Eutypella parasitica: Wie Ahornstammkrebs die Schweizer Wälder bedroht

Beim Ahornstammkrebs handelt es sich um einen gebietsfremden Pilz, der erstmals in Nordamerika Erwähnung fand und für die Schweiz eine neue Krankheit darstellt. Europa muss er schon vor Längerem erreicht haben, da Befall an Ahornbäumen entdeckt wurde und der Pilz nur langsam wächst.

Ahornstammkrebs verursacht an Stämmen von Berg-, Feld- und Spitzahorn grosse krebsartige Läsionen. Bild: WSL

Ahorne stellen in der Schweiz wichtige und weitverbreitete Waldbäume dar, denen angesichts der erwarteten klimatischen Veränderungen und der aktuellen Gefährdung der Esche eine grosse Bedeutung zugesprochen wird. Der Ahornkrebs wird von einem Pilz namens Eutypella parasitica hervorgerufen. Er verursacht in Europa an Stämmen von Berg-, Feld- und Spitzahorn grosse krebsartige Läsionen. Stammkrebse von mehr als einem Meter Höhe sind keine Seltenheit.

Europäische Einschleppung

Die Erstbeschreibung des Pilzes stammt aus Nordamerika, und zwar bereits aus dem Jahre 1938. Wann genau der Pilz in Europa eingeschleppt wurde, ist unklar. Erstmals wurde er laut der European and Mediterranean Plant Protection Organization (EPPO) 2005 aus Slowenien gemeldet.

Ahornstammkrebse können viele Jahre alt werden, da der Pilz äusserst langsam wächst, nämlich ein bis zwei Zentimeter pro Jahr. Sie deformieren den Stamm und führen zu mechanischen Schwachstellen.

Bei Wind oder Schneelast stellen die Krebse Sollbruchstellen dar. Die Infektion findet über Wunden wie Astabbrüche statt, von wo der Pilz in das Splintholz eindringt. Erst nach fünf bis acht Jahren erscheinen schwarze Fruchtkörper, die fortlaufend Sporen produzieren. Diese verbreiten sich eher über kurze Strecken. Die Sporenfreisetzung geschieht nach Niederschlägen sowie bei hoher Luftfeuchtigkeit oder Nebel bei Temperaturen von vier bis 36 Grad. Befälle können durch das Fällen und Verbrennen betroffener Einzelbäume relativ leicht bekämpft werden.

Schweizer Entdeckung

In der Schweiz wurde die Präsenz des Pilzes erstmals 2021 offiziell gemeldet. Allerdings ist er bereits viel länger präsent. Die teilweise riesigen Krebse, die inzwischen gefunden wurden, sind eindeutige Zeugen dafür. Aufgrund des punktuellen Monitorings, das Waldschutz Schweiz diesen Frühling durchgeführt hat, ist davon auszugehen, dass Eutypella parasitica in der Schweiz zerstreut vorhanden ist. Bis auf zwei Fälle handelt es sich jedoch um kleine Befallsherde von einem bis wenigen Bäumen. Ein Befallsherd wurde bereits bekämpft. Zahlreiche Regionen scheinen befallsfrei zu sein.

Umgang mit dem Pilz

Aufgrund seines Schadenpotenziales, seines bisher nur zerstreuten Auftretens in der Schweiz, seiner geringen Ausbreitungsgeschwindigkeit und der relativ unaufwendigen Bekämpfungsmethode hält Waldschutz Schweiz eine Bekämpfung im Sinne einer gesunden Waldwirtschaft für angebracht. Entlang von Wegen und Infrastruktur ist die Entfernung aus Sicherheitsgründen noch wichtiger.

Verbrennung nötig

Die vom Krebs befallenen Stellen (teilweise mehr als eine pro Baum) ein Meter ober- und unterhalb des Krebses sollten der Kehrichtverbrennung zugeführt, oder, falls erlaubt, vor Ort verbrannt werden. Betroffene Ahornstämme sollten nicht im Wald gelagert werden. Bereits abgebrochene und am Boden liegende Baumpartien sollten auch auf Krebse an der Bruchstelle untersucht und ebenfalls der Verbrennung zugeführt werden.

Zeitpunkt des Eingriffs

Bekannte Befallsherde können bei der nächsten Durchforstung bekämpft werden, bevorzugt im Winter, da Krebse im laublosen Wald besser sichtbar sind.

Werkzeuge, die mit dem befallenen Holz (Krebsgewebe bis 1 m ober-, bzw. unterhalb des Krebses) in Berührung gekommen sind, müssen vor der Weiterverwendung ausserhalb des Befallsherdes mit 70 Prozent Alkohol gründlich desinfiziert werden. Können nicht alle Bäume eines Befallsherdes gleichzeitig entfernt werden, sollten die Fällungen von den Aussenrändern des Befallsherdes her Richtung Zentrum erfolgen. Etappenweises Vorgehen von den Aussenrändern her verhindert die Vergrösserung des Befallsherdes.

Nachkontrolle nicht vergessen

Da Euypella-parasitica-Krebse äusserst langsam wachsen, dauert es lange, bis sie durch eingesunkenes Gewebe sichtbar werden. Es ist daher zentral, das Forstpersonal zu sensibilisieren und auch nach der Entfernung eines Befallsherdes im Winter regelmässig, beispielsweise alle fünf Jahre, Nachkontrollen zu organisieren.

 

Situation im Kanton St.Gallen

Im Kanton St. Gallen sind befallene Ahornbäume in den Gebieten Walenstadtberg, Maienberg und Wangs bekannt. Stefan Buob vom Kantonsforstamt geht davon aus, dass es im Kanton noch weitere Befälle gibt. Diese wurden jedoch bis jetzt nicht entdeckt, da es sich um eine neue Krankheit handelt, die sich nur langsam ausbreitet und nicht zu einem schnellen Absterben der Bäume führt.

Im Sinne einer gesunden Waldwirtschaft empfiehlt das Kantonsforstamt, befallene Bäume im Rahmen der ordentlichen Waldbewirtschaftung zu entfernen. Es ist zu vermeiden, dass befallenes Ahornholz weiterverbreitet wird.

Hier gibt es einen weiterer Artikel zu Schadorganismen.

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