Knifflige Fährten fordern feine Hundenasen

Im Juni 2026 erfolgte im Taminaltal die Prüfung von zwölf neu ausgebildeten Jagdhunden für einen Einsatz als Schweisshund. Der Schweisshundeobmann Walter Knöpfel bereitete mit Jagdkollegen die verschiedensten kniffligen Fährten im Gelände vor.

Ein Schweisshund ist kein gewöhnlicher Jagdhund, sondern ein hoch spezialisierter Spürhund, der mit Präzision und Ausdauer verletztes Wild findet.
Ein Schweisshund ist kein gewöhnlicher Jagdhund, sondern ein hoch spezialisierter Spürhund, der mit Präzision und Ausdauer verletztes Wild findet.

Die Nachsuche von verletztem Wild mit dem Hund ist ein Gebot des Tierschutzes und ein unverzichtbarer Bestandteil der jagdlichen Ethik. Dies gilt auch im Kanton St. Gallen mit seinen 144 Jagdrevieren und aktuell 1339 Jägerinnen und Jägern. Schweisshunde sind spezialisierte Jagdhunde, die darauf trainiert werden, verletztes Wild anhand seiner Wundfährte, des sogenannten Schweisses (Blut), auch über mehrere Kilometer zuverlässig nachzusuchen und zu stellen. Sie gehören zu den leistungsfähigsten Spürhunden überhaupt und werden in der Schweiz, Deutschland und Österreich intensiv eingesetzt. Walter Knöpfel, Schweisshundeobmann der Region Sarganserland, stellt fest, dass Schweisshundeteams immer häufiger ausrücken müssen. Besonders nach Wildunfällen auf Strassen sind ihre Einsätze gefragt, um verletzte Tiere von ihrem Leiden zu erlösen. Die Zahl solcher Einsätze nehme zu und übertreffe mittlerweile jene aufgrund von Schussverletzungen deutlich, so Knöpfel.

Zwölf Jägerinnen und Jäger aus dem Kanton St. Gallen stellten sich kürzlich an einem Sonntagmorgen im Juni mit ihren Hunden verschiedenster Rassen der Schweisshundeprüfung 2026 im Taminatal. Die Experten zeigten sich mit den Leistungen zufrieden und lobten die Teilnehmer.

Eine Mammutaufgabe

Die Ausbildung eines Schweisshundes und seine jagdliche Führung erfordern viel Zeit und Engagement. Hinzu kommt, dass die dreimonatige Jagdsaison allein nicht ausreicht, um den Hund auszulasten. «Jeder Hund muss auch während der übrigen neun Monaten regelmässig trainiert und gefordert werden. Andernfalls gehen erlernte Verhaltensmuster verloren», erklärt Walter Knöpfel. Die rund 300 Millionen Geruchsrezeptoren in der Hundenase seien zwar eine beeindruckende Voraussetzung, müssten aber durch kontinuierliches Training genutzt und geschult werden.

Vor der Prüfung werden die Jäger von Obmann Walter Knöpfel instruiert.
Vor der Prüfung werden die Jäger von Obmann Walter Knöpfel instruiert.

Bevor Hund und Hundeführer überhaupt zur Schweisshundeprüfung zugelassen werden, müssen sie zunächst die Gehorsamsprüfung bestehen. Die meisten Hundeführer halten ihren Schweisshund nicht primär für den Eigenbedarf, sondern stellen ihn der regionalen Jägerschaft sowie der Polizei für Nachsuchen zur Verfügung. Nur so erhält das Gespann genügend Einsätze, um das erforderliche Leistungsniveau zu erreichen und zu halten.

Besondere Fähigkeiten

Schweisshunde verfügen über Fähigkeiten, die selbst modernste technische Hilfsmittel bislang nicht ersetzen können. Sie zeichnen sich durch einen aussergewöhnlich feinen Geruchssinn, grosse Ruhe, Wesensfestigkeit sowie einen ausgeprägten Finder- und Spurwillen aus. Ein ausgebildeter und geprüfter Schweisshund ist in der Lage, selbst 24 Stunden nach einer Verletzung die Spur eines Wildtieres aufzunehmen und über grosse Distanzen hinweg zu verfolgen. Regen, Schnee oder andere widrige Wetterverhältnisse beeinträchtigen seine Arbeit kaum.

Herausforderung für Hund und Meister: Nach dem Briefing entschied das Los, welche Fährten die Prüflinge zu absolvieren hatten.
Herausforderung für Hund und Meister: Nach dem Briefing entschied das Los, welche Fährten die Prüflinge zu absolvieren hatten.

Simulierter Unfallort

Für die Prüfung im Taminatal wurden bereits am Vortag verschiedene Fährten angelegt. Dabei wurden an einem simulierten Unfall- oder Abschussort auf einer Fläche von rund 30 mal 30 Metern einige Wildhaare sowie wenige Tropfen Blut von Reh, Gams oder Hirsch ausgelegt. Anschliessend zog der Fährtenleger mit an den Schuhen befestigten Wildläufen durch das Gelände und brachte entlang der Strecke in regelmässigen Abständen etwas Schweiss aus. Je nach Prüfungsstufe betrug die Fährtenlänge 500 oder 1000 Meter. Die Vierbeiner durften sich nicht davon irritieren lassen, dass nur Stunden zuvor verschiedenste andere Wildtiere sich im Gelände aufgehalten und geäst hatten.

Erfolg beim Üben

Die Übungen in der Schweisshundeausbildung basieren auf dem Belohnungsprinzip. «Am Anfang der Ausbildung schleift ein Halter zum Beispiel ein Fleischstückli durch den Garten», beschreibt Schweisshundeobmann Walter Knöpfel seine eigene Ausbildungserfahrung. «Am Ende der Strecke muss das Tier einen Riesenerfolg erleben.» Das könne in Form von Guetzli, Spiel und Loben erzeugt werden. «Wichtig ist es, dem jungen Hund von Beginn weg Erfolgserlebnisse zu verschaffen.» Das sei aber nur möglich, wenn die Strecken der Fährten anfangs eher kurz gehalten werden.

 

Eindrücke von der Schweisshundeprüfung 2026

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