Mona Vetsch: Von der Bauerntochter zur berühmten Medienfrau
Die Schweizer Fernsehmoderatorin Mona Vetsch ist auf einem Bauernhof in Hattenhausen aufgewachsen. Schon früh hat sie sich dem Journalismus zugewandt und mit 22 Jahren ihre erste Fernsehsendung moderiert. Mit den DOK-Reportagen ist für sie vor bald zehn Jahren ein grosser Traum in Erfüllung gegangen.
«Ich habe ein riesiges Privileg, einen Beruf auszuüben, der mir enorm viel Spass macht. Es ist mein Traumjob», sagt Mona Vetsch. Ihren Berühmtheitsgrad habe sie sich letztlich nicht ausgesucht – er sei einfach ein Teil ihres Berufes geworden. «Er wurde sozusagen mitgeliefert im Paket», erzählt die Schweizer Fernsehmoderatorin lachend. Mona Vetsch wurde im vergangenen Jahr mit dem Prix Walo, der wichtigsten Auszeichnung im Schweizer Showbusiness, als «Liebling der Nation» ausgezeichnet.
Aufgewachsen ist sie zusammen mit drei Geschwistern auf einem Bauernhof im thurgauischen Hattenhausen. «Wenn ich als Kind gesagt hätte, ich werde einmal prominent, hätte man sich bestimmt über mich lustig gemacht.» Doch manchmal müsse man auf sein Bauchgefühl hören und vielleicht auch einen unkonventionellen Weg einschlagen. Ihr Bauchgefühl sei ein guter Kompass, und bodenständig sei sie trotz allem geblieben. Ihre Bodenständigkeit, ihre herzliche Offenheit und ihre einfühlsame Art ziehen sich wie ein roter Faden auch durch das Gespräch mit dem «St. Galler Bauer».
Gerne Kälber getränkt
Schon als kleines Mädchen habe sie gelernt, mitzuhelfen und anzupacken. Das gehöre dazu, wenn man auf einem Bauernhof aufwachse, bemerkt sie. Das Tränken der Kälber sei ihre liebste Aufgabe gewesen. «Äschtli zemäläsä», habe sie hingegen weniger gern gemacht. Doch diese Tätigkeit sei nicht zu umgehen auf einem Betrieb mit vielen Obstbäumen. Die Traktorenprüfung habe sie absolviert, damit sie gleichzeitig Töffli fahren durfte. Es sei ein alter roter Hürlimann-Traktor gewesen, erinnert sie sich. Heute führt ihr Bruder Thomas zusammen mit seiner Frau den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb, den er auf Bio umgestellt hat. Gefragt danach, ob sie sich hätte vorstellen können, dereinst als Bäuerin zu arbeiten, gibt Mona Vetsch zu: «Nein, niemals. Ich wäre keine gute Bäuerin geworden. Ich hatte schon als Kind andere Vorlieben – habe gerne gelesen und geschrieben.» Ihre Eltern hätten aber offen und verständnisvoll reagiert, als sie einen anderen Weg einschlagen wollte. Dafür sei sie ihnen sehr dankbar. «Sie spürten, dass ich kein Bauerntalent habe. Zudem hätte ich dann einen anderen Mann geheiratet, das wäre äusserst schade gewesen.» Mona Vetsch verrät, dass sie ihren Ehemann Stephan Lütolf, selbstständiger Cartoonist, während ihrer Tätigkeit als Moderatorin beim Radio kennengelernt hat. Die beiden haben drei Söhne im Teenageralter.
Die 49-jährige Mona Vetsch erzählt, dass sie einst die Kantonsschule in Frauenfeld besucht habe. Um Geld zu verdienen, hat sie während dieser Zeit für verschiedene Zeitungen im Thurgau geschrieben. Schreiben sei zu ihrer grossen Leidenschaft geworden. Um ihr Wirtschaftsstudium zu finanzieren, habe sie dann begonnen, beim Radio zu arbeiten. 1997 bekam sie vom Schweizer Fernsehen das Angebot, die Jugendsendung «Oops» zu moderieren – der eigentliche Startschuss für ihre TV-Karriere. Es sei für sie keine Selbstverständlichkeit gewesen, im Alter von 22 Jahren bereits eine Fernsehsendung zu moderieren. Es sei quasi ein «Start-up» gewesen mit lauter jungen, motivierten Leuten, welche die Sendung mitgestalten konnten. «Ich durfte dabei viel lernen und neue Erfahrungen sammeln – ein wichtiges Attribut für meine journalistische Laufbahn.»

Am liebsten draussen
Mona Vetsch betont, dass sie Abwechslung brauche. Sie sei gerne mit Menschen zusammen und liebe es, draussen unterwegs zu sein. Ihre Erfahrungen, die sie mache, und ihr Umfeld würden sie enorm prägen. Mit ihrer Aufgabe bei DOK-Reportagen sei für sie vor bald zehn Jahren ein grosser Traum in Erfüllung gegangen. «Dabei erfahre ich unter anderem, wie Menschen leben oder wie sie mit Schicksalsschlägen umgehen.»
In der Sendung «Mona mittendrin» werde sie ins kalte Wasser geworfen. Sie könne sich überhaupt nicht vorbereiten und wisse nie, was sie erwarte. Es gebe manchmal auch Situationen, bei denen sie zuerst einmal tief durchatmen müsse. So seien zum Beispiel die dreitägigen Dreharbeiten im Hospiz St. Gallen für sie sehr berührend und beeindruckend gewesen. «Die Konfrontation mit dem Tod ist kein einfaches Thema, obwohl es mich interessiert und auch beschäftigt. Die Ärzte und die Pflegenden auf Palliativstationen verdienen für ihre erbrachten Leistungen grössten Respekt.» Die Sendung sei eine gute Gelegenheit gewesen, der Bevölkerung das Leben und Arbeiten in einer Einrichtung der Sterbebegleitung aufzuzeigen.
Kein Kochtalent
Mona Vetsch lacht und sagt: «Als ich zur Spitzenköchin Tanja Grandits geschickt wurde, wäre ich am liebsten wieder nach Hause gefahren. Ausgerechnet ich musste in der Küche stehen, obwohl ich überhaupt kein Talent zum Kochen habe.» Doch für die Käsespätzli und ihr selbst gemachtes Apfelmus bekam Mona Vetsch nur lobende Worte. Dies habe ihr gezeigt, dass negative Vorurteile sich zum Positiven wenden können. Bei der Gotthard-Raststätte hat die Fernsehmoderatorin Menschen getroffen, die nicht auf der Durchreise sind, sondern dort arbeiten. Unliebsame Aufgaben, wie beispielsweise 23 Toiletten, zehn Pissoirs und zwei Duschen putzen, gehören hier zum Arbeitsalltag, und sie hat dabei selbst Hand angelegt. «Mona mittendrin» – auf nichts vorbereitet, aber auf alles gefasst, schreibt das Schweizer Fernsehen auf seiner Homepage. «Es freut mich, dass wir in unseren Reportagen Menschen wie das Reinigungspersonal ins Rampenlicht rücken können – Menschen, die für ihre Tätigkeit sonst wenig Lob bekommen.»
Nützliches Bildungssystem
In der DOK-Sendung «Auf und davon» besucht Mona Vetsch Schweizer Auswanderer. «Ich bewundere die Leute, die den Mut haben, einen solchen Schritt zu wagen.» Für Ausländer sei dies manchmal unverständlich – oftmals werde von diesen die Schweiz als Paradies bezeichnet. Ein Startvorteil für die Schweizer sei ihre Ausbildung, denn das Schweizer Bildungssystem habe weltweit einen hohen Stellenwert. «Die Leute, denen ein Neuanfang im Ausland gelungen ist, mussten auch viele Hindernisse überwinden. Sie dürfen stolz sein auf das, was sie erreicht haben.»
Mona Vetsch wird hierzulande oft auf der Strasse erkannt. Auf die Frage, ob sie sich deshalb vorstellen könnte, im Ausland zu leben, sagt sie: «Überhaupt nicht. Ich fühle mich in der Schweiz wohl. Eigentlich muss ich nur in die Westschweiz oder ins Tessin fahren, dort kennt man mich nicht.» Wie fühlt es sich überhaupt an, in der Stadt Zürich zu leben und überall erkannt zu werden? Ohne zu überlegen, gibt Mona Vetsch zur Antwort: «Wie in einem Dorf, wie in Hattenhausen.» Sie grüsse die Leute auf der Strasse, oft komme es darauf zu einem kurzen Gespräch. «Meistens stelle ich dann meinem Gegenüber zwei oder drei Fragen, dabei erfahre ich häufig Interessantes.» Es sei für sie ein Geschenk, sich mit Leuten unterhalten zu können. «Sogar im überfüllten Zug oder in der Schlange vor der Kasse gibts gute Momente.»
Mona Vetsch beginnt zu schmunzeln. «Meine Mutter ist ein ‚endloser‘ Fan von meinem Mann, da er mich im Haushalt und in der Kindererziehung vollumfänglich unterstützt. Das finde auch ich nicht selbstverständlich. Mein Mann hält mir den Rücken frei, holt mich auf den Boden zurück, wenn es nötig ist, und er ist auch in schwierigen Zeiten für mich da.» Das Leben sei nicht immer ausgeglichen, harte und strenge Zeiten, aber auch lange Arbeitstage würden dazugehören.
Gibt es denn noch irgendwelche Wünsche? Ja, die gibt es. Mona Vetsch träumt von einem grossen eigenen Naturgarten mit zwei Schweinen. Einen Teil dieses Traumes konnte sie sich bereits erfüllen. Sie pflegt zusammen mit ihrem Mann einen Schrebergarten am Stadtrand von Zürich. Dazu gehören auch fünf Zwerghühner. Im Herzen bleibe sie wohl immer ein Stück Thurgauerin, nicht nur wegen ihrer Naturverbundenheit und ihres Dialektes. «Wurzeln prägen ein Leben lang», ist sie überzeugt.
