Wie sieht die Biolandwirtschaft der Zukunft aus?

Was den Bioackerbau heute und in Zukunft bewegt, erfuhren die Besucher im Feld sowie an vielen Posten während der zweitägigen Bio-Ackerbautage am 19. und 20. Juni 2026. Gastgeber für den Grossanlass war das Betriebsleiterpaar Nadine und Urban Dörig von der Domäne St. Katharinental in Diessenhofen.

Maschinenvorführungen an den Bioackerbautagen aus der Luft. Bild: Eva Föller, Fibl.
Maschinenvorführungen an den Bio-Ackerbautagen aus der Luft. Bild: Eva Föller, Fibl.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl), das Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg, Bio Suisse, Bio Ostschweiz, die Domäne St. Katharinental und ein lokales Organisationskomitee organisierten am 19. und 20. Juni zwei Bio-Ackerbautage. Der Betrieb von Nadine und Urban Dörig in Diessenhofen ist seit 2024 Bio-zertifiziert. Ihre vielfältige Ackerbaufruchtfolge bewirtschaften sie nach aufbauenden Prinzipien. Zwischenbegrünungen und Untersaaten übernehmen bei ihnen eine wichtige Funktion für die Bodenfruchtbarkeit. Die Böden der Domäne St. Katharinental, die sich entlang des Rheins befindet, weisen einen hohen Sand- und Steinanteil auf. Der Humusgehalt ist tief und die Wasserhaltefähigkeit deshalb mässig. Urban Dörig verbindet verschiedene Werkzeuge, wie es für den Standort und seine Produktionsvorstellungen passt. Beispielsweise erachtet er die Dammkultur als einen Weg, um klimatischen Veränderungen, hohem Unkrautdruck und steigenden Energiekosten etwas entgegenzusetzen. Gerade für kleinere Betriebe sei es ein Vorteil, wenn sie mit derselben Maschine in verschiedenen Einstellungen die gesamten Feldarbeiten verrichten können.

Fokus auf Gründüngung

Kulturen, die mit aufgehäuften Dämmen angebaut werden, können bei extremer Trockenheit und ebenso bei Starkregen von der Form des Dammes sowie der biologischen Prozesse profitieren, die im durchwurzelbaren Bereich des Bodens stattfinden. Urban Dörig setzt den Fokus gezielt auf vielfältige Gründüngungen mit regenerativen Mischungen. Diese beleben und düngen den Boden und bereiten ihn so für die nächste Kultur vor. Passiert dies sogar auf dem Damm, kann sich der Boden in einem stabilen Zustand halten, weil der ganze Damm bis in die Furche durchwurzelt ist. Eine dauerhafte Begrünung übernimmt gleichzeitig eine Schutzfunktion vor Nährstoffauswaschung und entzieht den Wurzelunkräutern wie Disteln und Ampfer die Lebensgrundlagen. Dazu wirkt die Photosynthese wie ein Motor für diese Kreisläufe. Eine eigentliche Lieblingskultur haben Nadine und Urban Dörig nicht, aber Kartoffeln sind ihre Favoriten. Darüber hinaus sei es das Zusammenspiel von Boden, Haupt- und Zwischenkulturen sowie Tieren mit der Wirkung daraus übers Jahr, das für sie wichtig ist.

Urban und Nadine Dörig waren Gastgeber der Bio-Ackerbautage.
Urban und Nadine Dörig waren Gastgeber der Bio-Ackerbautage.

Nachhaltiger Anbau

Wie es Daniel Vetterli, Co-Präsident des OK für die Bio-Ackerbautage auch im «Feldführer» zum Anlass erklärte, setzten die 10. Bio-Ackerbautage mit dem Slogan «ERDEnklich fruchtbar» bewusst auf den nachhaltigen Anbau. Dies, weil der Bioackerbau nur funktioniere, wenn der Lebensgrundlage, den Böden, Sorge getragen wird. Aktuell produzieren 16 Prozent der Betriebe im Kanton Thurgau nach den Richtlinien von Bio Suisse.

An einem von 16 Feldposten erklärte Tobias Gelencsér, Co-Leitung der Gruppe Anbautechnik und Ackerbau am Fibl, warum Sortenversuche für die Praxis wichtig sind. Er stellte einige robuste Kartoffelsorten vor, die im ersten Jahr des Versuchs stehen. Zu den vorgestellten Sorten gehören Peter Pan, die sich für das Frittieren eignen. Die robuste Sorte Oskar habe den Nachteil, dass ihre Schale nicht so schön wirke. Hier teste man auch die Akzeptanz der Konsumenten. Auf Interesse stiess auch der Beetle Collector, mit dem der Kartoffelkäfer und seine Larven bekämpft werden. Die Maschine besitzt rotierende Lappen, die durch die Stauden hindurchgehen und die Insekten abschütteln. Die Käfer und Larven prallen gegen eine Plane und landen dann im Auffanggefäss.

Der Beetle Collector im Einsatz. Bild: Ursina Wolleb, FiBL
Der Beetle Collector im Einsatz. Bild: Ursina Wolleb, Fibl

Viel auf kleiner Fläche

«Direktvermarktung mit Herz und Hirn» lautete das Motto eines Referates, das Einblicke in Betriebe und die Beschaffung von Bio-Produkten in der Gastronomie gab. An dem von Michèle Hürner von Biomondo geführten Podiums-Talk beteiligten sich Lukas Flückiger-Maurer vom Betrieb Seewiese in Oberstammheim, Mischa Lisa Jordi, Gastronomin vom Restaurant Aussicht am Iselisberg, und Petra Langhart vom Biohof Trottengarten in Stammheim.

Lukas Flückiger schilderte, dass er und seine Familie sowie drei Mitarbeiterinnen im kleinstrukturierten Betrieb auf einer Hektare Anbaufläche, davon zwölf Aren Gewächshäuser, rund 50 verschiedene Kulturen kultivieren. Das Gemüse vermarktet die Familie auf dem Winterthurer Wochenmarkt. Sie verkauft Setzlinge ab Hof und beliefert während der Saison pro Woche 30 bis 40 Haushalte mit Gemüseabo-Kisten. Die Seewiese beliefert auch das Restaurant Aussicht. Lukas Flückiger räumte ein, dass die Direktvermarktung hohen Aufwand und Einsatz erfordere, dass diese aber auch Vorteile habe. So müssten sie keine Preisverhandlungen führen und bei ihnen gebe es keine Separierung in erste und zweite Wahl. «Wir sind vom Marktgeschehen motiviert. Zufriedene Kunden sind eine schöne Bestätigung, dass wir täglich eine sinnstiftende Aufgabe erfüllen.»

Sie beteiligten sich am Podiumsgespräch: Mischa Lisa Jordi, Lukas Flückiger, Petra Langhart und Michèle Hürner (von links).
Sie beteiligten sich am Podiumsgespräch: Mischa Lisa Jordi, Lukas Flückiger, Petra Langhart und Michèle Hürner (von links).

Hof als Gesamtkunstwerk

Petra Langhart führt mit ihrem Mann Koni einen biodynamischen Kreislaufbetrieb mit Direktvermarktung. Seit 2019 ist der Hof Bio- und seit 2022 Demeter-zertifiziert. Ihre ersten direkt vermarkteten Produkte waren Kartoffeln. Im Laufe der Jahre erweiterten sie ihre Produktion mit Nischenkulturen und robusten Sorten, die eine hohe Wertschöpfung generieren. Alles ausschliesslich für die menschliche Ernährung. Petra Langhart schilderte, dass sie und ihr Mann den Hof als Gesamtkunstwerk betrachten, der sich durch Synergien und Vielfalt auszeichnet. Neben dem Ackerbau runden Obst- und Rebbau sowie eine wesensgerechte Mutterkuh- und Schafhaltung den Kreislaufbetrieb ab. Der Trottengarten vermarktet seine Premium-Produktpalette, beispielsweise diverse Öle sowie Weiderind- und Lammfleisch-Pakete, im Hofladen, über Biomondo, Bio- und Hofläden sowie über die regionale Gastronomie.

Mischa Lisa Jordi beschränkt sich in ihrem Restaurant möglichst auf lokale und saisonale Produkte. Einer der Vorzüge sei es, dass man als Köchin lerne, mit den Jahreszeiten und dem Zyklus der Produktion die Menüs zu kreieren. Das Fleisch bezieht sie vom Trottengarten und für das Gemüse berücksichtigt sie die Seewiese. Eine der Besonderheiten der Lage am Iselisberg sei es, dass sie im Sommer ständig offen haben könnten, jedoch im Winter kaum Gäste hätten und deshalb jeweils Anfang Jahr einige Wochen geschlossen haben. Die finanzielle «Durststrecke» sei nur zu bewältigen, weil ihr Mann an Märkten ätherische Öle verkaufe.

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