Erdbeeren aus regionalem Anbau

25 000 Erdbeerstöcke hat Jürg Truninger aus dem thurgauischen Hörhausen im vergangenen Jahr auf seinem Freilandfeld gepflanzt. Derzeit werden die roten Früchtchen geerntet. Heimische Erdbeeren sind beliebt und heben sich hinsichtlich Geschmack und kurzer Transportwege von ausländischen ab.

Jürg Truninger steht in seinem Erdbeerfeld in Hörhausen.
Jürg Truninger steht in seinem Erdbeerfeld in Hörhausen.

Die Erdbeerernte auf dem Freilandfeld von Jürg Truninger im thurgauischen Hörhausen ist in vollem Gange. «Mit dem Pflücken haben wir kurz vor Pfingsten begonnen», sagt der 43-jährige Landwirt und fügt an, dass es nach einer guten Erdbeersaison aussehe. Der viele Regen im Mai habe seinen Erdbeeren nicht geschadet.

Jürg Truninger erzählt, dass er den Hof von seinen Eltern im Jahre 2011 übernommen hat und hier zusammen mit seiner Partnerin Janine Illi und dem gemeinsamen eineinhalb-jährigen Sohn lebt. Jürg Truninger ist gelernter Schreiner und hat vor der Hofübernahme eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. Den Betrieb führt er in vierter Generation. Die Betriebsfläche umfasst 14 Hektaren, davon sind rund eine Hektare Erdbeeren – mit zurzeit 25 000 Erdbeerpflanzen. Nebst den Erdbeeren gehören auch Kirschen und Trüffel zu seinen Hauptkulturen. Auf dem Erdbeerfeld baut er abwechselnd Weizen, Gerste, Mais und Erbsen an. Im möglichst naturbelassenen Ackerbau ist diese sogenannte Fruchtfolge Voraussetzung für eine nachhaltige Bewirtschaftung. «Durch die angewandte Fruchtfolge können sich weniger Schädlinge und Krankheiten verbreiten, und dem Boden werden unter anderem Nährstoffe für die Folgekultur zugeführt», erklärt Jürg Truninger. Die Erdbeerstöcke pflanzt er jeweils nach fünf Jahren wieder auf dem gleichen Feld an. Damit die Qualitäts- und Quantitätskriterien stimmen, werden die Pflanzen jedes Jahr untergepflügt. Jürg Truninger zeigt auf sein Feld, auf dem er die Erdbeerstöcke im vergangenen Jahr Anfang August gepflanzt hat. «Zuvor hatte es hier Gerste. Nach der Ernte, wenn die Erdbeerpflanzen untergepflügt sind, werde ich im Oktober Weizen anpflanzen.»

Bei der Hofübernahme vor zwölf Jahren sei das Erdbeerfeld seiner Eltern Richard und Alice Truninger noch zwischen 15 und 20 Aren gross gewesen. Er habe es dann aber sogleich auf eine Hektare ausgeweitet. Eigentlich habe sich bei der Erdbeerproduktion nicht viel verändert. «Meine Eltern haben noch mit einem Schlauch oder einem Gartensprinkler die Erdbeeren bewässert. Ich habe mich bereits 2011 für eine professionelle Sprinkleranlage entschieden. Das ehemalige Güllenloch dient als Wasserspeicher», erzählt der Beerenproduzent.

Die Erdbeerstöcke werden Anfang August gepflanzt. Bild: zVg.
Die Erdbeerstöcke werden Anfang August gepflanzt. Bild: zVg.

Unendlich viele Erdbeersorten

Auf dem Feld von Jürg Truninger wachsen derzeit die Erdbeersorten Flair, Lambada, Aprica, Limalexia und Salsa. Die Erdbeere Flair sei eine frühe Sorte – Lambada besonders süss im Geschmack und gelte als Gourmet-Erdbeere im Thurgau. Da sie weich sei, sollte sie allerdings schnell verzehrt werden. Diese Erdbeersorte eigne sich wegen der kurzen Haltbarkeit nicht für den Detailhandel, sondern für den Direktverkauf ab Hof. Die Sorten Aprica, Limalexia und Salsa seien mittlere bis spätere und robuste Sorten, weiss er. «Es gibt unendlich viele Erdbeersorten und jedes Jahr kommen neue dazu. Ich probiere auch immer wieder neue aus und schaue, wie sie sich bewähren.» Wichtig sei, verschiedene Erdbeersorten mit unterschiedlicher Reifezeit zu kombinieren, um eine gestaffelte Ernte zu ermöglichen.

Ab Mitte Juni können die Erdbeeren auf unserem Feld selber gepflückt werden.

Jürg Truninger betreibt ein Freiland-Erdbeerfeld, wie es sein Vater schon gemacht hat. Eine «Hors-sol-Produktion» (bodenfreies Anbauverfahren ohne Verwendung von Erde) komme für ihn nicht infrage. «Es wäre eine riesige Investition», bemerkt der Beerenproduzent. Bei einer Hors-sol-Erdbeerproduktion daure die Ernte vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Dies liesse sich mit seiner Betriebsstruktur nicht vereinbaren. «Denn nach der Erdbeerernte, das ist etwa Ende Juni, folgt gleich die Ernte der Kirschen in meiner 1,2 Hektaren grossen Anlage», führt Jürg Truninger aus. Während der Haupterntezeiten von etwa Mitte Mai bis Ende Juni wird Jürg Truninger jeweils von rund zehn Erntehelfern unterstützt – Familienmitglieder sowie Helferinnen und Helfer aus der Region packen mit an. Ansonsten erledigt er die meisten anfallenden Arbeiten auf dem Hof alleine.

Erdbeerpflanzen brauchen einen sonnigen Standort, damit sie gesund bleiben und die Früchte ausreifen können. Besonders während dem Anwachsen brauchen die Pflanzen viel und regelmässig Wasser. Die grösste Herausforderung des Erdbeeranbaus seien inzwischen die Wetterextreme, gibt Jürg Truninger zu bedenken. Trockenheit, ständiger Regen und Hagel seien alles andere als ideal für die roten Früchtchen. Die Konkurrenz durch billigere ausländische Erdbeeren bekomme er allerdings nicht zu spüren. «Regionale Erdbeeren sind beliebt. Sie punkten mit viel Geschmack und kurzen Transportwegen.» Der Konsument sei gewillt, dafür auch etwas tiefer in den Geldbeutel zu greifen.

Um die heranreifenden Erdbeeren vor nassem Boden zu schützen, wird Stroh zwischen den Pflanzen kurze Zeit vor der Ernte ausgelegt. Bild: zVg.
Um die heranreifenden Erdbeeren vor nassem Boden zu schützen, wird Stroh zwischen den Pflanzen kurze Zeit vor der Ernte ausgelegt. Bild: zVg.

Mit viel Handarbeit verbunden

Erdbeeren seien anfällig für Krankheiten und Schädlinge. «Schädlingsinsekten bekämpfe ich nicht. Um jedoch Pilzkrankheiten und Fäulnis vorzubeugen, müssen die Erdbeerblüten, wenn sich noch keine Früchte gebildet haben, mit Fungizid behandelt werden.» Die Zwischengänge der Erdbeerpflanzen werden regelmässig gejätet. Um den Erntetermin etwas vorzuverlegen, deckt Jürg Truninger seinen Erdbeerbestand mit Vlies bis ungefähr Anfang April ab. Damit die heranreifenden Früchte vor nassem Boden geschützt werden, wird Stroh zwischen den Pflanzen kurze Zeit vor der Ernte ausgelegt. Die Bewirtschaftung sei mit viel Handarbeit verbunden und der Arbeitsaufwand demzufolge auch gross. Die Erdbeerstöcke werden mit einer Setzmaschine gepflanzt. Alle weiteren Arbeiten bis hin zur Ernte werden von Hand erledigt.

Der Hof von Jürg Truninger liegt auf 560 Meter über Meer. Diese etwas erhöhte Lage bekommt der Beerenproduzent zu spüren. Mit der Ernte könne er ungefähr ein bis zwei Wochen später beginnen als jene Bauern, die ihre Felder auf etwa 400 Meter über Meer haben. Truningers Erdbeeren gelangen zum Verkauf in den Detailhandel, werden aber auch für die Direktvermarktung produziert. «Etwa ab Mitte Juni können die Erdbeeren auf unserem Feld dann auch selber gepflückt werden.»

Erdbeeren haben jetzt Hochsaison – auf dem Erdbeerfeld von Jürg Truninger in Hörhausen.
Erdbeeren haben jetzt Hochsaison – auf dem Erdbeerfeld von Jürg Truninger in Hörhausen.

Und wie schmecken Jürg Truninger die Erdbeeren am besten? «Frisch vom Feld – direkt in den Mund», sagt er mit einem zufriedenen Lächeln.

Anbauflächen der Erdbeeren

Gemäss Auskunft vom BBZ Arenenberg, dem Kompetenzzentrum für die Landwirtschaft im Thurgau, werden in den Kantonen Thurgau und Schaffhausen auf einer Gesamtfläche von 83,9 Hektaren Erdbeeren produziert, im Kanton St. Gallen sind es 39,9 Hektaren. Gesamtschweizerisch werden rund 510 Hektaren Erdbeeren angebaut. yal.

 

 

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