Herbstputz: Weideschellen wollen gepflegt sein

Das Bimmeln von Glocken, Treicheln und Schellen ist an den meisten Orten ein geliebter Klang. Schön tönt dieser aber nur, wenn man ihnen die nötige Pflege verleiht. Landwirt Franz Arnold unterstützt dabei mit seiner langjährigen Erfahrung.

Franz Arnold hat langjährige Erfahrung mit der Pflege von Weidegeläut.
Franz Arnold hat langjährige Erfahrung mit der Pflege von Weidegeläut.

Seit Jahrhunderten tragen Haustiere ein Geschell um den Hals. Deren Zweck ist vielfältig. Im Nebel verirrte Tiere werden schneller gefunden. Bei einer Züglete ist die Herde für Unbeteiligte bald hörbar. Schellenklang bildet aktives Leben auf den Alpen und verbindet Menschen mit Heimatgefühl. Für viele Bauernfamilien ist ein Weidegang ihrer Tiere nur mit dem Herdengebimmel erfüllend. Seien es nun Sennschellen, Fahrtreicheln oder Glocken aus Guss; diese Klangkörper geniessen einen hohen Stellenwert. Als Zweckmittel, Geschenk oder Ehrengabe kommen sie zum Einsatz. Überall gleich ist aber ihre Pflege. Bei in Stuben aufgehängten Modellen reicht meist das Abstauben. Hingegen ist beim Weidegeschell ein Herbstservice von grossem Nutzen.

Zustand im Herbst überprüfen

Franz Arnold aus Lichtensteig hat seinen Landwirtschaftsbetrieb familiär in jüngere Hände übergeben. Mit seiner Frau Marlis wohnt er nun in einem umgebauten Bauernhaus und hat in diesem seine Sattlerwerkstatt eingerichtet. Zahlreiche Aufträge gehen bei ihm ein. Seine sich selbst beigebrachte Fertigkeit des Riemenstickens für verschiedenste Treicheln ist von hohem Niveau. Alle Modelle sind Unikate und tragen in vielen Motiven die erkennbare Vorliebe von Franz Arnold für Edelweissblumen. Der ehemalige Landwirt schätzt die hohe Nachfrage nach Stickereien. Gerne bietet er seiner Kundschaft bei Bedarf auch neue Schellen von verschiedensten Herstellern an. Riemen dazu kann er in der gewünschte Grösse herrichten. Franz Arnold weiss aber auch, wie die Lebensdauer der Weidschellen verlängert werden kann. «Dazu braucht es jeden Herbst eine nicht zu unterschätzende gründliche Kontrolle. Bringt man mir Reparaturartikel vorbei, bediene ich die Kundschaft gerne mit Ratschlägen für die Zukunft ihrer Geläute.» Einer davon ist, dass man den Zustand der Schellen im Herbst überprüfen soll. Es komme immer wieder vor, dass im Frühling am Tag vor dem ersten Weidegang jemand mit einer Handvoll «Patienten» auftaucht. Diese müssten dann noch schnell geflickt werden.

Diese «Kalle» ist zu schwer und infolge Verschleisses auch zu lang.

Kontrolle des Leders

Zuerst sollen die Schellen samt Riemen möglichst in warmem Wasser gewaschen werden. Der Einsatz eines Hochdruckreinigers mit einer feinen Düse ist hier möglich. Die Zugabe eines alkalischen, fettlösenden Mittels ist bei der Reinigung behilflich; der Schweiss der Tiere oder Mist kann Schmutzpartikel an den Riemen nämlich fast einschweissen. Bevor man nun mit der genauen Betrachtung der Schellen weiterfährt, sollen sie getrocknet werden. «Dies vor allem im Zusammenhang mit der nachfolgenden Behandlung des Leders mit Öl oder Fett», erklärt Franz Arnold. Risse im Leder könnten ihre Ursache im ungepflegten Zustand haben. Verletzte Lederriemen können aber oft wieder genäht oder mit eisernen Verbindungselementen geflickt werden. Die Schnallen, mit einem oder zwei dazugehörenden Dornen, werden, falls nötig, wieder in ihre ursprüngliche Lage gedrückt. So kann einem Verlust des Geläuts vorgebeugt werden. Oft sind die Schelle und der Riemen mit einem Lederbündel verbunden. Dieses könnte gelockert, verletzt oder gar altersbrüchig sein. Es kann durch ein neues Lederbündel ersetzt oder, was sich bewährt hat, mit vier Schrauben repariert werden. «Die passende Schraube mit einer Scheibe und einer Sicherheitsmutter auf der Gegenseite garantiert, dass die Schelle nicht vom Lederriemen gelöst wird.»

Vier Schrauben sind geeignet, um den Verlust eines Geläuts zu verhindern.

Untersuchen des Klangs

Danach sieht und hört man sich die Schelle an. Ist ihr Klang etwas ungewöhnlich oder scheppernd, sieht man nach, ob sie einen Riss aufweist. Ursache dafür ist meist ein zu langer oder zu schwerer Klöppel, wie die «Kalle» oder der «Halm» richtig heisst. Diese schlagen den Stahl oder Guss von Schelle, Treichel oder Glocke mit der Zeit aus. Die Wand wird dünner, biegt sich, bricht ab oder verliert den Klang durch Dünnwandigkeit. Drei verschieden geformte Öffnungen existieren unten am Rand der Geschelle: rund, oval oder viereckig. «Bei den viereckigen muss die «Kalle» versorgt sein; also nicht unten herausschauen. Bei runden oder ovalen Öffnungen soll sie höchstens einen Zentimeter unter den Rand reichen. Vor allem aber dürfe der Klöppel nicht zu schwer sein. Meist werde dann der Klang härter und unmusikalischer und die Materie leide stark. Reparaturen von kaputten Klangkörpern lässt Franz Arnold seit vielen Jahren von Ernst Giezendanner vornehmen. Dieser sei ein Spezialist und könne den «Patienten» meist wieder denselben Klang verleihen wie zuvor. Ausserdem sei die Reparaturstelle danach kaum mehr sichtbar, lobt Franz Arnold. Nicht selten müsse man aber die kaputte Schelle ersetzen, da deren Reparatur teurer komme als der Kauf eines neuen Modells. Um das Kaputtgehen der «Kalle» zu verhindern, rät Franz Arnold, diese samt Aufhängung mit reichlich Maschinenfett zu versehen. Dank besserer Gleitfähigkeit sei über Jahre kaum eine Abnutzung sichtbar. Sie mit einem Gummischlauch zu schützen sei auch eine Möglichkeit.

Schelle und Riemen sind bereit zur Abschlussbehandlung mit Öl und Fett.

Schutz des Leders mit Öl

Nach der Reparatur soll der Lederriemen mit Lederöl fein angestrichen werden. Bewährt hat sich bei Franz Arnold dafür dünnflüssiges Lederöl, bezogen aus einer Glockengiesserei. Schwarzes oder farbloses Einfetten der Riemen ist auch eine Möglichkeit. «Auch schon wurden mir Schellen zur Reparatur gebracht, deren Riemen zuvor mit ranzigem Fett poliert wurden. Dies ergibt einen Gestank, welcher nur noch schwer aus der Werkstatt zu bekommen ist», erzählt Franz Arnold schmunzelnd. Nach der Überprüfung und der eventuellen Reparatur der Schellen sollen diese an einem trockenen und luftigen Ort aufgehängt werden. Dies dient ihnen zum Wohl und den Menschen zur gefreuten Ansicht. Vor allem aber den Tieren für ein angenehmes Tragen in der nächsten Weidesaison. Nicht zu vergessen ist: Angenehm klingendes Geläut freut nicht nur die Tiere, sondern auch alle Menschen, welche sich in ihrem Umfeld aufhalten.

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