Geteilte Leidenschaft für alte Landmaschinen
Am Ortsrand von Ganterschwil stehen in zwei Garagen nicht nur Autos, sondern auch schöne alte Landwirtschaftsmaschinen. Sie gehören den beiden Freunden Marco Britt und Silas Grunauer, die mit viel Begeisterung von ihrer Leidenschaft für Oldtimer erzählen.

Das «Mechen» liegt den beiden im Blut. Silas Grunauers Vater beschäftigte sich mit Modellautos und -flugzeugen, in Marco Britts Familie begeisterten alte Landmaschinen. Die beiden heute 17-jährigen Freunde bastelten bereits mit zehn Jahren an ihrem ersten Projekt: Sie befestigten einen Motor aus dem Alteisen an einem Gokart, kauften Pneus und einen Sitz und machten den Kart wieder fahrtüchtig. Bereits damals gingen sie mit vollem Einsatz zur Sache, denn beide Primarschüler verdienten sich das Geld mit Arbeiten, die sie in der Verwandtschaft erledigten.
Mit 13 den ersten Oldie
Die Liebe zum Werkeln, Schrauben und Schweissen wurde immer grösser. Anfangs Oberstufe träumte Marco Britt von einer eigenen Oldtimer-Maschine. Der damals 13-Jährige entdeckte ein Angebot im Internet und kaufte mit etwas Hilfe seinen ersten eigenen Traktor der Marke Bucher. Zusammen mit der Familie fuhr er ins Tessin und holte den restaurierten Bucher-Traktor D1800. Ein rotes Schmuckstück mit Jahrgang 1959.
Jener Traktor war in Top-Zustand, doch an den Töffli der beiden Freunde gab es immer etwas zu schrauben. Ab der sechsten Klasse verbrachten Silas und Marco viel Zeit damit, die Zweiräder in Schuss zu bringen und zu halten. Noch heute stehen zwei Puch und ein Sachs in den Garagen der Familien. Allerdings sind die Jungs mittlerweile mit stärkeren Maschinen unterwegs, unter anderem zu ihren Lehrbetrieben. Beide sind im zweiten Lehrjahr; Silas lernt Lastwagenmechaniker, Marco lernt Holzindustriefachmann.

Im aktiven Dienst
In der Freizeit fahren sie die Maschinen gerne aus. Aber die Oldtimer werden auch für gewisse Einsätze gebraucht. Zum Beispiel der Aebi-Einachser mit Ladebrücke von Silas, den sie auch für Arbeiten wie Holzführen einsetzen. Verkauft hatte ihn Fredi Looser, Präsident des Vereins Freunde alter Landmaschinen Ostschweiz (Falso). Als dieser Silas und Marco kennenlernte, forderte er die beiden gleich dazu auf, beim Falso Mitglied zu werden. Ein guter Schritt für die Freunde, denn im Verein ergeben sich auch nützliche Kontakte, wenn bei den Oldtimern mal etwas nicht mehr so rundläuft. «Wir schätzen auch die Treffen und sind gerne mit anderen Oldtimer-Fans unterwegs», sagt Marco.
Stolz auf die Rarität
Während die beiden von ihrem gemeinsamen Hobby erzählen, leuchten ihre Augen. Alte Landwirtschaftsmaschinen bedeuten ihnen viel. Silas ist seit Neustem begeistert von seinem grünen Traktor, einer echten Rarität. Es ist ein Alpina Oekonom mit einem V4-Motor. Mit Glück und Grosszügigkeit konnte er sich dieses gut erhaltene Bijou kaufen: Es gehörte dem Opa von Marco. «Mein Opa besass einige Oldtimer-Traktoren, um die ich mich kümmerte und die ich auch vorführte», erzählt Marco. Als der Opa vor einem Jahr starb, hatte Silas die Gelegenheit, den Traktor aus der Familie zu übernehmen. Genau wie Marco steckt auch er einiges vom Lehrlingslohn in sein Hobby. Das war beim Alpina Oekonom wichtig, denn er war zwar vorgeführt, hatte aber lange gestanden. «Ich musste einige Kleinigkeiten daran schrauben und ‚mechen‘, aber jetzt ist er fahrbereit», sagt Silas erfreut. Aus dem Nachlass von Marcos Opa ist auch der grüne Bührer mit Mähwerk und Seilwinde. Ein Vermächtnis, auf das Marco stolz ist. «Mein Götti und andere Verwandte wussten, dass mir der Bührer gefällt und schenkten ihn mir. Dafür bin ich dankbar», sagt Marco.

Stundenlang in der Werkstatt zu arbeiten und zu «mechen» bereitet beiden Spass. Die Freunde haben kürzlich zusammen einen Bucher-Einachser von einem Bekannten «gerettet», wie sie grinsend erzählen. Der Oldie habe lange in einem Gaden voller Rinder gestanden und sei etwas mitgenommen. «Als wir ihn im letzten Winter günstig kaufen konnten, mussten wir zuerst den Vergaser machen, bevor wir überhaupt durch den Schnee heimfahren konnten», erinnert sich Silas lachend.

Garagen wurden voll
Da in den beiden Garagen im Einfamilienhausquartier am Rand von Ganterschwil aber bereits einige Oldtimer standen, sagten die Mütter der Freunde: «Jetzt reichts, alles ist voll.» Zum Glück fanden Marco und Silas bald eine neue Lösung. Ein Bekannter vermietet ihnen seit dem vergangenen Winter einen Gaden bei Lütisburg-Station. «Als wir ihn sahen, war noch einiges altes Zeugs darin. Wir konnten aber alles wegräumen und richteten die beiden Stockwerke nach unseren Bedürfnissen ein», erzählt Marco. Unten steht nun der Bucher-Einachser, während im oberen Stock etliche Ersatzteile, Anbaugeräte und einiges mehr zu finden sind. Damit das Arbeiten leichterfällt, sägten die Freunde kurzerhand ein Loch in die Decke und montierten einen kleinen Kran. «So können wir schwere Teile gut befördern», erklärt Silas.
In vielem sind sich die langjährigen Freunde einig, nur beim Bucher-Einachser gibts noch zu diskutieren. Während Marco den Oldtimer umfangreich restaurieren möchte, will Silas nur das technisch Wichtige machen, denn, so findet er: «Alles funktioniert und der Originallack ist bestens in Schuss, da wäre es fast schade, ihn zu restaurieren.»

Lernen beim Machen
Marco und Silas werden auch dafür eine Lösung finden. Denn beide wissen sich zu helfen, auch dank einem grossen Netzwerk. Als vor einiger Zeit Marcos Bucher einen Kolbenbruch erlitt, musste eine Lösung her, denn der Lieblingstraktor sollte bald wieder laufen. «Zum Glück kam ich in Deutschland an Ersatzteile», sagt er und zeigt voller Begeisterung auf seinem Smartphone mehrere Fotos, auf denen der neue Kolben glänzt. Nicht alles läuft so reibungslos wie die Beschaffung des neuen Kolbens. Da Silas und Marco mehrheitlich beim Machen ihr Hobby lernen, geht gelegentlich auch etwas schief. Silas erinnert sich mit einem Grinsen: «Als wir einmal die Einspritzdüse bei Marcos Traktor auseinandernahmen, zog ich eine Schraube zu fest an, worauf die Düse zersprang.» Ein kleiner Rückschlag, von dem sich die beiden Oldtimer-Fans nicht beirren liessen. Ihre Kreativität und ihre Hartnäckigkeit haben sich übrigens längst herumgesprochen. Unter anderem wurde ihnen ein alter Kramer-Traktor von einem Bekannten anvertraut, den sie restaurieren dürfen. Trotzdem nehmen sie sich an schönen Sommerabenden Zeit, um ihre eigenen Oldtimer-Traktoren auszufahren. Wenn die beiden Freunde mit ihren Schmuckstücken unterwegs sind, empfinden sie das gemütliche Fahren als «schöne Freiheit», wie Silas sagt. Und Marco ergänzt: «Der Klang der Maschine, der Duft des Motors, das ist cool. Zudem finden wir es schön, wie sich Menschen am Strassenrand über unsere Oldtimer freuen.»
Freude an Oldtimern
In loser Folge stellt der «St. Galler Bauer» Oldtimer-Freunde und ihre Fahrzeuge vor. In jedem Oldtimer steckt ein Stück Zeitgeschichte. Was macht den Oldtimer für seinen Halter so besonders? In dieser Ausgabe präsentieren Marco Britt und Silas Grunauer ihre Schmuckstücke.
