Was sind PFAS und was richten sie an?
PFAS sind fast überall: im Boden, im Wasser, in unseren Produkten, in uns. Viele Bäuerinnen und Bauern sind verunsichert. Was sind diese sogenannten Ewigkeitschemikalien und warum bleiben sie so lange in der Umwelt? Ein Überblick zu ihrer Herkunft und Wirkung auf Mensch, Land und Tier.

Bis vor Kurzem wusste in der Öffentlichkeit kaum jemand, dass es so etwas wie PFAS gibt. Heute bereiten sie Sorgen. Nüchtern betrachtet, ist «PFAS» eine Abkürzung. Sie steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Damit ist eine Gruppe von mehreren Tausend Substanzen gemeint, die alle künstlich hergestellt werden.
PFAS können Hitze, Wasser oder Fett abweisen. Diese Eigenschaften sind praktisch. Aber PFAS haben auch eine problematische Seite. Denn sie werden in der Natur kaum abgebaut. Einmal in die Umwelt gelangt, bleiben sie über Jahrzehnte oder länger erhalten. Deshalb spricht man von «Ewigkeitschemikalien».
Der Weg in die Landwirtschaft
PFAS werden seit den 1950er-Jahren weltweit eingesetzt. Weil sie je nach spezifischer Substanz unterschiedlichste Eigenschaften aufweisen, kommen sie in Löschschaum vor, in beschichteten Pfannen, Outdoor-Textilien, Verpackungen und Imprägniermitteln.
In der Ostschweiz gilt heute, nebst dem Einsatz von Feuerlöschschaum, vor allem Klärschlamm als die wichtigste bekannte Ursache für die Belastung der Böden. Klärschlamm wurde bis zum Verbot 2006 über Jahre als Dünger auf Landwirtschaftsflächen ausgebracht. Aus damaliger Perspektive war das eine gute Sache, denn Klärschlämme waren günstig und galten als nährstoffreich. Dass sie langlebige und gefährliche Chemikalien enthielten, war weitgehend unbekannt. Im Kanton St. Gallen wurde mit dem Klärschlamm vorwiegend PFOS, ein Vertreter der PFAS, ausgebracht. Das Verbot 2006 für den Einsatz von Klärschlamm kam damals aufgrund der Schwermetallbelastung zustande, PFAS waren noch kein Thema. Heute wissen wir: PFAS sind mittlerweile fast überall nachweisbar: im Boden, im Grund- und Oberflächenwasser, in Pflanzen, Tieren und Lebensmitteln. Der massiven Verbreitung liegt ein Kreislauf zugrunde. Einige PFAS und das PFOS gelangen aus den belasteten Böden in Gräser und Futterpflanzen, von dort in Nutztiere und schliesslich in Milch, Fleisch oder Eier. Dieser Weg – vom Boden über Pflanzen, Tiere und Produkte aus der Landwirtschaft zu uns – macht PFAS für Menschen zum Problem.
Gesundheitliche Risiken
Nicht alle PFAS wirken gleich. Einige gelten aber als gesundheitlich problematisch. Denn sie können sich im Körper anreichern und stehen im Verdacht, die Leber zu belasten, Krebs zu erregen, das Immunsystem zu schwächen und die Entwicklung ungeborener Kinder zu beeinflussen. Bei Tieren können sie Fruchtbarkeit, Wachstum und Gesundheit beeinträchtigen.
Die aktuell gemessenen Belastungen gelten nicht als akut toxisch. Da die PFAS aber oft sehr lange im Körper bleiben, können sie mit der Zeit zu gesundheitlichen Problemen führen. Der Bund hat 2024 Höchstwerte für vier bestimmte PFAS in einigen tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Eiern eingeführt. Weitere Höchstwerte werden folgen, unter anderem für Milch. Der Kanton St. Gallen untersucht die Verbreitung und Konzentration der PFAS systematisch, um eine verlässliche Datenlage zu erlangen und betroffene Landwirtschaftsbetriebe zu unterstützen.
«PFAS in der Landwirtschaft»
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) betreffen die Landwirtschaft auf vielen Ebenen. Die Artikelserie «PFAS in der Landwirtschaft» beleuchtet verschiedene Aspekte rund um die sogenannten Ewigkeitschemikalien. Die Serie entstand in Zusammenarbeit mit dem Kanton St. Gallen und dem St. Galler Bauernverband. Weitere Infos zu PFAS gibt es online auf der Webseite des Kantons St. Gallen.
