Bio-Beerenring Ostschweiz besucht innovative Nachbarn

Am 14. April 2026 organisierte der Bio-Beerenring Ostschweiz einen Fachausflug zu zwei innovativen Bioobstbetrieben in Deutschland. Die Teilnehmenden erhielten praxisnahe Einblicke in Anbau, Vermarktung und neue Lösungsansätze im Beeren- und Obstbau.

Der Bio-Beerenring Ostschweiz wurde von Hélène Bettschart vom Arenenberg, Benedikt Kogler vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen und Martin Harder von Bio Ostschweiz organisiert. Der Fachausflug führte auf die deutsche Seite des Bodensees in der Region Ravensburg. Rund 30 Personen aus der Ostschweiz nahmen an der ganztägigen Exkursion teil, die zwei unterschiedliche, spannende Obstbaubetriebe verband.

Besuch auf dem Biohof Sailer

Der Tag begann mit dem Besuch des Biohofs Sailer. Die Gruppe wurde vom Betriebsleiter Daniel Sailer auf dem Betrieb empfangen und erhielt spannende Einblicke in einen Hof, der sich nach dem Generationenwechsel vor etwa 15 Jahren von 16 auf rund 70 Hektaren Obst- und Beerenanbau stark vergrössert und weiterentwickelt hat.

Der Beeren-Flurgang Ostschweiz führte die Teilnehmenden auf den Biohof Sailer, auf dem der Erdbeeranbau eine wichtige Rolle spielt. Bilder: zVg.
Der Beeren-Flurgang Ostschweiz führte die Teilnehmenden auf den Biohof Sailer, auf dem der Erdbeeranbau eine wichtige Rolle spielt. 

Der Betrieb ist seit 2005 biologisch zertifiziert und erhielt 2019 zusätzlich die Demeter-Zertifizierung. Heute bilden Kirschen, Äpfel und Birnen mit gesamthaft rund 50 Hektaren die Hauptkulturen, wobei auch der Erdbeeranbau auf drei Hektaren eine wichtige Rolle spielt. Besonders im Fokus stehen die Sommererdbeeren, deren Produktion von April bis Juni mit verschiedenen Sorten gestaffelt ist und sich gut in die Gesamtorganisation des Betriebs einfügt. Ergänzt wird das Sortiment durch Rote Johannisbeeren und Stachelbeeren. Beeindruckend war, wie der Betriebsleiter die Kosten im Blick hatte, so viele verschiedene Kulturen zu managen weiss. Er probiert immer wieder Neues aus, um Arbeitsabläufe zu verbessern und zu erleichtern. So entwickelte er beispielsweise mit der Firma Metasa einen neuen Hackgeräteprototyp, der sich flexibel an die Erdbeerdämme anpasst. Vermarktet werden die Erzeugnisse zudem in einem kleineren Teil direkt und über den Einzelhandel.

Bei der Besichtigung der Parzellen konnten die Teilnehmenden die Anlagen kennenlernen und sich intensiv über Sortenwahl, Pflanzenschutzstrategien sowie die Organisation der Vermarktung über das Jahr hinweg austauschen. Der fachliche Dialog war dabei besonders vielfältig und praxisnah.

Auf dem Bioobsthof Glocker

Nach einem gemütlichen gemeinsamen Mittagessen in einem lokalen Landgasthof ging es am Nachmittag weiter zum Bioobsthof Glocker. Dort wurde die Gruppe von Nikolaus Glocker auf offene und freundliche Weise begrüsst.

Der Familienbetrieb wird heute in dritter Generation geführt. Ursprünglich auf Ackerbau und Tierhaltung ausgerichtet, hat sich der Hof seit über 30 Jahren konsequent auf den Obstbau spezialisiert und ist seit der Jahrtausendwende biologisch wirtschaftend.

Auf dem Bioobsthof Glocker liegt das Augenmerk, nebst Äpfeln, Birnen und Kirschen, auf dem Anbau von Schwarzen Johannisbeeren.
Auf dem Bioobsthof Glocker liegt das Augenmerk, nebst Äpfeln, Birnen und Kirschen, auf dem Anbau von Schwarzen Johannisbeeren.

Heute produziert der Betrieb hauptsächlich Äpfel, Birnen und Kirschen auf rund 100 Hektaren. Zusätzlich liegt ein Schwerpunkt auf Schwarzen Johannisbeeren (rund 17 ha), die maschinell mit einem Traubenvollernter geerntet werden und in die Verarbeitung gehen. Mit über zehn verschiedenen Sorten zeigt sich eine hohe Vielfalt und Professionalität im Anbau.

Bei der Besichtigung konnten sowohl die Anlagen als auch die Erntetechnik begutachtet werden. Nikolaus Glocker gab zudem interessante Einblicke in sein starkes Engagement für Bodenschutz und geschlossene Nährstoffkreisläufe, insbesondere im Bereich Stickstoff. Seit rund zehn Jahren arbeitet der Betrieb nur mit Kompost und geschnittener Gründüngung von Spenderflächen, um die Obst- und Beerenkulturen zu düngen. Dabei erläuterte er sowohl die betriebliche Philosophie als auch die technischen Umsetzungen. Auch bei der Pflanzung der Kulturen, seien es Beerenstecklinge oder wurzelnackte Bäume, geht er unübliche Wege: Anstatt im Herbst zu pflanzen, setzt er die Pflanzen im Mai: Über den Winter liegt das Pflanzgut im Kühlraum, und zwei Tage vor dem Setzen wird es in Wasser gestellt, sodass die Pflanzen vollgesogen schnell ins Wachsen kommen. Da wohl ersichtlich war, dass der Betrieb erfolgreich und wirtschaftlich ist, hinterliessen diese erstaunlichen Ideen Eindruck bei den Teilnehmenden.

Ein bereichernder Tag

Der Fachausflug bot lebendige Diskussionen, spannende Einblicke in zwei innovative Biobetriebe und eine angenehme Gruppendynamik. Besonders eindrücklich war die Dynamik der beiden Obstbetriebe trotz aktueller Herausforderungen im Sektor in Deutschland. Die herzliche Gastfreundschaft unserer Kollegen bleibt dabei besonders in Erinnerung und macht solche Besuche zu einem echten Mehrwert.

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