Reparieren statt wegwerfen: Repair-Cafés im Aufwind
Repair-Cafés liegen im Trend – auch in der Ostschweiz. In St. Gallen und Eschenbach zeigen Freiwillige, wie Reparieren Wissen vermittelt, Abfall reduziert und Nachhaltigkeit im Alltag stärkt.

Bis nach Japan und Indien ist das Konzept der Repair-Cafés vorgedrungen. Das Ziel dieses Konzepts ist es, Wissen zu vermitteln, Nachhaltigkeit zu fördern und Abfall zu vermeiden. In Europa ist die Repair-Café-Bewegung am aktivsten. Die Reparatur wird als wichtiger Teil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft anerkannt. Auch die Schweiz kann als Reparatur-Hotspot bezeichnet werden. Laut dem schweizerischen Konsumentenschutz gab es 2024 bereits über 250 Repair-Cafés. Eines, das bereits seit sieben Jahren zu dieser Bewegung gehört, ist jenes in der Stadt St. Gallen. Ein weiteres, ist dasjenige in Eschenbach, das letztes Jahr hinzugekommen ist.
Verschiedene Konzepte
«Als das Repair-Café nach den Weihnachtsferien den Betrieb wieder aufgenommen hat, war es ein Kommen und Gehen», erzählt Samuel Passler, Verantwortlicher für das Repair-Café in St. Gallen. «Es ist immer wieder schön, zu sehen, dass dieser Nachhaltigkeitsgedanke so gut ankommt.» Über eine grosse Nachfrage konnte sich auch eine Gruppe von Jugendlichen mit Sozialpädagogin Jasmin Karababa von der Jugendarbeit Eschenbach freuen. Was vergangenes Jahr als Projekt gestartet ist, passend zum Jahresthema Upcycling, fand Anklang in der Bevölkerung. «Bereits bei der zweiten Ausgabe im November hat sich die Nachfrage verdoppelt. Aufgrund dessen geht das Projekt 2026 weiter», erzählt Jasmin Karababa, welche die Jugendarbeit Eschenbach leitet.
Obwohl der Grundgedanke «Reparieren statt wegwerfen» bei allen Cafés derselbe ist, sind die Konzepte je nach Ort unterschiedlich entstanden und ausgerichtet. In St. Gallen wurde die Initiative vor rund sieben Jahren im kleinen Kreis gestartet. Bei der ersten Ausgabe war auch Samuel Passler dabei. Heute ist es ein Trägerverein, der das Ganze strukturiert und organisiert. In Eschenbach haben Jugendliche die Idee eingebracht. «Gemeinsam mit den Jugendlichen habe ich die erste Ausgabe aufgegleist. Es war für sie interessant, zu erleben, wie viel Organisation ein solcher Anlass benötigt», sagt Jasmin Karababa. Bei beiden Durchführungen halfen die jungen Erwachsenen mit: Sie nahmen Gegenstände entgegen, gaben Auskunft zum Projekt und standen hinter dem Kuchen- und Kaffeebuffet. «Kuchen und Kaffee gibt es bei uns nicht», sagt Samuel Passler. Eine Kaffeemaschine steht im Raum, dies zur Stärkung des Teams. «Eine leidenschaftliche Bäckerin oder Bäcker fehlt uns noch», sagt er schmunzelnd.
Bis zu Retro-Artikeln
Mehr als die Hälfte der Gegenstände, die Schweizerinnen und Schweizer zum Flicken bringen, ist Haushalts- oder Unterhaltungselektronik, wie der Konsumentenschutz schreibt. Vor allem Staubsauger und Kaffeemaschinen führen die Liste an. Das bestätigen auch Samuel Passler und Jasmin Karababa. «Obwohl alle Staubsauger die gleiche Aufgabe haben, ist das Flicken bei jedem einzelnen unterschiedlich. Das macht es manchmal tricky», sagt der gelernte Betriebselektriker Samuel Passler. «Ich freue mich jeweils über Dinge, bei denen ich weiss, da gibt es nur noch wenige Exemplare davon. Da stehe ich fast schon ehrfürchtig davor.»
Ein solcher Moment ereignete sich, als jemand bei Samuel Passler eine kaputte Stenorette, ein Diktiergerät aus den 1950er-Jahren, der Firma Grundig AG ablieferte. «Nur schon das Innenleben und die ganze Technik anzusehen war einmalig», erzählt der 39-Jährige. Gestaunt haben in Eschenbach die Jugendlichen über einen Gameboy. «Eine Person brachte einen alten Gameboy, der mich an meine Jugend erinnerte. Für die Teenies war der total retro», sagt die 40-Jährige Jasmin Karababa lachend. Auch nicht-elektronische Dinge gehen kaputt. So kam die Kundschaft in Eschenbach mit Velos, einem Koffer und einem Kinderhochstuhl vorbei. «Textilien sind ebenfalls hoch im Kurs», meint die Sozialpädägogin. Rund 17 Prozent der geflickten Gegenstände machen Textilien aus, wie der Konsumentenschutz bekannt gibt. Im Jahr 2024 machten die Reparier-Profis etwa 450 Hosen, 210 Jacken sowie 125 Rucksäcke und Taschen wieder tragbar.

Helfende Hände gesucht
Jeden Mittwoch von 19 bis 20 Uhr öffnet das Repair-Café im Ulmen 5 in St. Gallen seine Türe. Bei Samuel Passler und seinem Team reparieren nicht nur die Profis, sondern der Teilnehmer wird in den Prozess miteinbezogen. «Wir möchten den Leuten zeigen, wie sie ihre Geräte selbst reparieren können», erklärt der Experte. Sobald es komplexer wird oder die Sicherheit es verlangt, sind nur noch die Profis am Werk.
Viele Gegenstände können nicht innerhalb einer Stunde instand gesetzt werden. Deshalb muss die Kundschaft etwas Geduld haben und das Gebrachte zu einem späteren Zeitpunkt abholen. «Es kann zu längeren Wartezeiten kommen. Und ja, nicht immer finden wir eine Lösung», erzählt auch Jasmin Karababa über ihre Erfahrungen der ersten Ausgaben des Cafés. Da am Standort Eschenbach im Oberstufenzentrum der Event punktuell stattfindet, kann nur während der vorgegebenen Zeit repariert werden. Die Räume müssen danach der Schule zur Verfügung stehen. In der Stadt St. Gallen ist der Standort fix. Aber auch hier bahnen sich Veränderungen an. Wegen eines Wohnungsbaus muss der Verein demnächst einen neuen Platz finden, wo die Möglichkeit besteht, wöchentlich Besuchende begrüssen und das Inventar stehen lassen zu können. Zudem wären Passler wie auch Karababa erfreut, wenn sich weitere Helfer mit Know-how der Repair-Bewegung anschliessen und an ihren Standorten mithelfen würden. So kann ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet werden. Wer an seinem Wohnort und in der näheren Umgebung kein Repair-Café findet, dem steht die Möglichkeit offen, ein eigenes zu initiieren.

