Tanzen für Junge und Junggebliebene

Die Trachtengruppe Oberhelfenschwil ist eine junge Gruppe mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren. Wer älter ist, ist im Herzen genauso 35. Dieses Jahr werden sie am Eidgenössischen Trachtenfest in Zürich teilnehmen.

Die Trachtentanzgruppe Oberhelfenschwil besteht aus 14 Aktivmitgliedern – eine aufgestellte Truppe.
Die Trachtentanzgruppe Oberhelfenschwil besteht aus 14 Aktivmitgliedern – eine aufgestellte Truppe.

Der Mittwochabend ist bei den Mitgliedern der Trachtengruppe Oberhelfenschwil fest reserviert: nämlich fürs Tanzen in der Mehrzweckhalle. Nur bei Heuwetter kann einmal die Probe ausfallen. Drei Viertel der Tanzfreudigen sind nämlich in der Landwirtschaft tätig. Aktiv dabei sind 14 Mitglieder, acht Frauen und sechs Männer.

Wichtige Kindertanzgruppe

Manuela Hollenstein ist die Leiterin der Trachtengruppe Oberhelfenschwil und gleichzeitig leitet sie auch die Kindertanzgruppe. Viele der jungen Mitglieder stammen aus der eigenen Nachwuchsförderung, eben der Kindertanzgruppe. Im Moment gibt es da eine kleine Schwierigkeit. Das ist der aktuelle Mitgliederbestand mit elf Mädchen und null Buben. Die Oberhelfenschwiler müssen also ihre Augen offen halten für tanzwillige und tanzfreudige Männer und Buben.

Vorfreude aufs Eidgenössische

Doch zurück zur Mehrzweckhalle. Hier haben sich sechs Tanzpaare aufgestellt, um für das Eidgenössische Trachtenfest in Zürich zu proben. Seit Ende April bereitet sich die Gruppe intensiv vor. Zuvor übten sie fleissig für den Unterhaltungsabend vom 23. März, der auch jedes Jahr ein Höhepunkt ist im Vereinskalender. Die Tänze, die sitzen sollten, sind klar: Appenzeller Klatschwalzer, D’Maiezyt, Im Örgelihus, Erinnerungswalzer, De Schründler, S’Wunder und Dr Nagelschmid. Haben die Trachtentänzerinnen und -tänzer eine Tanzart, die sie besonders mögen? Hier ist man sich einig: Alle Tänze werden gerne aufs Parkett gebracht – wobei eine Vorliebe zum Schottisch schon vorhanden ist. Auf was wird geschaut? Was ist wichtig beim Tanzen? «Im besten Fall tanzen alle die gleichen Schritte und drehen gleich herum. Wenn man gut auf die Musik hört, fällt es einem meist einfacher», erklärt Manuela Hollenstein. Eine sehr optische Sache. Währenddem «D’Maiezyt» schon gut klappt, muss noch etwas am «Schründler» und «S’Wunder» gefeilt werden. «Das Tempo und die verschiedenen Teile sind eine Herausforderung», gibt Manuela Hollenstein Auskunft.

«Fersen-Spitz» als ein Schrittelement.
«Fersen-Spitz» als ein Schrittelement.

Freude am Tanzen

Wie schätzt sich die Gruppe selbst ein? «Es gibt sicherlich Trachtentanzgruppen, die ambitionierter sind als wir, die Freude steht im Vordergrund», erklären die Mitglieder. Ob man ans Eidgenössische Trachtenfest 2024 geht, klärte Präsidentin Regula Jung im Vorfeld mit den Vereinsmitgliedern ab. Man sprach sich für eine Teilnahme aus. Am meisten schätzen die Trachtentänzerinnen und -tänzer das Zusammensein von Gleichgesinnten, die Freude am Brauchtum, andere Vereine zu treffen und sich am Fest auszutauschen. Auch über die Motivation, in der Trachtengruppe mitzuwirken, ist man sich einstimmig einig, egal welchen Jahrgangs: Die Freude am Tanzen, in der Gruppe zu tanzen, die Gemütlichkeit und nach der Probe «no eis go zieh». Anna Jud ist schon seit über 35 Jahren in Oberhelfenschwil dabei. «Seit der vierten Klasse bin ich beim Trachtentanzen dabei. Zuerst in Goldingen, wo ich aufwuchs, später in Oberhelfenschwil», erklärt die Präsidentin. Schon immer war ihr das Brauchtum wichtig und die Freude am Tanzen ist ihr gegeben. «Heute gibt es neuere, modernere Tänze mit vier oder fünf Teilen, früher waren es drei oder vier Teile», antwortet Anna Jud auf die Frage, was sich geändert habe. Am Mittwochabend besucht sie zusammen mit ihrem Ehemann Emil die Proben – mit der gleichen Freude wie als Schulmädchen.

Knifflig: Beim Appenzeller Klatschwalzer wäre ein «asynchron» nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar.
Knifflig: Beim Appenzeller Klatschwalzer wäre ein «asynchron» nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar.

Ein Klick und es geht los

Nachdem die Journalistin die Trachtengruppe genug lange aufgehalten hat, gibt Manuela Hollenstein den ersten Tanz bekannt: den Appenzeller Klatschwalzer. Eins, zwei werden die Positionen eingenommen und die Leiterin lässt per Knopfdruck die Musik laufen. Schwungvolle Drehungen, Schrittkombinationen und das zeitgleiche Klatschen laufen wie am Schnürchen. Auch bei den nächsten zwei Tänzen muss Manuela Hollenstein nur selten etwas kommentieren oder eine Drehung demonstrieren. Der letzte Schliff und dann sind die Oberhelfenschwiler mit ganz viel Tanzkönnen, Tanzfreude, Gemütlichkeit und Brauchtum bereit für Zürich.

Der Trachtentanz ist für die Tänzer eine schwungvolle Angelegenheit.
Der Trachtentanz ist für die Tänzer eine schwungvolle Angelegenheit.

Vorfreude auf das Trachtenfest

Ende Juni findet in Zürich das Eidgenössische Trachtenfest statt. Viele Trachtengruppen aus der Ostschweiz nehmen teil. Wie bereiten sich die Gruppen vor? In einer losen Serie nimmt der «St. Galler Bauer» Einblick in die Proben von teilnehmenden Trachtengruppen aus dem Kanton St. Gallen. red.

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