Schweizer Salz: weisses Gold mit Schattenseiten (2/2)
Schweizer Salz steht nicht nur für Versorgungssicherheit, sondern auch für Zielkonflikte. Auftausalz belastet Umwelt und Gewässer, neue Bohrfelder stossen auf Widerstand und das Salzregal bleibt politisch umstritten. Gleichzeitig planen die Schweizer Salinen mit grossen Investitionen die Versorgung des Landes bis 2075.

Das weisse Gold glänzt nicht immer nur, denn es führt auch zu Konflikten, beispielsweise beim Einsatz von Auftausalz. Der Umweltschutz ist herausgefordert, wenn beim Enteisen von Verkehrsflächen beispielsweise auf Autobahnen Salz grossräumig gestreut wird. Aber auch die Erschliessung neuer Salzbohrfelder an den Standorten der Salinen kann zu Widerstand führen. Vor allem die angrenzende Wohnbevölkerung fühlt sich dadurch beeinträchtigt. Und zu guter Letzt wird seit Jahren am «Salzregal» gerüttelt, weil es den freien Salzmarkt in der Schweiz verhindert.
Verkehrssicherheit vs. Umweltschutz
Wird es Winter und die Temperaturen fallen unter null Grad, steigt auf Strassen und Gehwegen das Glatteisrisiko. Landesweit fährt die grosse Flotte der Streufahrzeuge aus und bepudert die wichtigen Verkehrsflächen mit Auftausalz. Unbestritten ein probates Mittel um die Gefahren zu bannen, die aus der Kälte kommen. Pro Natura bezweifelt nicht, dass damit viele Unfälle verhindert werden können, ruft aber jedes Jahr in Erinnerung, dass bei dieser Art von Mobilitätssicherung viele andere Bereiche grossen Schaden erleiden. So beispielsweise die einheimischen Pflanzen. Bis auf einzelne salztolerante Arten würden sie nämlich kein Salz im Boden vertragen.
Mit dem Schmelzwasser jedoch gelangt Auftausalz in grossen Mengen in die Erde. Dieser Überschuss führe zum Absterben der feinen Wurzelhaare. Dadurch könnten die Pflanzen kein Wasser mehr aufnehmen und trockneten in der Folge aus. Auch Gewässer und ihre Ökosysteme würden durch die hohen Salzkonzentrationen stark beeinträchtig, heisst es bei den Naturschützern weiter. Laut Pro Natura gibt es jedoch alternative Auftaumittel, die aber ebenfalls nicht ganz ohne Folgeschäden eingesetzt werden könnten. Genannt werden Holzschnitzel, die aber nur bei grossen Schneemengen sinnvoll anwendbar seien. Das Problem: Die Schnitzel verstopfen beim Abtauen Wasserkanäle. Auch Zucker liesse sich als Streumittel einsetzen, jedoch nur bei geringen Schneemengen oder mit einer Salzmischung. Als aktive Massnahme mit Wirkung empfiehlt Pro Natura, selbst Hand anzulegen und den Schnee möglichst rasch wegzuräumen. Damit könne das Glatteisrisiko eingeschränkt werden, ohne die Umwelt zu belasten.
Auftausalz sei heute im Winterdienst ein ökologisch sinnvolles Enteisungsmittel, heisst es bei den Schweizer Salinen. Der Einsatz sei in den letzten Jahren durch das Diktat der Ökonomie und Ökologie wesentlich verbessert worden. Feuchtsalztechnik, Infrarot- und EDV-gesteuerte Streutechnik, Vernetzung der Diagnose über den Strassenzustand, Verbesserung der Wetterinformation und Optimierung der Einsatzplanung würden dazu beitragen. Das Konzept des «differenzierten Winterdiensts» setze klare Prioritäten bei Hochleistungsstrassen und gefährlichen Strecken. Wo es verantwortbar sei, würde auf die Schwarzräumung verzichtet. Je nach Witterung würden nur noch fünf bis maximal 20 Gramm Salz pro Quadratmeter gestreut, heisst es bei den Schweizer Salinen weiter.
Konflikte um neue Bohrfelder
Weiteres Konfliktpotential birgt auch die Erschliessung neuer Bohrfelder. Diese müssen erschlossen werden, wenn bestehende Solen ausgeschöpft sind. Auch wenn dies an den traditionellen Standorten der Salinen geschieht, gibt es Konflikte, meistens mit der Wohnbevölkerung und dem Naturschutz.
In Muttenz wehrten sich Bevölkerung und Naturschutzorganisationen erfolgreich gegen das geplante Bohrfeld Rütihard. Es liegt einige hundert Meter vom bisherigen Abbaugebiet entfernt. In einer Petition forderten 6200 Personen die Streichung der Rütihard, weil es sich dabei um ein Naherholungsgebiet handelt. Befürchtet wurden Lärmimmissionen und Umweltschäden durch das Bohren. Zudem rechneten die Bauern in der Gegend mit der Entwertung ihres Ackerlandes nach dem Salzabbau. Aufgrund des starken Widerstands aus der Bevölkerung beschlossen die Schweizer Salinen im Juni 2020, das Projekt zur Salzförderung vorerst nicht mehr weiterzuverfolgen. Im April 2023 wurde entschieden, die Rütihard im Konzessionsgebiet zu streichen.
Auch bei der Planung eines neuen Bohrfelds in der Saline Riburg reagierte ein Teil der benachbarten Wohnbevölkerung mit heftiger Ablehnung. Befürchtet wurden Schäden an den Liegenschaften durch die Bohrtätigkeit und eine generelle Abwertung der Häuser. Vonseiten der Schweizer Salinen hiess es, dass bei heutigen Salzförderungstechniken keine Schäden entstehen würden. Zudem enthält die Konzessionsverlängerung ein neues Überwachungs- und Nachsorgekonzept, das im Konzessionsvertrag festgeschrieben ist. Es regelt über das Konzessionsende im Jahr 2075 hinaus die Überwachungs-, Dokumentations- und Nachsorgepflichten der Schweizer Salinen.
Aufhebung des Salzregals gefordert
Die Grünliberale Partei der Schweiz (GLP) machte in den letzten Jahren in einigen Kantonsparlamenten erfolglose Vorstösse für die Aufhebung des Salzregals. Die Gründe dafür waren unter anderem die Verhinderung eines freien Markts bei der Salzbeschaffung und beim Handel mit dem weissen Gold. Vor allem würden durch das Regal Importe verunmöglicht. Das sei störend, weil Salz teilweise im Ausland zu günstigeren Preisen beschafft werden könne als in der Schweiz. Vor allem Auftausalz, das im Winter wichtig für die Mobilität in der Schweiz sei, wäre wegen dem Monopol der Schweizer Salinen teuer für die Gemeinden und könne bei einem harten Winter hohe Kosten für diese verursachen. Ohne Salzregal würde jedoch die Möglichkeit bestehen, billigeres Salz aus dem Ausland zu beschaffen.
«Die Abschaffung des Salzregals ist seit Jahren eine Forderung der GLP», erklärt Pascal Tischhauser, Co-Generalsekretär der GLP Schweiz. «Wir setzen uns weiterhin dafür ein, auch hier mehr Wettbewerb zu schaffen und es sollte nicht ausser achtgelassen werden, dass Schwarzräumungen und das Salzstreuen aus ökologischen Gründen zu hinterfragen sind und nur mit Zurückhaltung erfolgen sollten», ergänzt er.
Salzversorgung bis 2075 geplant
Der Salzvorrat im Boden der Schweiz wird noch für Jahrhunderte ausreichen, sagen Fachleute. Vorerst aber konzentrieren sich die Schweizer Salinen auf die nächsten 50 Jahre. Mit der Verlängerung der Abbaukonzessionen in den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft verfügen sie über Planungssicherheit bis ins Jahr 2075. Das Unternehmen stellt die Zukunft der Salzversorgung der Schweiz auf diese Grundlage. Im Vordergrund stehen dabei Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.
Aufgrund der Verlängerung der kantonalen Konzessionen wollen sich die Schweizer Salinen unter dem Projektnamen «SalinaFutura» weiterentwickeln. Dies soll einerseits mit dem Neubau am Standort Riburg geschehen, wo moderne, energieeffiziente und wirtschaftliche Anlagen geplant sind. Andererseits soll auch die Solegewinnung in den Konzessionsgebieten Aargau und Basel-Landschaft eine tragende Rolle spielen. Der Entscheid für einen Neubau steht vor dem Hintergrund, dass die bestehenden Anlagen in Schweizerhalle und Riburg am Ende ihres Lebenszyklus’ angekommen sind. Für den Neubau der Saline Riburg investiert das Unternehmen rund 280 Millionen Franken. Die Erneuerung erfolgt während des laufenden Betriebs, sodass die Salzversorgung jederzeit gewährleistet bleibt. Die Planungs- und Bauphase erstreckt sich von 2026 bis 2032.
Zur Deckung des Salzbedarfs werden sämtliche aktive und in Planung befindliche Solefelder in den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft benötigt. Das gilt auch für Gebiete, die als Ersatz des gestrichenen Solefelds Rütihard zu einem späteren Zeitpunkt in das Konzessionsgebiet aufgenommen werden. Für den Transport der Sole zur Saline Riburg ist eine unterirdische Transportleitung von der Saline Schweizerhalle zur Saline Riburg geplant.
«Mit den geplanten Massnahmen und Investitionen in die Zukunft bekräftigen die Schweizer Salinen ihre Verantwortung für eine zuverlässige Salzversorgung und eine nachhaltige Entwicklung der heimischen Produktion», heisst es beim Unternehmen.
Die Geschichte des Schweizer Salz’ (Teil 1/2) wurde in der Printausgabe 25/2026 vom 19. Juni 2026 publiziert und ist online unter dem Link hier zu finden.
Das ist das Salzregal
Das Salzregal ist das historische Hoheitsrecht der Kantone, den Abbau, die Einfuhr und den Verkauf von Salz zu regeln und zu monopolisieren. Dadurch ist die flächendeckende Versorgung mit Speise- und Streusalz in der Schweiz sichergestellt.
Fortsetzung folgt …
Die Fortsetzung der Geschichte um das Salz mit Fokus auf Schäden in der Umwelt, neue Bohrfelder und Streit ums Monopol findet ihr unter dem Link hier:
