PFAS – kein St. Galler Sonderfall
PFAS beunruhigen viele Bauern. Sie stecken in Böden, Milch und Fleisch. Im Kanton St. Gallen sind PFAS ab 2021 in den Fokus gerückt. Die sogenannten Ewigkeitschemikalien sind aber kein reines St. Galler Problem. Sie sind überall – in der Schweiz, in der EU, weltweit.

Der Ursprung der aktuellen PFAS-Belastungen reicht weit zurück. PFAS, beziehungsweise PFOS, eine Chemikalie der Stoffgruppe PFAS, werden seit den 1950er-Jahren hergestellt und genutzt. In der Ostschweiz gelangten sie unter anderem über PFOS-haltigen Löschschaum sowie über Klärschlamm in die Umwelt. Klärschlamm wurde bis 2006 regelmässig als Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Dass er in gewissen Regionen langlebige Chemikalien enthielt, war damals kaum bekannt.
Zum kantonalen Problem
In der Schweiz sind die PFAS erstmals 2007/2008 im Grundwasser nachgewiesen worden. Im Kanton St. Gallen werden sie in der breiten Öffentlichkeit seit 2021 diskutiert. In diesem Jahr kam es in Goldach zu zwei Unfällen bei einem Verpackungsunternehmen, PFOS-haltiger Löschschaum gelangte in die Goldach und den Bodensee.
Gleichzeitig zeigten erste Bodenuntersuchungen erhöhte PFOS-Werte auf landwirtschaftlichen Flächen. Die erste Messkampagne erfolgte in Eggersriet. In den Jahren 2022 und 2023 weitete der Kanton die Untersuchungen aus. Dabei wurden auch in Mörschwil, Untereggen, Goldach, Altenrhein und St. Margrethen erhöhte PFAS-Gehalte im Boden festgestellt.
Parallel dazu folgten systematische Untersuchungen der Gewässer. Sie zeigten, dass PFAS/PFOS in vielen Bächen und Flüssen des Kantons nachweisbar sind. Auch im Bodensee wurden Rückstände gemessen, unter anderem in einzelnen Fischarten. Ab 2024 wurden zusätzlich tierische Lebensmittel untersucht. Dabei fanden sich erhöhte PFAS-Werte in der Milch, auf einzelnen Betrieben auch in Rindfleisch und Eiern. Medial waren die Nachweise ein nationales Thema.
Ein weltweites Problem
PFAS sind kein St. Galler Sonderfall. Auch andere Kantone sind betroffen. Der Thurgau hat ein Projekt zur Erfassung und Begleitung der PFAS-Situation aufgegleist. Appenzell Ausserrhoden hat Landwirtschaftsbetrieben die Möglichkeit angeboten, Milch und Tränkewasser auf PFAS untersuchen zu lassen. Schweizweit gelten das Wallis mit Standorten wie Monthey sowie Teile des Mittellandes als Belastungsgebiete, oft im Umfeld von Industrie, Deponien oder von früherem Klärschlammeinsatz.
Europaweit gehören Norditalien, Belgien und Süddeutschland zu den bekanntesten nachgewiesenen Hotspots. Weltweit sind Fälle aus den USA, Australien oder Japan dokumentiert. PFAS/PFOS bauen sich kaum ab. Einzelne Stoffe stehen im Verdacht, Krebs zu fördern, das Immunsystem zu schwächen und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Der Kanton St. Gallen untersucht die Verbreitung systematisch, um eine verlässliche Datenlage zu erlangen und die Konsumentinnen und Konsumenten zu schützen sowie betroffene Landwirtschaftsbetriebe zu unterstützen.
Weitere Artikel zu PFAS gibt es hier.
«PFAS in der Landwirtschaft»
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) betreffen die Landwirtschaft auf vielen Ebenen. Die Artikelserie «PFAS in der Landwirtschaft» beleuchtet verschiedene Aspekte rund um die sogenannten Ewigkeitschemikalien. Die Serie entstand in Zusammenarbeit mit dem Kanton St. Gallen und dem St. Galler Bauernverband. Weitere Infos zu PFAS gibt es online auf der Webseite des Kantons St. Gallen.
