Ehemalige geniessen Indian Summer in Ostkanada
Mitte September, zu Beginn der Silomais- und Sojaernte, bereiste eine Gruppe Ostschweizer Ontario und Québec. Ob Familienbetriebe oder grosse Milchfarmen, Weingüter, die Niagarafälle oder Grossstädte: Die ortskundigen Reiseleiter wussten, was den interessierten Gästen Eindruck macht.

Auf die Ausschreibung von Salranch Tours und dem Verein ehemaliger Schülerinnen und Schüler St. Galler Haushalt- und Landwirtschaftsschulen (VESTG) meldeten sich 37 landwirtschaftlich interessierte Ostschweizerinnen und Ostschweizer. Mitte September startete das Abenteuer Ostkanada am Flughafen Kloten. Nach einem angenehmen Flug mit der Swiss wurde die Gruppe in Toronto von den Reiseoganisatoren und Reiseleitern Fred Salvisberg und Marcel Peter empfangen. Während zwei Wochen besuchten die Reisenden bei schönstem Indian-Summer-Wetter Milch- und Ackerbaufarmen, vom kleineren Familienbetrieb bis zur Grossfarm mit 20 Mitarbeitenden. Einige Familien hatten Schweizer Wurzeln. Zudem bestaunten sie eindrückliche Landschaften und Wälder, riesige Wildparks, monumentale Wasserfälle, grosse Städte und Markthallen.
Fakten zur Landwirtschaft
Die Fläche Kanadas ist mit knapp zehn Millionen Quadratkilometern rund 240 Mal grösser als die Schweiz. Nur rund 6,5 Prozent dieser Fläche wird landwirtschaftlich genutzt.
Kanada ist einer der weltgrössten Exporteure landwirtschaftlicher Produkte. Hauptsächlich werden Getreide, Ölsaaten, Fleischprodukte und Lebendvieh exportiert. Kanadische Landwirte müssen sich grösstenteils ohne Direktzahlungen von der Regierung auf den internationalen Märkten behaupten. Allerdings geniessen Produkte, die für den Heimmarkt bestimmt sind, starken Schutz durch Importzölle. Die Milchwirtschaft konzentriert sich auf den Heimmarkt. Auf den besuchten Betrieben wurden meistens Holstein-Kühe gehalten und der Stalldurchschnitt lag zwischen 10 000 bis 13 000 Kilo. Die Fütterung wird genau berechnet. Dabei macht die Silomaissilage bis 70 Prozent der Ration aus, ergänzt wird mit Luzerne, Soja, Getreide, Kraftfutter, Viehsalz und Mineralstoffen.
Interessanter Start
Nach einem typischen kanadischen Frühstück mit viel Rührei, Speck und Toastbrot erkundete die Reisegruppe am ersten Tag Toronto. Das englischsprachige Toronto ist die Handelszentrale des riesigen Landes und mit 6,5 Millionen Einwohnern die grösste Stadt Kanadas. Das Wahrzeichen der Stadt ist der 553 Meter hohe CN Tower. Im Drehrestaurant auf 350 Metern Höhe hatte man eine gute Weitsicht über die Stadt und den Lake Ontario.
Der Besuch der nahe gelegenen Niagarafälle war ein Höhepunkt dieser Reise. Diese Wasserfälle sind eines der grössten Naturwunder Kanadas und lassen pro Minute rund 170 Millionen Liter Wasser mit einem Riesengetöse 54 Meter in die Tiefe stürzen. Seit 1950 wird von den USA auf dem amerikanischen Teil geschätzt 90 Prozent des Wassers für die Stromerzeugung abgeleitet. Die Bootsfahrt auf dem Niagara River war für die Reisenden ein Erlebnis. Geschützt mit Plastiküberzügen, passierten sie die American Falls und steuerten nahe auf den 670 Meter breiten, imposanten kanadischen Niagarafall zu.
Modernes Weingut
Das gepflegte Weingut in St. Caterines liegt im grossen Reb- und Obstbaugebiet der Niagara-Region, südlich des Ontariosees. Das Gebiet liegt auf etwa 120 Metern über Meer etwa auf dem Breitengrad von Mittelitalien. Durch die klimatisch gute, durch den See eher milde Lage und die perfekte Kelterung entstehen exzellente Riesling-, Chardonay-, Pinot-noir-, Cabernet-franc- und Eis-Weine. Wegen der Nachfrage wird auch Wein in Aludosen (33 cl) angeboten. Das Angebot, die guten Weiss- und Rotweine zu verkosten, hat die Gruppe nicht abgelehnt.
Farmen in Süd-Ontario
Auf einem Betrieb werden 300 Kühe im gepflegten Laufstall mit Sandliegeboxen gehalten. Gemolken wird im Side-by-Side-Melkstand. Der grössere Teil der produzierten Milch wird an den Milchkonzern Saputo mit Sitz in Montréal verkauft. Etwa 600 000 Kilo Milch werden von einem Schweizer Käser in einer modernen Käserei mit grossem Käsekeller mit Schmierroboter zu gutem Käse verarbeitet.
Auf einem weiteren Betrieb wird Mais, Soja und Getreide angebaut. Der Betriebsleiter ist für den Ackerbau verantwortlich, seine Frau für die 60 Kühe. Diese werden in einem älteren, zweckmässigen Anbindestall mit viel Langstroheinstreu gehalten.
Ein weiterer erfolgreicher Schweizer Auswanderer hält 400 Kühe im modernen Laufstall. Die Liegeboxen sind mit komfortablen Wasserliegematratzen ausgestattet. Gemolken werden etwa 16 000 Kilo Milch im Tag im De-Laval-Side-by-Side-Melkstand.
Produktion von Ahornsirup
Ein Spezialprodukt der kanadischen Landwirtschaft konnten die Kanada-Reisenden auf einer Cabane à Sucre kennenlernen. Der Ahornsaft wurde schon von den amerikanischen Ureinwohnern gewonnen und von den französischen Kolonialherren übernommen. Der Betrieb hat sich auf die Produktion des «gelben Goldes» aus dem eigenen Wald spezialisiert. Dazu werden Zuckerahornbäume etwa fünf Zentimeter tief angebohrt. Der austretende Saft wird von Februar bis März mittels eines Schlauchsystems oder mit Eimern gesammelt. Der Saft wird durch Einkochen konzentriert und erhält dadurch eine sirupartige Konsistenz.
Eine besuchte Milchfarm in der Provinz Québec hat 2800 Hektaren Gesamtfläche, 800 Hektaren Silomais, 250 Hektaren Soja, zudem Luzerne, Körnermais und Getreide. Auf der grossen, topmodern eingerichteten Milchfarm wurden an diesem Tag 1418 Kühe mit 30 Lely-A5-Melkrobotern gemolken. Die Kühe sind auf drei Ställe aufgeteilt, in Gruppen zu 220 Kühen und je vier Melkrobotern. Ein Teil der Milch wird als koschere Milch in den Handel gebracht. Ein Rabbi kommt regelmässig, um die Produktion zu kontrollieren. Auf dem Betrieb stehen zudem 300 Galtkühe, 1000 Aufzuchtrinder und Kälber.
Weitere Acker- und Milchfarm
Auf einem Familienbetrieb in St. Valère werden im schönen, tief mit Stroh eingestreuten Anbindestall 80 Kühe gemolken. Der Seniorchef mit Familie ist aus dem Fricktal ausgewandert. An diesem Abend genoss die Gruppe das von der Chefin zubereitete, vorzügliche Abendessen. Bei einer super Stimmung wurden die Reiseleiter Fred Salvisberg und Marcel Peter mit Jodelliedern, Ratzliedli und Zäuerli verabschiedet.
Zurück nach Hause
Der Rückflug war von Montréal aus gebucht. Nach einem ruhigen Nachtflug ging diese eindrückliche und unvergessliche Reise in Zürich zu Ende. Die Freude über die bekannten, übersichtlichen Schweizer Strukturen war bei fast allen gross.
Die ausführliche Version dieses Artikels ist in der Printausgabe des «St. Galler Bauer» in Heft 47/2025 zu lesen.
