Bauer, ledig, sucht – Marco Fritsche im Gespräch
Am 17. August 2025 startet auf dem TV-Sender 3+ die neue Staffel von «Bauer, ledig, sucht …». Seit 21 Staffeln sorgt Marco Fritsche bei bei dieser Sendung für Herzklopfen. Im Interview spricht der Moderator über Rollenbilder in der Landwirtschaft, authentische Hofwochen und warum Vielfalt für die Sendung unverzichtbar ist.

Marco Fritsche, als Moderator haben Sie im Rahmen der 21. Staffel wiederum «in alter Fritsche» bei zwölf Kandidatinnen und Kandidaten für Herzklopfen gesorgt. Was bleibt Ihnen in besonderer Erinnerung?
Marco Fritsche: Spontan fällt mir die 65-jährige Gabi aus dem Kanton St. Gallen ein. Sie ist grossartig als Person, hat ein Herz aus Gold und ist unverdorben, mit kindlich reiner Seele. Andererseits kann sie aber auch sehr direkt sein, poltern und fluchen, was eine tolle Mischung ergibt.
Gabi gehört zu den ersten ausgebildeten Landwirtinnen der Schweiz, Jonny aus dem Kanton Thurgau ist ein Tattoo- und Piercing-Liebhaber, Cécile könnte sich in einen Mann oder in eine Frau verlieben und pflegt einen minimalistischen Lebensstil. Welchen Einfluss haben solche Porträts auf die traditionellen Rollenbilder in der Landwirtschaft?
Fritsche: Die traditionellen Rollenbilder erfüllten damals meine Vorfahren, die Bauern waren. Die heutigen Bäuerinnen und Bauern sind innovativ, modern, haben Zweitausbildung und Nebenverdienst. Die klassischen Rollenbilder gibt es auch in der Landwirtschaft heute kaum mehr. «Ueli der Knecht»-Vorstellungen sind klischeehaft und fernab der Realität, wie ich sie wahrnehme.
Welche Eigenschaften sollten Bäuerinnen und Bauern haben, damit die Chancen steigen, dass es während der Hofwoche zwischen den beiden funkt?
Fritsche: Wenn sie oder er eine Offenheit mitbringt und sich das nicht nur einbildet, steigen die Chancen markant. Diese Offenheit bezieht sich nicht nur auf das Gespräch, sondern meint auch die Bereitschaft, sich auf andere Ideen, Interessen und Gewohnheiten einzulassen. Zudem sollten sich die Kandidatinnen und Kandidaten genügend Zeit nehmen fürs Gegenüber und die Arbeit möglichst ruhen lassen. Sie wissen, dass während der Hofwoche nur ein Teil der Alltagsarbeit verrichtet werden kann. Wenn keine Familienmitglieder oder Bekannten aushelfen können, wird eine Vertretung organisiert, welche die Hofarbeit übernimmt und dafür entschädigt wird. Die Erfolgschancen steigen ausserdem weiter an, wenn die Kandidatinnen und Kandidaten bei guter Laune sind, ohne sich dabei verstellen zu müssen.
Von Kritikern hört man gelegentlich, dass mit dem Porträtieren von eher unbedarften oder ungehobelten Bauern dem Image der Landwirtschaft geschadet wird. Was halten Sie von dieser Sichtweise?
Fritsche: Davon halte ich gar nichts: «Bauer, ledig, sucht …» lebt davon, dass eine Vielfalt von Persönlichkeiten auch mit ihren Ecken und Kanten porträtiert wird. So ist das Leben. Wenn nur gleichförmige, «sandgestrahlte» Typen gezeigt würden, würde die Sendung Rasse und Würze verlieren. Wer dies nicht sehen möchte, kann bei der Fernbedienung des Fernsehers kurz einen Knopf drücken.

Auch wurde schon folgende Meinung vertreten: In gestellten Szenen, die oft wiederholt werden, wirken die Bäuerinnen und Bauern unnatürlich und können nicht mehr sich selbst sein. Wie erleben Sie die Hofwochen diesbezüglich?
Fritsche: (lacht) Es gab wirklich Situationen, wo alles schiefgelaufen ist. Deshalb mussten Szenen wiederholt werden, weil beispielsweise ein Flugzeug die Aufnahme gestört hatte. Fernsehsendungen produzieren ist ein professionelles Handwerk. Trotzdem können die Bäuerinnen und Bauern immer sich selbst sein. Aber klar: Die Präsenz von Kameras und Mikrofonen ist für die Bäuerinnen und Bauern ungewohnt und kann bei ihnen Nervosität erzeugen, was auch bei den Zuschauenden nicht unbemerkt bleibt.
Was empfehlen Sie einer Bäuerin oder einem Bauern, der oder die eine Partnerschaft sucht, jedoch nicht via «Bauer, ledig, sucht …»?
Fritsche: Oft kommt es vor, dass sich potenzielle Hofdamen beim TV-Sender melden, weil sie einen Kandidaten kennenlernen, jedoch nicht im Fernsehen auftreten möchten. Die Briefe dieser Damen werden dann unbürokratisch weitergeleitet. So haben sich auch nach den Hofwochen zahlreiche Pärchen gefunden. Genauso kann sich auch ein Bauer melden, wenn er eine Hofdame nach einer «erfolglosen» Hofwoche kennenlernen möchte.
Womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie nicht für «Bauer, ledig, sucht …» unterwegs sind?
Fritsche: Als Inhaber der Produktionshaus GmbH moderiere ich auf 3+ nebst «Bauer, ledig, sucht …» die Sendung «Die 40 …», wo ich mit Studiogästen über populäre Songs spreche. Zudem führe ich als Event-Moderator durch verschiedenste Grossanlässe oder leite Podien mit den unterschiedlichsten Gesprächsgästen.
Welche Berührungspunkte mit der Landwirtschaft gab es in Ihrem Leben, wenn Sie zurückschauen?
Fritsche: Als Kind half ich oft meinem Grossvater und meinem Onkel beim Heuen, «Beschötten», Misten oder Zäunen. Somit war diese Lebensphase die perfekte Vorbereitung für den Moderationsjob bei «Bauer, ledig, sucht …».
Welchen Bezug zur Landwirtschaft haben Sie heute?
Fritsche: Ich interessiere mich für Landwirtschaftspolitik. Seit ich Radiospots für eine landwirtschaftliche Fachzeitung gesprochen habe, habe ich diese abonniert und bin dadurch über Aktuelles informiert. Bei den Besuchen auf den Bauernhöfen erhalte ich Einblicke in die verschiedensten Landwirtschaftsbetriebe. Allerdings steht bei «Bauer, ledig, sucht …» das Zwischenmenschliche im Vordergrund.
Haben Sie ein Lebensmotto, das Sie begleitet?
Fritsche: (überlegt) Nicht vergessen, wie gut es uns geht, und zufrieden sein mit dem, was man hat.

