter Bestand als Schutz
Grosses Interesse weckten neben Seclira, dem neuen Sprühköder für die Fliegenbekämpfung, auch die neuen Ratron-Sticks gegen Wühlmäuse. In der anschliessenden Fragerunde zeigte sich, welche Probleme die Landwirte derzeit besonders beschäftigen. Lendi wurde unter anderem nach Möglichkeiten gefragt, gegen Sperlinge vorzugehen, die bei einem der Landwirte in Gruppen die Spitzen der Maiskolben anpicken. Eine wirksame Lösung gebe es derzeit nicht, erklärte Lendi. Auch die Bekämpfung der Borstenhirse in Wiesen sei schwierig, da sie sich nicht gezielt behandeln lasse, ohne andere Gräser zu schädigen. Die beste Vorbeugung sei deshalb ein dichter Bestand ohne Lücken. Pflanzenschutztechnisch sei von Tembotrione (Barst) in Mais das grösste Potenzial zu erwarten.
Mehr als nur Info
Nach den Rundgängen kehrten die drei Gruppen auf den Spettlinthof zurück. Beim gemütlichen Beisammensein mit Verpflegung wurde bis spät weiterdiskutiert, Erfahrungen wurden ausgetauscht und Beobachtungen verglichen. Gerade in einem Sommer, der von Trockenheit, Mäusedruck und zahlreichen Schädlingen geprägt ist, erwies sich die Flurbegehung einmal mehr als weit mehr als eine Informationsveranstaltung. Sie ist ein wichtiger Treffpunkt der Landwirtschaft, wo Fachwissen, praktische Erfahrung und der persönliche Austausch zusammenkommen.
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