Feuerbrand nimmt im Kanton St.Gallen wieder zu

Feuerbrand war in den vergangenen Jahren im St. Galler Obstbau meist kein grosses Thema mehr. 2026 fällt die Krankheit aber wieder häufiger auf. Noch ist die Lage nicht dramatisch. Deutlich mehr positive Proben aus verschiedenen Regionen zeigen aber: Jetzt lohnt es sich, Obstbäume und andere Wirtspflanzen zu kontrollieren.

Feuerbrand an einem Birnbaum. Bild: Wikimedia Commons
Feuerbrand an einem Birnbaum. Bild: Wikimedia Commons

Feuerbrand ist im Kanton St. Gallen kein neues Phänomen. Seit mehr als zehn Jahren taucht die durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte Krankheit immer wieder auf. Im Niederstammobstbau hat sie in dieser Zeit jedoch keine vergleichbaren Probleme mehr verursacht wie in früheren Feuerbrandjahren.

Auch die rechtliche Situation hat sich verändert. Seit Inkrafttreten des neuen Pflanzengesundheitsrechts im Jahr 2020 gilt Feuerbrand nicht mehr als Quarantäneorganismus und ist deshalb grundsätzlich nicht mehr überall melde- und bekämpfungspflichtig. Der Kanton St. Gallen hat jedoch «Gebiete mit geringer Prävalenz» ausgeschieden. Dort müssen Besitzerinnen und Besitzer von Wirtspflanzen ihre Pflanzen auf Feuerbrand kontrollieren und einen Befall oder Befallsverdacht dem kantonalen Pflanzenschutzdienst melden. Damit sollen insbesondere Erwerbsobstanlagen und Baumschulen vor einem hohen Befallsdruck geschützt werden.

Viele positive Blütenproben

Der Kanton verfolgt die Entwicklung unter anderem mit einem Blütenmonitoring. Denn die Hauptinfektion mit Feuerbrand erfolgt während der Blüte. Bereits 2025 waren die Infektionsbedingungen für Feuerbrand zeitweise günstiger als in den Jahren zuvor, ohne dass dies zu grösseren Auswirkungen geführt hätte. In diesem Frühjahr zeigte sich nun ein ganz anderes Bild.

Das von Agroscope betriebene Prognosemodell Maryblyt berechnet während der Apfel- und Birnenblüte anhand von Temperatur, Feuchtigkeit und weiteren Faktoren das Risiko für Blüteninfektionen. 2026 wurden an verschiedenen Wetterstationen mehrere aufeinanderfolgende Infektionstage sowie sogenannte HW-Tage berechnet. An solchen Tagen sind die Voraussetzungen für eine Infektion weitgehend erfüllt, es fehlt jedoch das notwendige Nässeereignis. Die anhaltend warmen Temperaturen ohne Kälteeinbrüche sorgten für gute Vermehrungsbedingungen des Bakteriums, auch wenn das errechnete Erregerinfektionspotenzial (EIP) keine aussergewöhnlich hohen Werte erreichte.

Dies zeigte sich auch beim Blütenmonitoring: In diesem Frühjahr waren 23 Prozent der untersuchten Blütenproben positiv – der höchste Wert seit 2012. In den meisten anderen Jahren lag der Anteil lediglich bei rund fünf bis zehn Prozent.

Inzwischen bestätigt sich das auffällige Bild auch im Feld. In mehreren Obstanlagen wurde deutlich mehr Feuerbrand festgestellt als in den Vorjahren. Meldungen stammen sowohl aus frühen als auch aus späten Lagen. Das bedeutet noch keine dramatische Feuerbrandsituation. Die verschiedenen Beobachtungen zeigen aber übereinstimmend, dass die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgt werden sollte.

Bäume/Hecken kontrollieren

Jetzt lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Feuerbrand-Wirtspflanzen. Typische Symptome sind schwarz verfärbte, abgestorbene Blüten und dunkel werdende beziehungsweise absterbende Langtriebe. Kontrolliert werden sollten nicht nur Apfel- und Birnbäume. Auch Wirtspflanzen ausserhalb der Obstanlagen können für das Infektionsgeschehen eine Rolle spielen. Besonders Weissdorn in Hecken sollte deshalb nicht vergessen werden.

Laub und Früchte der Eberesche 2018 mit Trockenstress. Bild: Wikimedia Commons
Laub und Früchte der Eberesche 2018 mit Trockenstress. Bild: Wikimedia Commons

Gerade in diesem Sommer ist die Beurteilung allerdings nicht immer einfach. Die trockenen Bedingungen erschweren die Beurteilung. Vertrocknete oder abgestorbene Triebe müssen nicht zwingend durch Feuerbrand verursacht worden sein und das typische Bild der schwarzen Langtriebe kann oft fehlen. Wo die Symptome nicht eindeutig sind, ist deshalb eine fachliche Abklärung beziehungsweise eine Beprobung sinnvoll.

Die betroffenen Gebiete sind auf der Feuerbrandkarte im Geoportal des Kantons ersichtlich. Die Meldepflicht in diesen Gebieten ist auch in den aktuellen Vorgaben des Bundes festgehalten.

Kanton schaut Bestände an

Auch der Kanton will sich ein genaueres Bild von der diesjährigen Situation verschaffen. Zusätzlich zum Blütenmonitoring und den bisherigen stichprobenartigen Begehungen werden derzeit in Häggenschwil, Muolen, Steinach, Berneck und Au Fachpersonen unterwegs sein. Ihr Augenmerk gilt insbesondere den Hochstammobstbeständen. Dabei handelt es sich um eine gezielte Erhebung zur Beurteilung der aktuellen Feuerbrandsituation. Sie soll zeigen, wie verbreitet die Krankheit in den ausgewählten Gebieten ist und ob sich die Beobachtungen aus den Obstanlagen auch bei den Hochstämmen bestätigen.

Zu beachten gilt: Diese Begehungen ersetzen die Kontrolle durch die Besitzerinnen und Besitzer nicht. Wer Wirtspflanzen in einem Gebiet mit geringer Prävalenz besitzt, bleibt verpflichtet, diese selbst auf Feuerbrandsymptome zu kontrollieren und einen Verdacht zu melden.

Feuerbrand ist damit 2026 noch kein Grund zur Beunruhigung. Nach mehreren ruhigen Jahren gibt es jedoch genügend Hinweise, um wieder genauer hinzuschauen und insbesondere zu beobachten, ob die gemessene Erregervermehrung in den Blüten auch bei der zurzeit vorherrschenden Trockenheit zu Befall geführt hat.

Das ist jetzt wichtig

  • Feuerbrandkarte im Geoportal.ch prüfen: Liegen die eigenen Wirtspflanzen in einem Gebiet mit geringer Prävalenz?
  • Apfel- und Birnbäume sowie weitere Wirtspflanzen kontrollieren; dabei auch Weissdorn in Hecken beachten.
  • Verdächtige Symptome bei Unsicherheit fachlich abklären beziehungsweise beproben lassen.
  • Feuerbrandbefall oder Befallsverdacht in Gebieten mit geringer Prävalenz an die Fachstelle Obstbau, stefan.freund@sg.ch, oder an die Fachstelle Pflanzenschutz, pflanzenschutz@sg.ch, melden. Die Kontaktangaben sind auf den aktuellen Seiten des Kantons aufgeführt.

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