Globi als Botschafter für die Artenvielfalt

Der Zürcher Bauernverband setzt mit dem Projekt «plan.b» auf freiwilliges Engagement statt auf zusätzliche staatliche Vorgaben, um die Biodiversität im Kanton Zürich zu fördern.

Die Kinderbuchfigur Globi ist Projektbotschafter für das Zürcher Biodiversitätsprojekt «plan.b».
Die Kinderbuchfigur Globi ist Projektbotschafter für das Zürcher Biodiversitätsprojekt «plan.b».

Am 11. November 2025 lancierte der Zürcher Bauernverband (ZBV) das Projekt «plan.b», bei dem Zürcher Bauernfamilien auf landwirtschaftlich wenig bedeutenden Flächen biodiversitätsfördernde Strukturelemente umsetzen. Am «Tag der Biene» (20.5.) 2026 haben die Akteure und die Projektbeteiligten bei einer Pressekonferenz auf dem Wylandhof in Henggart den «plan.b» öffentlich gemacht und Globi als offiziellen Projektbotschafter für das Biodiversitätsprojekt vorgestellt. Die Partnerschaft mit der Kinderbuchfigur ist aus einer Unstimmigkeit entstanden, nachdem im Buch «Globi und der Wald» behauptet wurde, dass Schweizer Kühe zu 80 Prozent mit Körnern oder Soja gefüttert werden und deshalb in Schweizer Milch, Käse und Fleisch ein Stück Regenwald stecke. Der Bauernverband stellte richtig, dass der Anteil von Kraftfutter bei zehn bis 15 Prozent liege und Soja nicht aus dem Regenwald, sondern aus dem Donaugebiet bezogen wird. Die Globi-Verlagsleiterin Gisela Klingenberg entschuldigte sich in Henggart für den Fehler, der mittlerweile korrigiert wurde.

Massnahmen mit Wirkung

Ferdi Hodel, Geschäftsführer des ZBV, merkte an, dass die Bauern sieben Prozent ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Biodiversität reservieren müssen, um Direktzahlungen zu erhalten. Es gab staatliche Schutzverordnungen, die bis zu Enteignungen führten. Obwohl im Kanton Zürich mittlerweile rund 17 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche als Biodiversitätsförderflächen bewirtschaftet werden, sprechen Naturschutz-Fachstellen von besorgniserregender und schlechter Biodiversität. «Das zeigt, dass der Plan mit den staatlichen Vorgaben nicht funktioniert», sagte Hodel und betonte, dass beim «plan.b» die Biodiversität und die landwirtschaftliche Produktion nicht gegeneinander ausgespielt werden. Seit Projektbeginn wurden beim ZBV 536 Massnahmen mit 848 Strukturelementen bestellt. Dank der Unterstützung der Initialspender können den Bauern die Aufwände für die freiwilligen Biodiversitätsmassnahmen vollumfänglich erstattet werden, da für «plan.b»-Strukturelemente keine Vernetzungs- und Landschaftsqualitätsbeiträge oder andere Direktzahlungen bezogen werden können. Der «plan.b» wird in erster Linie von den Initialsponsoren finanziert. Dabei sind 850 000 Franken zusammengekommen. «Kleine Massnahmen wie das Anpflanzen von einzelnen landschaftsprägenden Bäumen, die Aufwertung von extensiven Wiesen und Hecken, das Aufstellen von Nistkästen und Bienenhotels oder die Aufwertung von Flächen rund um Strommasten können zusammen eine grosse Wirkung erzielen», sagte Hodel. Er bedauert allerdings, dass sich erst 147 von rund 2500 Betrieben an dem Projekt beteiligen.

Die Initialsponsoren: Peter Allemann, Beat Huber, Roger Liebi, Caro Schultheiss, Jonathan Franke, David Karrer und Grazia Grassi (von links).
Die Initialsponsoren: Peter Allemann, Beat Huber, Roger Liebi, Caro Schultheiss, Jonathan Franke, David Karrer und Grazia Grassi (von links).

Einige Bauernfamilien befürchten, dass der Kanton über eine getätigte Massnahme eine Schutzverordnung erlässt und dann bestimmt, was man künftig auf solchen Flächen machen darf. «Diese Objekte sind nicht etwas, worauf der Kanton ein Auge wirft», sagte Marco Pezzatti, Leiter vom Zürcher Amt für Landschaft und Natur, und fügte hinzu, dass der Kanton den «plan.b» als einen zusätzlichen freiwilligen Pfad sieht, etwas für die Biodiversität zu tun. Damit weitere Massnahmen umgesetzt werden können, soll die Öffentlichkeit in das Projekt mit einbezogen werden, indem sie die Bauernfamilien bei der Umsetzung unterstützt oder finanzielle Beiträge leistet. Da die Zürcher Kantonalbank (ZKB) als Projektpartner die Projektentwicklung und sämtliche administrativen Kosten deckt, kann jede Spende vollumfänglich für die Umsetzung von Biodiversitätsmassnahmen eingesetzt werden.

Mit den zur Verfügung stehenden 850 000 Franken können etwa 1500 Massnahmen umgesetzt werden. Das Ziel umfasst rund 4000 Massnahmen mit etwa 10 000 Strukturelementen, wofür rund fünf Millionen Franken benötigt werden. Die Projektbotschafter sollen den ZBV mit ihren grossen Netzwerken bei der Sponsorensuche unterstützen.

Steffen Hagenbucher vom ZBV und Globi zeigten einen Asthaufen als umgesetzte Massnahme des Biodiversitätsprojekts «plan.b».
Steffen Hagenbucher vom ZBV und Globi zeigten einen Asthaufen als umgesetzte Massnahme des Biodiversitätsprojekts «plan.b».

Hotspots schaffen

Petra Dieker von Agroscope erklärte, dass durch das gezielte Zusammenspiel verschiedener Strukturmassnahmen in der Agrarlandschaft zusätzliche Nahrungs- und Nisthabitate entstehen und bei einer sinnvollen Kombination bestimmte Organismengruppen gefördert werden, die etwa zur Bestäubung oder zur natürlichen Schädlingskontrolle beitragen.

Michael Frauenfelder, der zusammen mit seiner Frau Claudia den rund 40 Hektaren grossen Wylandhof bewirtschaftet, geht bei «plan.b» mit gutem Beispiel voran. Sein Hotspot ist eine Ökowiese, die er mit zwei Asthaufen, einem Kleingewässer, einer Sandlinse und acht grossen Einzelbäumen aufgewertet hat, wobei er eine Primarschulklasse im Rahmen einer Biodiversitätswoche in das Projekt miteinbezogen hat.

Gastgeber Michael Frauenfelder vom Wylandhof in Henggart.
Gastgeber Michael Frauenfelder vom Wylandhof in Henggart.

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