Revierförsterin ist fasziniert vom «Wunderwerk Wald»
Das Berufsbild der Forstwirtschaft hat sich stark gewandelt: Moderne Technik und spezialisiertes Fachwissen prägen heute den Alltag im Wald. Das zeigt sich beim Treffen mit der Revierförsterin der Waldregion 5 Toggenburg, Batja-Lynn Kübler.

Batja-Lynn Kübler vom Forstbüro Oberhelfenschwil ist seit dem 1. November 2025 als Revierförsterin für das Forstrevier Hemberg zuständig. Dieses umfasst im Neckertal die ehemaligen Gemeinden St. Peterzell, Hemberg und Brunnadern mit gut zehn Quadratkilometern Waldfläche und über 400 überwiegend privaten Waldbesitzern.
In einem kleinen Dorf im Kanton Thurgau aufgewachsen, absolvierte Batja-Lynn Kübler zuerst die Ausbildung zur Forstwartin EFZ. Trotz der umfangreichen Sicherheitsvorschriften und der modernen Ausrüstung ist dies eine der gefährlichsten praktischen Tätigkeiten, die es in der Schweiz gibt. So blieb denn auch sie nicht von einem «Holzerunfall» verschont. Die Verletzungen sind aber gut verheilt und Batja-Lynn Kübler trägt keine Folgen davon. Anschliessend an die Lehre arbeitete sie während sieben Jahren in einer Forstunternehmung. Dabei eignete sie sich Erfahrungen von der Holzernte über die Jungwaldpflege bis zu Seilkranarbeiten an. Nebenbei schloss sie die Diplomhandelsschule und die Bäuerinnenschule ab. Versehen mit diesem umfangreichen Rucksack trat sie anschliessend in die Försterschule Maienfeld ein, die sie im Herbst 2025 als Försterin HF abschloss.
Vielfältige Aufgaben
Zu den Hauptaufgaben in ihrem Revier gehört, das zu fällende Holz anzuzeichnen und auszumessen. Dies erfolgt meistens zusammen mit den Waldbesitzern. Dazu kommt die Administration und Planung, zum Beispiel im Beitragswesen, die Massnahmenplanung in den Schutzwäldern oder zur Förderung der Biodiversität. Auch die Beratung aller Themen im Zusammenhang mit der Waldnutzung und -pflege oder die Öffentlichkeitsarbeit gehören zu ihren Aufgaben. So ist sie denn auch gerne dazu bereit, ihr praktisches Wissen in Schulklassen zu vermitteln.
Als naturliebende Person und vor allem weil Batja-Lynn Kübler die praktische Arbeit im Wald interessierte, entschloss sie sich zur Erstausbildung als Forstwartin EFZ. Mit der zusätzlichen zweijährigen praktischen Waldarbeit schaffte sie so die Voraussetzungen für den Eintritt in die Försterschule. Sie ist fasziniert vom «Wunderwerk Wald», der für Tiere und Menschen unendlich viele lebensnotwendige Aufgaben sicherstellt. Sei es bei der Sauerstoffproduktion, dem Schutz vor Naturereignissen, dem Wasserhaushalt, als Erholungsraum für die Menschen und die klimaneutrale Holzproduktion für Bau- oder Brennholz. An der Försterschule lernte sie das Zusammenwirken der verschiedenen Waldsysteme und wie einzelne Bäume darauf ihren Einfluss ausüben. Mit ihrer Tätigkeit als Revierförsterin überwacht sie eine nachhaltige Entwicklung der Wälder. Es soll nicht mehr Holz entnommen werden, als nachwächst und der Wald damit seine Funktionen auch künftig erfüllen kann. Die Revierförsterin berät die Waldbesitzer über die Anpflanzung von standortgerechten und anpassungsfähigen Baumarten, die richtige Pflege der Schutzwälder. Dann achtet sie darauf, dass die Holznutzung eine regionale Wertschöpfung erbringen kann. Sie erkennt Waldschädlinge wie den Borkenkäfer oder Krankheiten und hilft bei deren Bekämpfung.

Vermittelt zwischen Interessen
Als Försterin HF gefällt ihr besonders, dass sie in dem Ökosystem planen, gestalten und beobachtend lenken kann. Damit der Wald auch für zukünftige Generationen genutzt werden kann, ist eine flexible und weit vorausschauende Planung notwendig.
Aus praktischer Sicht sieht sie die Herausforderung für die Privatwaldbesitzer vor allem in der unsteten Witterung. Für die herkömmliche Holzerei mit Traktor und Seilwinde sind trockenes Wetter oder gefrorene Böden notwendig. Vielleicht erfordert dies in Zukunft andere Holzerntetechniken. Doch auch die Herausforderungen für die Försterinnen und Förster bleiben nicht stehen. Als solche ist Batja-Lynn Kübler Vermittlerin zwischen den vielen verschiedenen Interessen, der erholungssuchenden Bevölkerung, den Waldbesitzern, den vielen im Wald lebenden kleinen und grossen Tieren oder den Bikern. Wir alle profitieren schliesslich von einem gesunden und überlebensfähigen Wald.
Einzug der modernen Technik
Natürlich hat auch die moderne Technik in ihrem Beruf Einzug gehalten. So verfügt die Försterin heute über ein elektronisches Gerät, das bequem am Handgelenk befestigt wird und so die Hände für die anderen Arbeiten frei sind. Damit werden bei Holzschlaganzeichnungen die Daten wie Parzelle, Eigentümer, Baumart, Durchmesser und weitere Details erfasst. Daraus wird das Anzeichnungsprotokoll generiert. Auch die Liegendlisten am Holzlager mit Baumart, Stammmittendurchmesser, Länge und Qualität werden so auf dem kleinen, handygrossen Gerät festgehalten. In Verbindung mit dem IT-Programm im Büro können so die gewünschten Listen abgerufen werden.
Dem Arbeitsgurt angehängt, steht Batja-Lynn Kübler dazu noch ein iPad als Minicomputer zur Verfügung. Darauf kann sie vor Ort auf die Karten- und Massnahmenportale zugreifen. Dokumente werden aufgezeichnet und gespeichert. Sie kann auch verschiedene weitere Apps benutzen und Fotos erstellen. Via www.tree-app.ch kann die Revierförsterin so auch gleich an Ort und Stelle abrufen, welche Baumarten sich am besten für eine Anpflanzung eignen.

