Passionierte Handwerkerin mit Papier und Schere

Scherenschnitte selbst zeichnen, und dies nach eigenen Entwürfen, ist eine grosse Leidenschaft von Scherenschnitthandwerkerin Marianne Schönenberger aus Wattwil. Als eigentliches Markenzeichen in der Szene gelten ihre «Kränzli».

Marianne Schönenberger ist alljährlich an der Ausstellung «Wildhauser Talente» dabei.
Marianne Schönenberger ist alljährlich an der Ausstellung «Wildhauser Talente» dabei.

Die Bauerntochter Marianne Schönenberger aus dem Obertoggenburg lebt oberhalb von Wattwil am Schönenberg. Die freie Sicht über das Toggenburger Hügelland und zu den Bergen weiss sie ebenso zu schätzen wie die ruhige Wohnlage. Fürs gemütliche Daheim sorgt das Ehepaar gemeinsam, die Gestaltung der Umgebung ist die Aufgabe von Ehemann Toni. Während er seinem Beruf nachgeht, wird der Nebenerwerbsbauernbetrieb mit Walliser Schwarznasenschafen, Grauvieh, Hühnern und Gänsen gemeinsam betreut. Ein Grossteil der tagsüber anfallenden Arbeiten wird von Marianne Schönenberger übernommen.

Bei einem Besuch am Schönenberg gab es vertieften Einblick rund um die Kunst mit der Schere. Organisiert war ein Kurs für vier Frauen, zwei Anfängerinnen und zwei Fortgeschrittene. Dabei wurde deutlich, dass Marianne Schönenberger nicht nur eine äusserst talentierte Zeichnerin ist, sie verfügt auch über ein grosses Wissen rund um Herkunft und Tradition des Scherenschnitts.

Ursprung in China

«China wird als Ursprung des Scherenschnitts bezeichnet, obwohl über die tatsächlichen Anfänge kaum etwas erhalten ist», so Marianne Schönenberger. Noch heute sei der Scherenschnitt in China als traditionelles Kunsthandwerk verbreitet. Erste europäische Scherenschnitte seien vermutlich unabhängig voneinander an verschiedenen Orten entstanden. «Die ältesten Belege aus dem 15. und 16. Jahrhundert wurden in Deutschland, Belgien und Spanien gefunden», erklärt die Scherenschnitthandwerkerin. Einen eigentlichen «Schweizer Scherenschnitt» gebe es nicht. Als traditionell und typisch schweizerisch gelte der symmetrische Alpaufzug mit ornamentaler Umrandung. «Die ältesten in der Schweiz erhaltenen Scherenschnitte stammen aus dem späten 17. Jahrhundert. Sie wurden in Klöstern geschnitten. Im Laufe der Zeit gelangte die Technik des Scherenschneidens in die Städte und schliesslich in die ländlichen Gebiete, weil sich die bäuerliche Bevölkerung keine teuren Kunstwerke leisten konnte, ihre Stuben aber trotzdem verschönern wollte», erklärt die Scherenschnitthandwerkerin.

Als Grundlage sei oft bereits gebrauchtes Papier verwendet worden. «Geschickte Taglöhner wurden von Bauernfamilien engagiert. Sie erhielten während einiger Zeit freie Kost und Logis und mussten in dieser Zeit einen oder mehrere Scherenschnitte herstellen. Dies jeweils in den Abendstunden, denn tagsüber gingen sie ihren anderen Aufgaben nach.» Um die Zeit möglichst produktiv zu nutzen, seien gefaltete Motive realisiert worden, sagt Marianne Schönenberger.

Marianne Schönenberger arbeitet an einem von ihr selbst gezeichneten Sujet.
Marianne Schönenberger arbeitet an einem von ihr selbst gezeichneten Sujet.

Motive aus dem Toggenburg

Doch zurück zur Toggenburger Scherenschnitthandwerkerin. Sie widmet sich gerne Motiven aus ihrer Heimat, realisiert aber auch Werke nach Wunsch und Vorstellung der Kundschaft. «Durch diese Wünsche hat sich mein Blickfeld erweitert. Ich habe in den vergangenen Jahren vieles gezeichnet und geschnitten, was ich sonst wohl nie gewagt hätte», so ihre Aussage. Marianne Schönenberger bezeichnet die Beschäftigung mit Scherenschnitten als «entspannendes, wundervolles Handwerk.» Begonnen hat die Erfolgsgeschichte vor über 20 Jahren, nachdem sie sich vorher intensiv mit der Malerei auseinandergesetzt hatte. «Scherenschnitte sind zwar aufwendig in der Umsetzung, aber auch dankbar. Wenn ich auf dem Betrieb etwas zu tun habe, kann ich den Scherenschnitt weglegen und später einfach dort fortfahren, wo ich aufgehört habe.» Marianne Schönenberger gibt ihr umfassendes Wissen seit vielen Jahren auch in Kursen weiter. Dies mit grosser Freude, wie sich bei der Arbeit mit den vier Frauen zeigt. Insbesondere die beiden «Wiederholungstäterinnen», eine reiste von «ennet dem Ricken» an, die andere aus dem Rheintal, schwärmten vom erworbenen Fachwissen. Die beiden Anfängerinnen konnten schon nach kurzer Zeit erste Erfolge vorweisen und freuten sich sichtlich, dass ihre Henne gelang.

Die Kursteilnehmerinnen sind mit voller Konzentration dabei.
Die Kursteilnehmerinnen sind mit voller Konzentration dabei.

Schere und Papier

Die Wahl des richtigen Papiers, es dürfe nicht verblassen, bezeichnet Marianne Schönenberger als wichtig. Auch beim Kauf der Schere dürfe nicht gespart werden. «Es gibt gute Bezugsquellen und auch die Pflege des Werkzeugs ist nicht zu vernachlässigen», liess sie die Frauen wissen. Wer seine fertiggestellten Scherenschnitte auf Papier kleben wolle, müsse dies mit Umsicht und Geduld angehen. Auch die Wahl des richtigen Rahmens sei entscheidend, um das Werk zur Geltung zu bringen.

Die Detailaufnahme zeigt, wie filigran die Arbeit am Scherenschnitt ist.
Die Detailaufnahme zeigt, wie filigran die Arbeit am Scherenschnitt ist.

Für Marianne Schönenberger bedeutet Kurse geben und Interessierten das Wissen rund um die Scherenschnitte näherbringen eine Bereicherung. «Ich geniesse die guten Gespräche und finde das Zusammensein mit verschiedenen Menschen spannend. Viele haben Angst vor dem Zeichnen der Motive, doch mit ein paar Tipps und Tricks funktioniert auch dieser Teil der Arbeit.» Selbst für untalentierte Zeichnerinnen und Zeichner gebe es Lösungen, denn Ornamente seien immer eine Option. Zudem dürfe sie feststellen, dass Kursteilnehmende rasch einen eigenen Stil entwickeln, und gerade dies mache die Sache spannend.

Das Werk einer «Wiederholungstäterin»: Die Rheintalerin widmet sich schon länger dem Hobby Scherenschnitt.
Das Werk einer «Wiederholungstäterin»: Die Rheintalerin widmet sich schon länger dem Hobby Scherenschnitt.

Persönliche Weiterentwicklung

Die Toggenburgerin hat sich über die Jahre einen guten Namen in der Szene gemacht, denn Marianne Schönenberger ist in der Schweizerischen Gesellschaft der Scherenschneider verankert. Was sie dabei schätzt, ist die gegenseitige Unterstützung und Motivation, aber auch die Teilnahme an Ausstellungen, «denn dies bringt mich persönlich weiter». Zudem hat sie für sich noch ein neues Hobby entdeckt. Sozusagen zur Entspannung befasst sich Marianne Schönenberger mit Töpfern. «Da kann ich dreidimensional gestalten und geniesse die Abwechslung zur angestammten Tätigkeit.»

Fein gestaltete Kränzli und Motive aus ihrer Heimat sind das Markenzeichen von Marianne Schönenberger.
Fein gestaltete Kränzli und Motive aus ihrer Heimat sind das Markenzeichen von Marianne Schönenberger.

Töpfern biete die Möglichkeit, eigene Ideen spielerisch und insbesondere bei Zwergen auch humorvoll umzusetzen. Wenn sie sich von der handwerklichen und künstlerischen Arbeit sowie der Tätigkeit auf dem Bauernhof erholen will, geniesst sie gerne eine Auszeit in der Natur. Diese liegt vor der Haustüre. Mit nur wenigen Schritten kann sie den Alltag hinter sich lassen, aber auch Kraft für neue Herausforderungen im eigenen Garten tanken.

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