Landwirtschaft kämpft mit Folgen der Trockenheit
Seit Wochen fehlt der Regen, eine Hitzewelle folgt der nächsten. Die extreme Trockenheit 2026 setzt der Schweizer Landwirtschaft stark zu. Eine Raufutterbörse, Ausnahmeregelungen und weitere Massnahmen sollen helfen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich geschädigte Wiesen noch retten lassen.
Darum geht’s:
- Die Trockenheit sorgt vielerorts für Futtermangel und Ernteausfälle.
- Viele Betriebe müssen Winterfutter verfüttern oder zusätzlich Futter zukaufen.
- Die Raufutterbörse und das Projekt «Futter statt Gründüngung» sollen helfen, Engpässe zu überbrücken.
- Bund, Kantone und Bauernverband haben Entlastungsmassnahmen beschlossen oder gefordert.
- Es wird empfohlen, auch bei braunen Wiesen Ruhe zu bewahren und nicht vorschnell neu ansäen, sondern zuerst abwarten, wie sich der Bestand nach Regen erholt.
Das Gras hat sein Wachstum in den meisten Regionen schon vor Wochen eingestellt. In gewissen Regionen sind die Pflanzen komplett verdorrt, sodass es auch bei ausreichend Regen keine Aussichten auf eine weitere ausreichende Futterernte oder grüne Weidefläche gibt. Die Betriebe müssen ihren Kühen, Rindern und anderen grasfressenden Nutztieren oft bereits seit Wochen das für den Winter gedachte Futter geben. Bei vielen dürfte jetzt schon klar sein, dass es nicht bis zum nächsten Frühjahr reicht. Dann bleiben zwei Optionen: Futter zukaufen oder Tiere schlachten. Der Futterkauf ist im In- und Ausland schwierig, da es in den Nachbarländern bezüglich Trockenheit nicht viel besser aussieht. Wer im Inland noch Futter zum Abgeben hat, kann dies bei der eingerichteten Raufutterbörse melden (siehe u.a. Box). Aufgrund der schwierigen Futtersituation sind die Schlachtzahlen steigend. Die Milchmengen andererseits gingen wegen hitzebedingtem mangelnden Appetit und einer neuen, aus wärmeren Gefilden eingewanderten Krankheit stark zurück. Im Alpenraum kommen zur Futterknappheit versiegende Wasserquellen hinzu, weshalb einige Alpen bereits vorzeitig geleert wurden. Andere versorgen sich mit Wasser per Strassen- oder Helikoptertransport mit dem Ziel, möglichst lange vom Futter in den Sömmerungsgebieten profitieren zu können.
Raufutterbörse und Futter statt Gründung
Die Trockenheit führt vielerorts zu knappen Raufuttervorräten. Eine neue Möglichkeit zur Vermittlung bietet die schweizweite Plattform www.raufutterboerse.ch. Dort können Landwirtinnen und Landwirte mit wenigen Klicks Heu, Silage, Mais und anderes Raufutter anbieten oder suchen. Je mehr Betriebe ihre Angebote erfassen, desto schneller gelangt verfügbares Futter dorthin, wo es dringend gebraucht wird.
Zusätzlich bietet «Futter statt Gründüngung» Potenzial: Wer nach Getreide eine Gründüngung plant, kann stattdessen Zwischenfutter anbauen und dieses einem Betrieb mit Futterbedarf zur Verfügung stellen. Käufer und Flächenbesitzer können Saatgutkosten, Aussaat und Entschädigung individuell regeln. Wichtig ist, das noch offene Zeitfenster für die Ansaat zu nutzen. Mehr zu diesen beiden Initiativen können im Heft 33/2026 vom 14. August 2026 nachgelesen werden.
Verdurstende Ackerkulturen
Im Ackerbau verstärkte sich die Trockenheit in der Abreifephase von Getreide und Raps, weshalb die Erträge hier weitgehend noch gut waren. Bei den noch stehenden Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben oder Sonnenblumen sieht es hingegen anders aus. Mit jedem Tag ohne Regen verschlechtern sich deren Ernteaussichten. Das nationale Ausmass wird sich erst zeigen. Es hängt auch davon ab, wie sich das Wetter weiterentwickelt. Auch mit Bewässerung schadet die Hitze den Kartoffeln und stoppt das Wachstum der Knollen. Qualitative Einbussen in Bezug auf Grösse und Form sind zu erwarten. Im Obst- und Gemüsebau läuft aktuell kaum etwas ohne Bewässerung. Vor allem das Bewässern der grossflächigen Gemüsekulturen ist aufwendig und teuer. Dazu kommen hitzebedingte Qualitätseinbussen.
Ernteausfälle und Mehrkosten
Die Ernteausfälle und Mehrkosten führen zu steigenden Produktionskosten für die Agrarprodukte und verschärfen die wirtschaftliche Situation der Bauernbetriebe. Der Schweizer Bauernverband (SBV) tue sein Möglichstes, um diese in der aktuell belastenden Situation zu unterstützen, schreibt der Verband in einer Mitteilung. So habe er sich beim Bundesamt für Landwirtschaft für die gewährten Ausnahmeregelungen bei den Direktzahlungen eingesetzt, welche die Kantone umsetzen. Da geht es darum, dass die Betriebe die Direktzahlungen trotzdem erhalten, auch wenn einzelne Vorgaben nicht oder nicht vollständig erfüllt werden können (z. B. minimale Futteraufnahme auf Weiden). Ebenso wird es die Einzelkulturbeiträge auch dann geben, wenn aufgrund der Trockenheit nichts geerntet werden kann. Weiter hat er sich für das Aussetzen von Zöllen und Abgaben auf importiertem Raufutter engagiert. Diese wurden mit einer Ausnahme für Ganzpflanzenmais auf den 1. August auch gewährt. Der Zoll für Ganzpflanzenmais fällt ab Mitte August auch weg.
Mehraufwand und Ausfälle
Als wichtigsten Punkt für die Betriebe erachtet der Bauernverband, dass die Produzentenpreise die gestiegenen Produktionskosten bei den betroffenen Produkten auffangen und entsprechend steigen. Zudem sind Qualitätsanforderungen anzupassen. Entsprechend engagiert sich der Bauernverband direkt bei den Detailhändlern und indirekt mit den Branchenorganisationen für kostendeckende Produzentenpreise, die auch die Mindererträge berücksichtigen. Der Bauernverband appelliert weiter an die kantonalen Kreditkassen, einfachen Zugang zu Betriebshilfedarlehen (unverzinste Kredite) zu gewähren oder Kulanz bei der Rückzahlung von Investitionskrediten zu zeigen. Zur Sicherstellung der Wasserversorgung in den Sömmerungsgebieten können die Kantone bei der Armee eine Anfrage stellen.
Emissionen mindern
Bei allen erwähnten Punkten geht es darum, unmittelbare Hilfe sicherzustellen. Mittel- und langfristig braucht es weitere Massnahmen vonseiten der Betriebe, aber auch vonseiten des Bundes und des Detailhandels. Bei den Betrieben geht es einerseits um die Anpassung an den Klimawandel über die Wahl der Kulturen und optimierte Bewirtschaftung, Anschaffung von Bewässerungsanlagen und Zugang zu Wasser, zum Beispiel über Retentionsbecken, und andererseits um die Umsetzung von wirksamen Massnahmen zur Emissionsminderung. «Der Bund ist insbesondere gefordert, dass er die Betriebe bei den dafür nötigen Investitionen und Massnahmen unterstützt, die Forschung verstärkt sowie Versicherungslösungen unterstützt», so der SBV weiter. Bei der Investitionshilfe engagiere sich der Bauernverband deshalb dafür, dass die nötigen Mittel bereitstünden. «Die Abnehmer und Detailhändler schliesslich haben den grössten Hebel in der Hand. Faire Produzentenpreise, die bessere Einkommen ermöglichen und es den Landwirtschaftsbetrieben ermöglichen, Ausfälle abzufedern, Investitionen zu tätigen und sich weiterzuentwickeln.» Die aktuelle Preisspirale gegen unten im Laden schade schliesslich sowohl der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit der einheimischen Landwirtschaft als auch der inländischen Versorgungssicherheit.
Braune Wiesen noch nicht abschreiben
Braune Wiesen sind nach der Trockenheit nicht automatisch verloren. Ausdauernde Gräser können längere Trockenphasen überstehen und nach ergiebigem Regen wieder austreiben. Entscheidend ist, wie viele wertvolle Futtergräser noch vorhanden und wie gross die Lücken im Bestand sind. Eine Wiese sollte deshalb nicht vorschnell abgeschrieben oder neu angesät werden.
Auch bei Übersaaten ist Zurückhaltung angebracht, solange kein ausreichender Niederschlag in Sicht ist. Keimt Saatgut nach wenig Regen und folgt erneut Trockenheit, können die jungen Pflanzen rasch vertrocknen. Abwarten kann derzeit die bessere Massnahme sein.
Wichtig ist, die verbliebene Grasnarbe zu schonen. Zu tiefer Schnitt, intensive Beweidung, unnötige Überfahrten oder mechanische Eingriffe wie Striegeln schwächen den Bestand zusätzlich. Offene Stellen begünstigen Lückenfüller wie Löwenzahn und besonders Hirsen, die bei Hitze und Trockenheit im Vorteil sind.
Nach ergiebigen Niederschlägen sollte der Bestand erneut beurteilt werden. Erholen sich die wertvollen Gräser und schliessen sich die Lücken, ist möglicherweise keine oder nur eine gezielte Übersaat nötig. Bleiben grössere Fehlstellen, kann eine Übersaat sinnvoll sein; bei stark zerstörter Grasnarbe ist eine Neuansaat zu prüfen.
Langfristig gewinnt zudem die Wahl trockenheitsverträglicher Arten und Mischungen an Bedeutung.
Der vollständige Bericht aus dem Landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen mit weiteren Empfehlungen ist im «St.Galler Bauer», Heft 33/25 vom 14. August 2026, zu lesen.
Bilder zur Trockenheit gesucht
Verdorrte Wiesen, ausgetrocknete Böden, leere Brunnen oder geschädigte Kulturen: Die Redaktion sammelt Bilder, die zeigen, wie sich die Trockenheit 2026 auf Landwirtschaft und Landschaft auswirkt. Die Aufnahmen sollen diese aussergewöhnliche Situation als Zeitzeugnis festhalten.
Einsendungen mit Ortsangabe per Mail an redaktion@bauern-sg.ch. Die Bilder werden online und im Heft veröffentlicht.

*Der Haupttext ist eine Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands. Der Hinweis auf die Raufutterbörse stammt vom Arenenberg, die Empfehlungen zur Behandlung von Wiesen vom Landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen
