Das Osterparadox: Wie die Branche den Osterboom stemmt
Mit Ostern steigt die Nachfrage nach Eiern an. Dass die Regale im Supermarkt trotz dieser Schwankungen immer gefüllt sind, wirkt wie eine Selbstverständlichkeit. Es ist jedoch das Ergebnis einer logistischen Meisterleistung.
Hannes Messer, Geschäftsleiter der Eico, weiss, dass man für dieses logistische Puzzle einen langen Atem braucht. Die zeitliche Dimension ist beeindruckend: Wenn ein neuer Hühnerstall geplant wird, können vom ersten Investitionsentscheid bis zur effektiven Übernahme der ersten Eier mehr als fünf Jahre vergehen. Vorabklärungen, komplexe Bewilligungsverfahren und bauliche Massnahmen machen deutlich, dass die Eierproduktion ein langfristiges Generationenprojekt ist.
Strategie mit langem Atem
Ist die Infrastruktur einmal vorhanden, beginnt die Feinplanung für das Osterfest jeweils rund sechs Monate im Voraus. In enger Abstimmung mit den Partnern aus dem Detailhandel werden dann Packungsgrössen, Haltungsarten und die genaue Herkunft der Eier definiert. Sogar die Farbtöne für das anstehende Fest werden bereits im Herbst festgelegt, um die Logistikketten für Verpackungen und Farbstoffe rechtzeitig zu sichern.
Die Lösung für den massiven Osteransturm liegt in einer vorausschauenden Belegung der Ställe über das gesamte Netzwerk hinweg. Die Eico zählt zu den bedeutendsten Eierverarbeitern der Schweiz und übernimmt die Erzeugnisse von rund 100 Schweizer Landwirtschaftsbetrieben. «Vor Ostern sind jeweils alle Ställe unserer Produzentinnen und Produzenten mit Hühnern belegt», erklärt Hannes Messer. So erreicht die Branche eine natürliche Produktionsspitze, die genau mit dem Konsumboom korreliert.
Doch selbst die beste Planung braucht Flexibilität. Sollte die Nachfrage die Kapazitäten sprengen, schaltet die Verarbeitung in den Betrieben in Bern und Märstetten im Kanton Thurgau einen Gang höher. In der Hochsaison wird dort für einige Wochen im Mehrschichtbetrieb gearbeitet, damit die Eier rechtzeitig gefärbt werden, bevor sie ausgeliefert werden können.
Wo Eier über Rollen «tanzen»
Nach der Anlieferung werden die Eier zunächst im Wasserdampf oder in speziellen Durchlaufbädern punktgenau gekocht. Danach treten sie ihre Verwandlung an. Die Eico nutzt hierfür verschiedene Technologien, die je nach gewünschtem Effekt variieren.
Beim sogenannten Rollenverfahren «tanzen» die frisch gekochten, noch warmen Eier über in Farbe getränkte Schaumgummirollen. Aus diesem dynamischen Prozess ergibt sich die charakteristische, natürliche Marmorierung, die jedes Ei zu einem Unikat macht. Für homogenere Designs kommt hingegen das Spritzverfahren zum Einsatz.

So oder so, die Farbe erfüllt einen doppelten Zweck: Sie verziert die Eier nicht nur in frühlingshaften Tönen, sondern versiegelt die poröse Kalkschale. Dieser Schutzfilm hält das Ei länger frisch und ist ein entscheidender Faktor im Kampf gegen Food Waste, da die Haltbarkeit ohne Kühlung massiv verlängert wird.
Trotz der beeindruckenden industriellen Kapazitäten bleibt die Nähe zum Ursprung das wichtigste Verkaufsargument. Die rund 100 Bauernfamilien, mit denen Eico teilweise schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet, sind über die ganze Schweiz verteilt. Zwei- bis dreimal wöchentlich werden die Eier direkt ab Hof abgeholt.
Während ein rohes Ei gesetzlich 28 Tage lang verkauft werden darf, hat sich die Branche selbst viel strengere Ziele gesetzt, um den Kunden maximale Frische zu garantieren. «Die Prozesse sind so organisiert, dass das frische Ei innert maximal sieben Tagen beim Kunden liegt», betont Hannes Messer. Die Standorte sind dabei strategisch gewählt: Die Stadt Bern dient als Tor zur Westschweiz, während Märstetten die Ostschweiz bedient. Die kurzen Wege sind die Grundvoraussetzung für dieses Qualitätsversprechen.
Die Zukunft im Körbchen
Das Auge isst mit und die Trends ändern sich. In diesem Jahr setzt die Eico auf eine neue Schlichtheit: Monochrome Blau- und Gelbtöne in matter Optik ergänzen die Regale. Dass das Ei heute mehr denn je als gesundes und vielseitiges Superfood gilt, zeigt sich im kontinuierlich steigenden Pro-Kopf-Konsum. Ob als klassisches Rohei oder als praktisches Picknick-Ei für unterwegs – die Nachfrage nach Eiern wächst stetig.
Gleichzeitig investiert die Eico in ihre ökologische Bilanz: Grossflächige Photovoltaikanlagen auf den Betriebsdächern liefern den Strom für die Verarbeitung, und die Logistikflotten werden Schritt für Schritt transformiert. Mit dem Einsatz von Elektrolastwagen und dem pflanzlichen Treibstoff HVO (Hydrotreated Vegetable Oil) kann der CO2-Ausstoss der Transporte um bis zu 85 Prozent gesenkt werden.
Hinter der vermeintlichen Selbstverständlichkeit im Verkaufsregal steht somit ein präzise abgestimmtes Getriebe, das die Brücke schlägt zwischen dem natürlichen Rhythmus der Natur und den Erwartungen des modernen Marktes.
Zu Ostern herrscht Hochsaison bei Eiern. Bild: Renate Hodel

