Vegetation und Witterung im Jahr 2025
Entgegen früheren Jahren wurden in diesem Jahr noch keine Absolutrekorde verzeichnet. Einige Messgrössen schafften es trotzdem auf die vordersten Ränge. Nach einem durchschnittlich temperierten Winter erwachte die Vegetation im Februar termingerecht, holte sich aber im heissen Juni einen Vorsprung von zwei Wochen.

An der Wetterstation Niederuzwil (515 m), die repräsentative Messwerte für das östliche Mittelland ermittelt, wurde der dritttrockenste März und Frühling (März bis Mai) ermittelt. Der Juni platzierte sich mit seinem hohen Temperaturmittel auf dem zweiten Rang in der langen Messreihe.
Negative Wasserbilanz
Insbesondere März und April zeigten sich sehr trocken. Die Wasserbilanz (Niederschlag minus Verdunstung) fiel jeweils negativ aus. «Märzenstaub bringt Frucht und Laub» besagt eine Bauernregel. Die Felder können gut bewirtschaftet und befahren werden. Im April sank die Bodenfeuchte mit 40 Prozent der nutzbaren Kapazität auf den tiefsten Wert des Jahres.
Die überdurchschnittlichen Temperaturen im März und April bewirkten eine beschleunigte Vegetationsentwicklung. Im April und Mai betrug der Vorsprung rund zehn Tage. Beobachtet wurden dabei die phänologischen Eintrittsdaten der Löwenzahn-, Apfelbaum-, Rosskastanien- und Holunderblüte.
Hitziger Frühsommer
Nach einem witterungsmässig normalen Mai mit frühsommerlichen Eisheiligen schien zunächst das Wetter im Juni wieder in einen Hitze- und Dürresommer zu münden. Er verlief rund vier Grad zu warm (Referenzperiode 1991–2020), was einer massiven Abweichung entspricht. Wärmer war nur noch der Juni im Hitzesommer 2003. Die grosse Hitze bewirkte einen immer grösser werdenden Vegetationsvorsprung von schlussendlich zwei Wochen. Glücklicherweise brachte der Juni immer wieder tüchtige Gewitterregen, was die Trockenheit etwas milderte und mit den hohen Temperaturen für wüchsiges Wetter sorgte. Trotzdem musste an einigen Tagen mit künstlicher Bewässerung interveniert werden. Dann wendete sich das Blatt: Bereits in den ersten Julitagen fielen die Temperaturen in den Keller und verharrten den ganzen Monat über auf tiefem Niveau. Daraus resultierte Ende Monat eine minimale negative Temperaturabweichung. Der Hochsommermonat Juli verlief ausgesprochen nass und sogar kälter als der Juni. Die zu Beginn des Julis prekäre Bodentrockenheit wurde rasch gemindert und Ende Monat waren die Böden sogar vollauf gesättigt.
Herbst mit genug Regen
Der kühle Juli bewirkte, dass im August der Vegetationsvorsprung von zwei auf eine Woche reduziert wurde. Die 34 Grad im August waren die höchste Temperatur des Sommers. Um Haaresbreite (0,4 Grad mehr) hätte der 20. September noch einen Hitzetag (über 30 Grad) gebracht. Er wäre damit der späteste Hitzetag der 140-jährigen Messreihe geworden. Der Oktober schloss witterungsmässig ohne nennenswerte Abweichungen. Ende Monat fegte der erste Herbststurm über die Ostschweiz. Im Unterland waren es 80, auf dem Säntis aber 150 Kilometer pro Stunde. Häufig wehte der Föhn in den Alpentälern. Er wird im Rheintal gerne als der «Traubenkocher» bezeichnet. Mit geringer Verspätung von einigen wenigen Tagen hat Anfang November der Blattfall der Buche eingesetzt. Er markiert das Ende der Vegetationsperiode. Dieses dauert bis zur Schneeglöckchenblüte Ende Februar.
Der erste Frost zwei Meter über Boden und auf 500 Metern Meereshöhe wurde dieses Jahr termingerecht am 6. November verzeichnet. Damit betrug die frostfreie Periode 212 Tage, eine Woche länger als im Durchschnitt.
* Der Autor ist Wetterexperte
