PFAS: Herausforderung für Bauern und Beratung

Im Agridea-Lehrgang via Zoom informierten Beratungspersonen am 22. Mai 2025 über per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) in der Landwirtschaft. Barbara Beck-Wörner vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen erläuterte die Sanierungsmöglichkeiten und die Rolle der Beratung bei belasteten Betrieben.

Markus Zennegg, Leiter des Analytikzentrums der Empa (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) in Dübendorf, informierte über Grundlagen, Bedeutung sowie Eintragsquellen von PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen). Diese sind eine Gruppe von über 10 000 Chemikalien, die in vielen Bereichen und Produkten zum Einsatz kommen. Trotz ihrer praktischen Eigenschaften stellen PFAS aufgrund ihrer Langlebigkeit, Toxizität und weiterer Gefahren die Gesellschaft vor Herausforderungen. Langlebige Chemikalien wie PFAS werden seit den 1950er-Jahren hergestellt und verwendet. Zu den PFAS gehören unter anderem Perfluoroctansäure (PFOA), Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), Perfluornonansäure (PFNA), Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS) und Tausende weitere Substanzen. Es gibt rund 200 Gebrauchskategorien mit durchschnittlich 1400 PFAS.

Entwicklungen verfolgen

Die PFAS weisen besondere chemisch-physikalische Eigenschaften auf. Sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend, hitzebeständig und reaktionsträge, oberflächenaktiv und bieten gute Verarbeitungseigenschaften in industriellen Anwendungen. Problematisch ist, dass PFAS in der Umwelt persistent sind. Einige Verbindungen sind toxisch und bioakkumulativ, das heisst, sie bewirken eine Anreicherung in Organismen. Gewisse PFAS unterstehen den Bestimmungen des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Schadstoffe (POP-Konvention). Ihre Produktion und Verwendung ist weltweit eingeschränkt oder verboten, beziehungsweise die Emissionen solcher Stoffe sind reglementiert (so wie Dioxine). Trotzdem werden mehrere Stoffe aus der Gruppe der PFAS auch heute noch eingesetzt. In der EU werden umfassende Beschränkungen ausgearbeitet. Die zuständigen Bundesämter verfolgen die Entwicklungen in der EU und werden entsprechende Regelungen für die Schweiz prüfen.

Weidemanagement im Fokus

Für die Kantone gestaltet sich der Gesetzesvollzug in den Bereichen Gewässerschutz, Altlasten und Abfälle sowie Verzehr von Wildtieren (z.B. Fische) schwierig. Da diese Verbindungen bereits bei sehr geringen Konzentrationen toxisch sein können, ist die korrekte Entsorgung von kontaminiertem Material komplex. Was kann gegen eine PFAS-Kontamination von Weideflächen vorgenommen werden? Markus Zennegg empfahl unter anderem Massnahmen beim Weidemanagement. Dies kann die zeitlich begrenzte Nutzung und Umsiedelung der Tiere (beispielsweise zur Ausmast) auf unbelastete Flächen (beispielsweise Sömmerung auf der Alp) sein. Tränkewasser und Futtermittel sollten im Labor beprobt und der PFAS-Gehalt sollte analysiert werden. Es soll durch filtriertes Wasser, beispielsweise mit Aktivkohle gereinigtes Tränkewasser, beziehungsweise durch sauberes Futter aus unbelasteten Flächen ersetzt werden. Auch müssten Tierrotation und Schlachtzeitpunkt angepasst werden: So könnten Tiere nach genügend langer Dekontamination und nach vorgängiger Kontrolle mittels Blutanalysen vermarket werden.

Eine «Ewigkeitschemikalie»

Peter Boormann vom Bundesamt für Landwirtschaft informierte über die Verwendung von PFAS in Pflanzenschutzmitteln (PSM). Er stellte unter anderem fest, dass PSM zur PFAS-Problematik beitragen, aber nur begrenzt durch gewisse PSM-Wirkstoffe, die Vorläufer für Trifluoressigsäure-Metaboliten sind. Trifluoressigsäure (TFA) tritt flächendeckend im Grundwasser auf. Je nach Standort unterscheiden sich die Konzentrationen allerdings deutlich: Unter Ackerland sind die Konzentrationen signifikant erhöht. TFA gelangt dort grossflächig durch den Einsatz von PSM ins Grundwasser. In geringeren Konzentrationen wird TFA zusätzlich mit dem Niederschlag ins Grundwasser eingetragen. TFA ist eine hochmobile und gleichzeitig persistente Substanz. Peter Boormann ging auf PFAS im politischen Kontext ein, es gibt eine Vielzahl von parlamentarischen Vorstössen und Fragen dazu. Die Bundesbehörden prüfen aktuell die Frage nach der Notwendigkeit eines Aktionsplans beziehungsweise gezielter Massnahmen. Barbara Beck-Wörner vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) in Salez betonte, dass Landwirtschaftsbetriebe unverschuldet stark betroffen sein können, wenn auf ihren Flächen mit PFAS belastete Böden gefunden werden. Es kann bedeuten, dass der Betrieb stark eingeschränkt wird in der Produktion von Lebensmitteln.

Mitgefühl und Verständnis

Seit dem 1. März kann der Kanton St. Gallen betroffene Betriebe insgesamt mit fünf Millionen Franken unterstützen, der Kantonsrat hat einen Sonderkredit für drei Jahre gesprochen. Barbara Beck-Wörner stellte fest, dass PFAS ein schweizweites (und globales) Problem sind. Ein nationaler Aktionsplan wäre sinnvoll. Es sei wichtig, zwischen PFAS (Stoffgruppe) und PFOS (einzelne Substanz) zu unterscheiden. Das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) muss eine Verfügung erstellen, wenn der PFAS-Höchstgehalt bei Fleisch und Eiern überschritten wurde.

Die Situation sei für die Betriebe und die Beratung belastend. Deshalb sei es in der Beratung wichtig, Mitgefühl und Verständnis zu haben, zuzuhören, um die Möglichkeiten der Betriebsleiter herauszuhören, welche Reduktionsmassnahmen sie ausprobieren. Erst dann, falls Reduktionsmassnahmen nicht ausreichen, sollte die Umstellung auf andere Betriebszweige oder die bodenunabhängige Produktion in Betracht gezogen werden. Barbara Beck-Wörner betonte, dass die Beratung der Betriebe nur auf Anfrage erfolgt, und das Coaching für die Betriebsleiter bei der Umsetzung von Reduktionsmassnahmen übernimmt der St. Galler Bauernverband.

 

Ausschlag zur ganzen PFAS-Diskussion hat die Medienkonferenz des Kantons St.Gallen gegeben. Diesen Beitrag können Sie hier nachlesen.

Das könnte Sie auch interessieren

stgallerbauer.ch Newsletter
Seien Sie die Ersten, um neueste Updates und exklusive Inhalte direkt in Ihren E-Mail-Posteingang zu erhalten.
Anmelden
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link