Schweizer Spargeln haben Hochsaison

Philipp Engel aus dem thurgauischen Mammern hat vor drei Jahren auf einer Hektare Pachtland Grünspargeln angebaut. Obwohl ein grosser Arbeitsaufwand mit viel Handarbeit dahintersteckt, würde er sich wieder für den Spargelanbau entscheiden. Im nächsten Jahr wird er sogar vergrössern.

Philipp Engel auf seinem Spargelfeld in Mammern.
Philipp Engel auf seinem Spargelfeld in Mammern.

Beinahe majestätisch reckt er sich der Frühlingssonne entgegen und zeigt sein zartes grünes Köpfchen: Die Spargelernte ist in vollem Gange und erfordert viel Handarbeit. Philipp Engel aus dem thurgauischen Mammern am Untersee zeigt auf sein Spargelfeld, das er vor drei Jahren angelegt hat. Hier sind fünf Erntehelfer in ihre Arbeit vertieft und schneiden Grünspargeln.

Wer Spargeln ernten möchte, braucht Geduld. Um Kraft zu sammeln, müssen die Pflanzen auf neu angelegten Spargelfeldern etwa zwei Jahre ungestört wachsen. Dann können die ersten Triebe geerntet werden. Das Gemüse bleibt acht bis zehn Jahre in der Erde und kann jährlich geschnitten (grüner Spargel) oder gestochen (weisser Spargel) werden. Der grösste Ertrag werde im dritten bis fünften Standjahr erreicht. Im Gegensatz zum weissen Spargel wächst der Grünspargel über der Erde und bildet durch das Licht den grünen Pflanzenfarbstoff Chlorophyll. Weisser Spargel wächst unter der Erde und wird gestochen, sobald sein Kopf das Erdreich durchbricht. Die Spargelfarbe sei also keine Frage der Sorte, sondern von Anbau und Ernte, erklärt Philipp Engel.

«Den Hof habe ich 2001 von meinen Eltern übernommen», sagt er und ergänzt, dass er nach der Betriebsübernahme mit dem Ackerbau und der Milchwirtschaft aufgehört und ganz auf Obst- und Beerenanbau umgestellt habe. Gleichzeitig habe er damals für den Direktverkauf im Hofladen auch die ersten Spargeln auf einem 20 Aren grossen Feld angebaut. Den Hofladen habe schon seine Mutter im kleinen Rahmen geführt mit dem Verkauf von Äpfeln und Kirschen und später noch mit Beeren.

Auf einer Hektare Spargeln

«Das Grundwissen über den Spargelanbau habe ich an der damaligen Landwirtschaftlichen Schule Arenenberg erlernt, dem heutigen Kompetenzzentrum für Landwirtschaft im Thurgau», erzählt der 51-jährige Landwirt. Im Laufe der Jahre habe er sich sein fundiertes Fachwissen im Selbststudium angeeignet.

Im Hofladen, den Philipp Engel und seine Frau Jacqueline führen, sind aber nicht nur ihre Grünspargeln, sondern eine breite Palette ihrer hofeigenen Produkte erhältlich. Jacqueline Engel ist gelernte Floristin und habe das Händchen für schöne Dekorationen, sagt ihr Ehemann. Inzwischen haben die beiden nicht nur ihren Hofladen vergrössert, sondern ihren ganzen Landwirtschaftsbetrieb. So haben sie beispielsweise 2007 für den Anbau von Erdbeeren und Himbeeren ein Gewächshaus von ungefähr einer Hektare erstellt. Philipp Engel konnte vor acht Jahren einen Pachtbetrieb mit vorwiegend Birnbäumen übernehmen. «Angefangen haben wir mit 13 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche, heute sind es 26 Hektaren, davon eine Hektare Spargeln.»

Auf der besagten Hektare seines Pachtlandes hat Philipp Engel im Frühjahr 2020 rund 20 000 Spargelstöcke angebaut. Aus jeder Pflanze wachsen mehrere Stangen Spargeln. Geerntet wird je nach Witterung jeden Tag. «Spargeln mögen warmes Wetter», erklärt der Landwirt. Schönes Wetter lasse die Spargeln förmlich explodieren. Philipp Engel verrät, dass er im nächsten Ja

Um eine Verfrühung der Ernte zu erreichen, werden die Spargeln mit Minitunnels zugedeckt.
Um eine Verfrühung der Ernte zu erreichen, werden die Spargeln mit Minitunnels zugedeckt.

hr eine weitere Hektare Land pachten kann, um dort grüne Spargeln anzubauen.

 

Steine sind ungünstig

Ein Grossteil seiner Spargeln gelangt in die Landi Seebachtal nach Hüttwilen. Vor rund einem Jahr haben die Landi Hüttwilen und die Landi Stammertal zur Landi Seebachtal fusioniert. Gemäss telefonischer Auskunft von Rudolf Grunder, Geschäftsführer der Landi Seebachtal, ist der Kanton Thurgau mit einer Gesamtfläche von 39,4 Hektaren einer der Hauptproduzenten von einheimischen Grünspargeln. Im Wallis, im Seeland, im Rafzerfeld sowie im St. Galler Rheintal werde relativ viel weisser Spargel angebaut. Dort habe es sandigere Böden, was für den Weissspargel günstige Voraussetzungen seien. Weil die weissen Spargeln mit einem Messer unter der Bodenoberfläche gestochen werden, sind Steine für die Ernte ungünstig. Grünspargeln hingegen seien bezüglich der Bodenart eher anspruchslos. Im Kanton St. Gallen wachsen auf einer Gesamtfläche von 29 Hektaren Weissspargeln und auf 16,2 Hektaren Grünspargeln (Quelle: SZG, Schweizerische Zentralstelle für Gemüsebau). «Dann gibt es noch den violetten Spargel», bemerkt Rudolf Grunder. Violetter Spargel sei eine spezielle Sorte und wachse genau wie ein Grünspargel am Tageslicht, nur dass er sich beim Austritt aus der Erde violett statt grün verfärbe. Violetter Spargel werde mehrheitlich roh gegessen. Beim Kochen würde sich dieser grün verfärben.

Mit Minitunnels arbeiten

Philipp Engel erklärt, dass er jeweils im Vorfrühling Minitunnels in seinem Spargelfeld aufbaue. Damit könne eine beachtliche Verfrühung der Ernte erreicht werden. Sobald die Temperaturen weiter ansteigen, würden die Minitunnels abgenommen. Doch der Frost Anfang April habe seinen Grünspargeln sogar unter den Minitunnels arg zugesetzt, denn die jungen Spargeltriebe vertragen gar keine Minusgrade. Vermutlich habe der kalte Biswind den Weg durch die Tunnels gefunden und habe den Schaden verursacht. Mit den Plastiktunnels könne nebst der Ernteverfrühung auch eine bessere Spargelqualität erzielt werden. Starker Wind könne die Spargeln krumm wachsen lassen. Unter den Tunnels passiere dies nicht. Der Aufbau der Minitunnels sei sehr aufwendig. Damit schütze er aber nur junge Spargeln in den ersten drei bis vier Jahren. Bei den älteren Pflanzen lohne sich der Aufwand nicht mehr, weil der Ertrag dann ohnehin geringer ausfalle.

 

Grünspargel wird mit dem Messer geschnitten.
Grünspargel wird mit dem Messer geschnitten.

Pflanzen brauchen Ruhepause

«Mit der Ernte wollten wir eigentlich Anfang April beginnen. Da der Frost dann an der Grünspargel-Kultur beträchtlichen Schaden angerichtet hat, konnten wir erst eine Woche später anfangen», erklärt Philipp Engel. Geerntet wird zu Fuss mit Pflückkörben. Spargelstangen werden geschnitten, wenn sie etwa 25 Zentimeter lang sind. Und die Spargelköpfe müssen noch fest geschlossen sein. Ob die diesjährige Ernte gut sei, könne erst im Juni nach Abschluss gesagt werden. Spargel wird traditionell nur bis zum Johannistag, am 24. Juni, geerntet. Um jedes Jahr neue Spargelstangen treiben zu können, brauchen die Pflanzen eine Ruhepause, um sich zu regenerieren. Meist können ab dem 24. Juni ungefähr 100 Tage bis zum ersten Frost gerechnet werden, weshalb das Saisonende auf dieses Datum fällt.

Die durchschnittliche Spargelernte bei Philipp Engel liegt zwischen drei bis vier Tonnen pro Saison. Wenn diese Menge bereits Anfang Juni erreicht werde, sei Schluss mit der Ernte. Ein zeitiges Ernteende ermögliche den Pflanzen eine längere Ruhepause. «Würden Spargeln zu lange geerntet, gäbe es weniger schönes Laub und der Ertrag im darauffolgenden Jahr wäre geringer und die Qualität schlechter.» Im Sommer treibt die Spargelpflanze hohe Triebe mit fein gefiedertem Laub. Die Pflanze zieht die Nährstoffe in die Wurzel ein und das Kraut färbt sich langsam gelb. Im November wird dieses dann abgeschnitten.

Pflanzenschutz erforderlich

Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel sei unumgänglich, um dauerhaft hochwertige Erzeugnisse zu produzieren. Ohne Pflanzenschutz würden nicht nur Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten die Qualität dramatisch leiden lassen, auch die Erntemengen gingen deutlich zurück. In Spargelanlagen gestalte sich zudem eine chemische Unkrautbekämpfung mit Herbiziden schwierig, da nur wenige dieser Mittel zur Verfügung stehen. Und trotzdem geht es nicht ganz ohne deren Einsatz: Eine Verunkrautung würde unweigerlich zu starken Ertragsminderungen in den folgenden Jahren führen. «Die Produzenten müssen den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) sowie die Swiss-GAP-Anforderungen erbringen. Es werden regelmässige Kontrollen durchgeführt», betont der Spargelbauer. Zwischen den Spargelreihen werde regelmässig mit dem Traktor gemulcht. Der Anbau, die Pflege und die Ernte seien mit viel Aufwand verbunden. «Im vergangenen Jahr haben wir etwa 900 Arbeitsstunden in die Spargeln investiert», weiss Philipp Engel.

Zwischen den Spargelreihen wird mit dem Traktor regelmässig gemulcht.
Zwischen den Spargelreihen wird mit dem Traktor regelmässig gemulcht.

Gleichentags geliefert

Nachdem die Spargeln geschnitten sind, werden sie am gleichen Tag in die Landi Seebachtal nach Hüttwilen gebracht. Dort werden sie gewaschen, nochmals geschnitten, sortiert und gebündelt. In zwei bis drei Tagen liegen sie in den Landi-Filialen in den Verkaufsregalen. Die Grünspargeln, die Philipp und Jacqueline Engel in ihrem Hofladen anbieten, werden vor dem Verkauf auf ihrem Hof ebenfalls gewaschen und sortiert. Philipp Engel würde sich wieder für den Spargelanbau entscheiden. Spargel sei ein beliebtes Gemüse und da die Saison mit einheimischen Spargeln nur kurz sei, ein besonderer Gaumengenuss.

Die geschnittenen Spargeln werden am gleichen Tag in die Landi Seebachtal nach Hüttwilen gebracht.
Die geschnittenen Spargeln werden am gleichen Tag in die Landi Seebachtal nach Hüttwilen gebracht.

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