Agroforst gewinnt an Bedeutung

Am 1. April 2026 zeigte ein Kurs des Landwirtschaftlichen Zentrums St.Gallen (LZSG), wie Agroforst alte Praxis neu belebt: Bäume und Landwirtschaft werden kombiniert, steigern Biodiversität und Klimaresilienz.

Am 1. April 2026 fand am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen ein Kurs zum Thema Agroforst statt. Organisiert wurde er von Barbara Beck-Wörner, Leiterin des Ressorts Grünland/Umwelt am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen. Mareike Jäger, Geschäftsführerin der Silvo Cultura GmbH, informierte über die Planungsgrundlagen. Den praktischen Teil bildete die Exkursion auf das Innovationsfeld Agroforst der Gemeinde Schaan. Gerhard Konrad, Gemeindeförster von Schaan, die Bewirtschafterin Gabriela Kainer und Florian Bernardi von der kba Agrarsolution informierten über den Stand der Umsetzung.

Agroforst ist ein Systemansatz, bei welchem Bäume und Gehölze mit Ackerbau oder Tierhaltung auf derselben Fläche verbunden werden, wobei beide Teilaspekte miteinander interagieren und einer Nutzung unterliegen. Die Ausgestaltung kann vielfältig ausfallen. Beispiele dafür findet man unter silvocultura.ch oder euraf.net/gallery.

Agroforst-Systeme sind individuell an den Standort und die Bedürfnisse der Betriebe anpassbar. Vorteile können die Verbesserung des Wassermanagements, Windschutz, die Speicherung von CO2, die Steigerung der Biodiversität und die Aufwertung des Landschaftsbilds sein. Ausserdem sind etablierte Systeme widerstandsfähiger gegen Extremwetterereignisse, bieten den Tieren Schatten und liefern zusätzliche Erträge wie Früchte, Nüsse, Wertholz oder Futterlaub. Agroforst ist keine neue Erfindung. Bis in die 1960er-Jahre haben Bäume das Landschaftsbild in der Schweiz und Europa geprägt. Erst mit der Spezialisierung, Mechanisierung und Flurbereinigung wurden viele Bäume und Hecken gerodet.

Mareike Jäger von Silvo Cultura erklärt anschaulich die Grundsätze zu Agroforst-Systemen. Bilder: zVg
Mareike Jäger von Silvo Cultura erklärt anschaulich die Grundsätze zu Agroforst-Systemen. Bilder: zVg

Agroforst erlebt Revival

Seit einigen Jahren erhalten Agroforst-Systeme wieder vermehrt Interesse aus Praxis und Forschung. Die Gründe für diese Renaissance sind vielfältig. Anfangs wurde Agroforst insbesondere im Zusammenhang mit Erosionsschutz eingesetzt, aber mittlerweile rücken Klimaanpassungs- und Biodiversitätsmassnahmen vermehrt in den Vordergrund. Gerade auch bei Betrieben mit Direktvermarktung spielt die Diversifizierung der Produktpalette ebenfalls eine Rolle. Systeme mit hoher Diversität sind anpassungsfähiger und somit resilienter.

Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Umsetzung und Etablierung eines Agroforsts ist eine fachliche Begleitung, Planung und Pflege. Am Anfang steht ein klares Ziel der angestrebten Nutzung: Sollen die Früchte oder das Holz geerntet werden, oder geht es vor allem um die Ökosystemleistungen der Bäume? Die Planung muss daran ausgerichtet werden. Zu beachten sind Standortbedingungen wie Boden, Einstrahlungswinkel der Sonne, Windrichtung und Klima sowie die verfügbaren Arbeitskapazitäten, persönliche Fachkenntnisse zu Baum- und Gehölzpflege, Investitions- und Fördermöglichkeiten. Silvo Cultura stellt Betrieben aus der Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Deutschland ein Förderprogramm mit integrierter Beratung zu Agroforst und Vitiforst zur Verfügung.

Innovationsfeld in Schaan

Ein Beispiel der praktischen Umsetzung ist das Innovationsfeld Agroforst der Gemeinde Schaan, das in den Park im Äscherle integriert ist. Die Gemeinde Schaan hat im Zuge der langfristigen Raumplanungsstrategie und Siedlungsentwicklung strategisch wertvolle Freiflächen ausgeschieden, die als Naherholungsgebiete und der landwirtschaftlichen Produktion dienen sollen. Das Innovationsfeld Agroforst ist ein Versuchsfeld, auf dem die Bewirtschafterin und die Gemeinde gemeinsam Neues ausprobieren. Ziel ist die Produktion von Nahrungsmitteln für den Direktkonsum oder zur Weiterverarbeitung.

(V.l.): Florian Bernardi (kba), Gerhard Konrad (Gemeinde Schaan) und das Ehepaar Kainer erklären den Aufbau des Agroforst-Systems in Schaan.
(V.l.): Florian Bernardi (kba), Gerhard Konrad (Gemeinde Schaan) und das Ehepaar Kainer erklären den Aufbau des Agroforst-Systems in Schaan. Bild: zVg.

Auf dem Innovationsfeld Agroforst werden Exkursionen für Landwirte und die Bevölkerung angeboten, um den Austausch über Landwirtschaft, lokale Produktion und Agroforst zu fördern. Auf dem Acker werden derzeit Braugerste für das Liechtensteiner Brauhaus, Emmer für eine lokale Bäckerei, Sonnenblumen zur Ölherstellung sowie Ribelmais und Speisekürbis angebaut.

In den Baumstreifen stehen Apfel-, Zwetschgen-, Weichsel- und Nussbäume, deren Früchte über den bewirtschaftenden Betrieb vermarktet werden. Die Ackerstreifen sind so angelegt, dass deren Breite einem Vielfachen der Arbeitsbreite der Geräte entspricht. Bewirtschaftet werden die Flächen von Gabriela Kainer und ihrer Familie, die eigene Ideen mit einbringen. Es ist wertvoll, dass eine solche Demonstrationsfläche im Rheintal entstanden ist und sich Menschen aus Liechtenstein, der Schweiz und Österreich, aber auch von weiter her ein Bild von modern umgesetzten, ursprünglich alt etablierten Methoden machen können.

Weitere Infos gibt es im Kursportal des LZSG.

Die wichtigsten Tipps

  • wissen, welche Ziele man mit Agroforst erreichen will
  • Sortenwahl angepasst an Standort, Zielsetzung und Fachkenntnis ➔ eine Liste mit Pflanzenporträts von geeigneten Bäumen ist auf silvocultura.ch/infomaterial zu finden
  • Ausrichtung der Baumreihen in Nord-Süd-Richtung oder nach der Hauptwindrichtung
  • Reihenabstände angepasst an Betriebsarbeitsbreiten
  • genügend Pflanzabstand; Kronenentwicklung einkalkulieren
  • Pflanzen in den offenen Boden, nicht in die Grasnarbe
  • Schutz vor tierischen Schäden (Verbiss, Wühlmaus, Vogelsitzstangen)
  • Wurzelschnitt, um Konkurrenz zwischen Bäumen und Unterkultur zu verringern

Die häufigsten Fehlerquellen

  • Verwendung von ungeeignetem Pflanzmaterial (z. B. zu klein und konkurrenzschwach oder zu gross und zu teuer in der Anschaffung)
  • zu viel auf einmal umgesetzt, wodurch Arbeitskapazitäten überschritten werden können
  • fehlende Bewässerung, insbesondere in der Jugendentwicklung
  • keine Massnahmen gegen Mäuse vorgenommen
  • Einschnürung der jungen Stämme durch Anbindung bzw. Anbindung nicht regelmässig kontrolliert und gelockert
  • ungünstige Schnitttechnik (z. B. nicht auf Astring, sondern auf Stummel oder zu tief geschnitten)
  • Pflanzpfahl schief oder nicht auf Wetterseite platziert
  • Baumspitze nicht mittels einer Stange vor Vogelbruch geschützt
  • zu früh aufgeastet, insbesondere bei Wertholz (Regel: 2/3 der Stammlänge soll belaubt sein. Nur die dicksten und steilsten Äste werden entfernt.)

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