Der Verein Bäuerlicher Sorge-Chrattä schenkt Hoffnung

Das Schicksal macht vor Bauernhöfen nicht halt. Wenn Krankheit, Unwetter oder ein plötzlicher Todesfall Familien an ihre Belastungsgrenze bringen, bietet der Verein Bäuerlicher Sorge-Chrattä seit 20 Jahren rasche und unbürokratische Hilfe.

Das Leben auf einem Bauernhof kennt oft keine Pufferzone. Krankheit, Unfall, Tod oder Unwetter lassen das sorgfältig aufgebaute Gleichgewicht wanken. Das war früher so und ist heute nicht anders. Gerät eine Bauernfamilie durch einen Schicksalsschlag in Not, ist rasche, unbürokratische Hilfe gefragt.

Ein Erbe der Nächstenliebe

Deshalb gründeten vier Frauen aus der Innerschweiz und Ostschweiz am 21. April 2006 den Verein Bäuerlicher Sorge-Chrattä. Der Name leitet sich vom Appenzeller Dialektwort «Chrattä» für Korb ab. Er steht symbolisch für Fürsorge und Nachbarschaftshilfe. Die Wurzeln des Vereins liegen in der Tradition, dass Klosterfrauen in den 1960er-Jahren im Urnerland Hilfe leisteten, insbesondere zugunsten kinderreicher Bauernfamilien. Sie verteilten Sachen aus dem Klosterbestand und legten damit den Grundstein für eine nachbarschaftliche Solidarität, die sich später in katholischen Kartenverkaufsaktionen fortsetzte.

Erste Hilfe in Notsituationen

Am Nachmittag des 28. Februars kamen die Mitglieder des Vereins Bäuerlicher Sorge-Chrattä bereits zum 20. Mal zusammen. Diesmal als Gäste des St. Galler Bäuerinnenverbands im Herzig-Stübli des Hotels Hecht in Rheineck. Präsidentin Judith Infanger aus Attinghausen im Kanton Uri, Geschäftsführerin Gerlinde Neff aus Appenzell und Aktuarin Bertha Zimmermann aus dem schwyzerischen Merlischachen stehen einem Verein vor, dessen 91 Mitglieder in der ganzen Schweiz zu Hause sind. Aufgrund der Distanzen treffen sich die drei Vorstandsfrauen meist nicht persönlich, sondern besprechen die laufenden Gesuche in Telefonkonferenzen.

Im vergangenen Jahr gingen 22 Gesuche beim Bäuerlichen Sorge-Chrattä ein. Die Gründe waren vielfältig: Todesfälle, Blitzschlag, hohe Medikamentenkosten oder drückende Krankenkassenprämien gehörten dazu. Auch Altersarmut war ein Thema. 17 Familien erhielten finanzielle Unterstützung von insgesamt 72 000 Franken. «Wir können keinen Flächenbrand löschen. Dazu fehlen uns die Mittel. Unser Ziel ist es, die Spitze zu brechen. Eine erste Hilfe in Notsituationen, einen Moment zum Durchatmen schenken», erklärt Judith Infanger. Die drei Vorstandsfrauen nehmen jedes Gesuch ernst. Mit viel Empathie und Einfühlungsvermögen besprechen sie gemeinsam die Situation der Betroffenen. «Auch wenn wir ein Gesuch ablehnen müssen, versuchen wir doch, irgendwie weiterzuhelfen. Zum Beispiel mit einem guten Rat oder der Vermittlung an die richtige Fachstelle», sagt Gerlinde Neff.

Ehrenamt mit Herzblut

Was den Sorge-Chrattä weiter besonders macht, ist die Herzlichkeit abseits der Paragrafen. Der Verein finanziert sich über Mitgliederbeiträge, Spenden, Kirchenopfer und den Verkauf von Glückwunsch- und Trauerkarten.

Der Vorstand arbeitet vollständig ehrenamtlich. Viele Frauen aus verschiedenen Landesteilen leisten Freiwilligenarbeit. Das ganze Jahr über klappern die Stricknadeln und surren die Nähmaschinen. In unzähligen Stunden entstehen Socken, Pyjamas, Schals und Mützen. Pünktlich zur Adventszeit werden diese Handarbeiten liebevoll verpackt und als kleine Lichtblicke an Familien verschickt. Letztes Jahr durften sich 156 Menschen über ein solches Päckli freuen.

Der ehrenamtliche Vorstand mit Gerlinde Neff, Judith Infanger, Bertha Zimmermann und Revisorin Anita Brülisauer (von links).
Der ehrenamtliche Vorstand mit Gerlinde Neff, Judith Infanger, Bertha Zimmermann und Revisorin Anita Brülisauer (von links).

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