Extensiv genutzte Weiden aufwerten
Am 17. Juni 2025 fand bei der Familie Brändle in Libingen ein Abendkurs des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen und Vernetzungsprojekte Mosnang-Bütschwil-Krinau und Kirchberg zum Thema «Wie erreiche ich QII auf meiner Weide?» statt. Rund 55 interessierte Landwirtinnen und Landwirte nahmen an diesem Anlass teil und erhielten wertvolle Einblicke in die ökologischen Potenziale und die Bewirtschaftung extensiv genutzter Weiden.
Die Weide von Monika und Hanspeter Brändle zeigte eindrücklich, welchen ökologischen Wert extensiv genutzte Weiden haben können. Dank Verzicht auf Düngung und einer gezielten, angepassten Beweidung und Pflege entwickelte sich eine enorme Pflanzenvielfalt sowie zahlreiche wertvolle Strukturen wie dornentragende Sträucher, Einzelbäume, Totholzstrünke und offene Bodenstellen. Sogar seltene Pflanzenarten wie der durchwachsene Bitterling, Enziane und Orchideen sind auf der im Kurs besuchten Fläche im Städeli verbreitet zu finden. Solche extensiv genutzten Weiden bieten Lebensräume für sogenannte Ziel- und Leitarten, die stellvertretend für ganze Lebensgemeinschaften stehen und auf eine spezifische Nutzung angewiesen sind.
Beispiele von Ziel- und Leitarten extensiv genutzter Weiden:
Neuntöter:
Der kleine Singvogel (Würger) profitiert von strukturreichen Weiden mit dornenreichen Hecken und Einzelsträuchern oder Asthaufen als Ansitzwarten. Er benötigt ein reiches Angebot grosser Insekten, das auf extensiv beweideten Flächen mit vielfältiger und teilweise lückiger Vegetation vorkommt.
Wiesenschmetterlinge wie der Schachbrettfalter:
Sie benötigen blütenreiche, spät gemähte oder beweidete Flächen, auf denen ihre Futterpflanzen wie Disteln und Flockenblumen (Falter) oder Aufrechte Trespe, Pfeifengras und verschiedene Schwingel (Raupen) wachsen. Anders als auf gemähten Wiesen ist auf extensiv genutzten Weiden stets ein Angebot an Blüten und überständigen Gräsern vorhanden.
Gelbbauchunke:
Diese Amphibienart findet in Weiden mit temporären Tümpeln und feuchten Senken ideale Fortpflanzungsbedingungen und mit Hecken oder Gebüschgruppen geeignete Sommerlebensräume. Pioniergewässer für Unken können mit einfachen Mitteln, beispielsweise durch Eingraben von Betonröhren geschaffen werden.
Zauneidechse:
Die wechselwarme Reptilienart bevorzugt sonnige Weiden mit Wurzelstöcken, Ast- oder Steinhaufen als Unterschlupf und um sich aufzuwärmen. Zur Eiablage graben sie an sandigen, lockeren Stellen Höhlen, worin die Eier anschliessend durch die Sonnenwärme ausgebrütet werden. Auch diverse erdnistende Wildbienenarten profitieren von solchen offenen Stellen.
Diese Beispiele veranschaulichen, wie stark bestimmte Arten auf traditionelle Nutzungsformen angewiesen sind.

Strategien und Umsetzung
Hanspeter Brändle erläuterte seine differenzierte Beweidungsstrategie, bei der verschiedene Tierrassen wie Ziegen, die genügsamen und leichten schottischen Hochlandrinder sowie Jung- und Galtvieh zum Einsatz kommen. So kann er die Vegetation gezielt lenken und unerwünschte Problempflanzen, hier vor allem der Adlerfarn, sowie die Verbuschung unter Kontrolle halten – ein wichtiger Aspekt für das Erreichen und Halten der Qualitätsstufe II.
Aufwand und Beiträge
Zurück auf dem Hof, wurden neben der Regulierung von Weideunkräutern, Probleme mit der Ausscheidung von Weiden als Wald, die Möglichkeiten zur Aufwertung extensiver Weiden thematisiert. So kann mit einer gezielten Anlage von Strukturen oder stellenweiser Einsaat auf das Erreichen der Qualitätsstufe II hingearbeitet werden, was langfristig sowohl ökologisch als auch betriebswirtschaftlich Sinn macht. Trotzdem, der hohe Aufwand, den die Weidepflege insbesondere strukturreicher Weiden mit sich bringt, steht nicht im Verhältnis zu den eher bescheidenen finanziellen Beiträgen. Hier wäre eine Erhöhung der Direktzahlungsbeiträge für strukturreiche QII-Weiden wünschenswert.
Merkblätter und Beratung
Für interessierte Betriebe stehen Merkblätter und individuelle Beratungsangebote durch das Landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen zur Verfügung, um das Weidemanagement zu verbessern, Problempflanzen erfolgreich zu regulieren, die Anforderungen der Qualitätsstufe II zu erfüllen oder Ziel- und Leitarten gezielt zu fördern. Hier geht es zum Merkblatt. Die Beraterinnen sind unter folgender Nummer erreichbar: Daniela Paul, 058 228 24 77, Nicole Inauen, 058 228 24 95.
