Stiftung leistet Hilfe für Bauernfamilien in Not

Urs Schneider ist seit Anfang Jahr Präsident der Stiftung für Selbst-, Sozial- und Nothilfe in der Landwirtschaft (SSSNL). Im Interview spricht er über seine Motivation und weshalb die Stiftung essenziell für die Schweizer Landwirtschaft ist.

Urs Schneider (links) übernahm das Präsidium vom Bündner Hansjörg Hassler. Bild: zVg.
Urs Schneider (links) übernahm das Präsidium vom Bündner Hansjörg Hassler. Bild: zVg.

Herr Schneider, eigentlich könnten Sie es als Pensionär jetzt ruhiger angehen lassen. Dennoch setzen Sie sich weiterhin als Mandatsträger für die Bauernfamilien ein. Bekommt Ihnen der Ruhestand nicht gut?

Urs Schneider: Doch, sehr. Ich habe aber noch diverse Funktionen und Aufgaben. Es ist jedoch kein Vergleich mehr mit vorher. Ich muss nicht mehr täglich morgens um sechs Uhr weg, um rechtzeitig in Brugg, Bern oder irgendwo in der Schweiz zu sein. Ich habe auch mehr Zeit für die Familie und vor allem meine drei Enkel.

Seit April präsidieren Sie die Stiftung für Selbst-, Sozial- und Nothilfe in der Landwirtschaft. Was motivierte Sie für dieses Amt?

Schneider: Nachdem ich mich 40 Jahre für die Bauernfamilien einsetzte, ist es so etwas wie eine logische Fortsetzung meines Wirkens, hier halt im sozialen Bereich. Es ist mein Ziel, die Tätigkeit der Stiftung langfristig aufrechtzuerhalten.

Warum ist Ihnen das so wichtig?

Schneider: Die Stiftung hat in den letzten Jahren Vergabungen gemacht, jedoch kein Fundraising betrieben, weshalb grössere Einnahmen, Spenden oder Legate fehlen. Das Stiftungskapital ist auf rund 300 000 Franken gesunken. Damit macht man nicht mehr viel. Es braucht aber unbedingt auch in Zukunft Anlaufstellen, die in ganz schlimmen Fällen helfen können. Daher ist es mir wichtig, auf die Stiftung aufmerksam zu machen, damit potenzielle Spenderinnen und Spender wissen, dass hier unverschuldet in eine Notlage geratenen Bauernfamilien geholfen wird.

Wie funktioniert die Stiftung und unter welchen Gegebenheiten springt sie ein?

Schneider: Die Stiftung nimmt Gesuche entgegen und unterzieht diese einer Prüfung. Wenn eine unverschuldete Notlage besteht und die offiziellen Sozialwerke nicht genügen, kann die Stiftung eine finanzielle Unterstützung gewähren.

Können Sie etwas dazu sagen, was das für Schicksalsschläge sind?

Schneider: Aus Persönlichkeitsschutzgründen müssen wir hier sehr zurückhaltend sein. Es sind oft die Folgen von Todesfällen, Krankheit oder schweren Unfällen und Behinderungen, die eine Unterstützung bedingen. Früher waren es auch die Folgen von Tierseuchen oder Naturereignissen. Diese kann man aber heute weitgehend versichern, weshalb sich die Stiftung vollends auf unverschuldete Notlagen konzentriert. In einem Fall verunglückte ein Grossvater mit dem Enkel durch den Absturz eines Viehwagens tödlich. Eine Familie wurde unterstützt, weil ein Neugeborenes drei kostspielige Operationen brauchte, und in einem anderen Fall leisteten wir einen Beitrag an den Einbau eines Lifts, um das Leben mit einem behinderten Kind zu erleichtern. Es sind wirklich besonders tragische Fälle, mit denen wir konfrontiert sind.

Was haben Unterstützer davon, wenn sie Geld spenden?

Schneider: Die Gewähr, dass ihre Mittel äusserst verantwortungsvoll eingesetzt werden und in den schlimmsten Fällen helfen. Es gibt auch auf kantonaler Ebene Stiftungen und Fonds, die helfen. Allenfalls ist auch direkte Nachbarschaftshilfe möglich. Aber da ist es oft schwierig, die Details und die Notwendigkeit zu kennen.

Wenn ich ausschliesslich eine regionale Familie unterstützen möchte, wie gewähren Sie, dass das Geld wirklich in der Region bleibt?

Schneider: Wir sind eine nationale Stiftung, eine solche Beschränkung ist von unseren Statuten her nicht möglich. Wer das will, muss gemäss der vorangehenden Antwort handeln.

Welche Möglichkeiten haben Bauernfamilien in Not, um zu Geld zu kommen?

Schneider: Sie können beim SBV ein schriftliches Gesuch stellen an die Stiftung für Selbst-, Sozial- und Nothilfe in der Landwirtschaft.

Wie gross sind die administrativen Hürden für die Gesuchsteller?

Schneider: Die Stiftung handelt schnell und unbürokratisch. Eine Prüfung baucht es aber schon, da auch gegenüber der Stiftungsaufsicht Bericht erstattet werden muss und diese sehr genau hinschaut, ob die Mittel entsprechend dem Stiftungszweck eingesetzt sind.

Ist es mit Geld alleine getan oder unterstützt die Stiftung die Bauernfamilien auch psychologisch?

Schneider: Nein, nicht direkt, wobei ich denke, dass bei den Abklärungen auch sehr viel psychologisches Geschick gefragt ist. Oft hilft eine Unterstützung auch, um Zukunftshoffnung zu geben.

Sind Sie mit allen Familien persönlich in Kontakt?

Schneider: Ja, entweder der Geschäftsführer Heinz Hess oder ich.

Was macht die Stiftung, um sich mehr Sichtbarkeit zu verschaffen?

Schneider: Im Zusammenhang mit dem Präsidentenwechsel sind wir an die bäuerlichen Medien gelangt. Ansonsten führte ich in den letzten Monaten diverse Gespräche mit Institutionen und Unternehmen.

Reicht das Geld der Spenderinnen und Spender, um die Stiftung zu finanzieren?

Schneider: Nein, es bräuchte eine substanzielle Spende oder ein grösseres Legat. Da kein solches vom Himmel fällt, sind wir dran, die Zusammenarbeit oder gar die Zusammenführung mit anderen Stiftungen mit ähnlichem Zweck zu prüfen. Bereits begonnen haben wir eine engere Zusammenarbeit und Koordination. So konnten wir jüngst in einem besonders tragischen Fall ein gemeinsames Unterstützungspaket schnüren.

*Verband Thurgauer Landwirtschaft

Kontakt

Kontakt für Gesuche: Heinz Hess, Geschäftsführer SSSNL, c/o SBV, Laurstrasse 10, 5200 Brugg, 079 683 77 20. Für Spenden, Legate und andere Fragen und Infos: Urs Schneider, Präsident, Thurtalstrasse 6, 8514 Amlikon-Bissegg; urs.schneider@kreuz-bissegg.ch, 079 438 97 17.

 

20 Jahre helfen

Die Stiftung für Selbst-, Sozial- und Nothilfe in der Landwirtschaft gibt es seit 2005. Sie ist entstanden aus zwei Vorgängerstiftungen mit ähnlichem Zweck. Eine davon war der «Bundesrat F. T. Wahlen-Fonds». Im Schnitt unterstützte die SSSNL in den letzten Jahren ein halbes Dutzend Fälle. Pro Jahr fliessen zwischen einigen 10 000 bis gut 100 000 Franken an Bauernfamilien in unverschuldeter Not.

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