Martin Marmet baut gigantische Lego Eisenbahn
Martin Marmet aus Walenstadt ist Modellbaueisenbähnler der speziellen Art. Seine Leidenschaft gilt der Lego-Eisenbahn. Vor etwa 17 Jahren, als seine Söhne in das Lego-Baualter kamen, hat ihn seine Begeisterung für das Bauen mit Lego wieder eingeholt.

Martin Marmets «Spielzimmer» ist das Dachgeschoss einer Industriehalle in Walenstadt. Hier unter dem Dach steht auf riesigen Tischen immer ein Teil seiner Lego-Eisenbahnanlage – die, wie bei allen Modelleisenbahnbauten üblich – natürlich nie fertig wird. Zumindest befindet sie sich immer irgendwie im Wandel. Im Hintergrund bieten grössere und kleinere Glasvitrinen Einblick in diverse Randthemen von Lego. Manche Sets sind sogar noch originalverpackt. Von seinem Montagetisch aus, am Kopfende des Anlagetischs, hat Martin Marmet alles im Blick. Hier wird nach Anleitung gebaut, aber auch an eigenen Kreationen getüftelt. An der Wand dahinter befindet sich das Kleinteilelager mit seinen Unmengen an kleinen Spezialteilen in allen möglichen Farben. Derzeit ist ein Bauzug in Arbeit. Manche Projekte sind noch im Entstehen und von daher in unterschiedlichem Stadium ersichtlich.

Europaweit auf Ausstellungen
Verschiedene unterschiedlich hohe, hölzerne Reisekisten geben erst beim Näherkommen ihr Innenleben preis. Darin befinden sich fertig gebaute Landschaftsmodule, darunter das Herzstück der Anlage, das originalgetreu nachgebaute Bahnhofsgebäude von Luzern, dem gerade verpackungsbedingt das Dach fehlt. Diese wurden kürzlich bei einer Messe in Luzern gezeigt. Der Lokschuppen mit Drehscheibe ist separat deponiert. Marmets Anlage geht mehrmals jährlich zwecks Ausstellung auf Reisen. Manchmal sogar europaweit. Eine Schneelandschaft steht in einzelnen Modulen am Boden. Mit ihr war Martin Marmet an 15 Ausstellungen. Nun wartet sie darauf, dass sie auseinandergenommen wird und in verkleinerter Ausführung in einer Vitrine ihren Platz findet. Die zahllosen kleinen, scheinbar gar nicht zum Thema Schnee passenden Figürchen erzählen eine eigene Geschichte. Sie sind Erinnerungsstückchen von Gleichgesinnten. Solche werden zu jeder Ausstellung mitgenommen und grosszügig an alle Beteiligten verteilt. Darunter sind auch farbig bedruckte glatte Steinchen, auf denen ein eigenes Werk oder der Titel einer Ausstellung aufgedruckt ist. Selbstverständlich werden auch Mitbringsel kreiert. Martin Marmet hat ein eigenes Give-away aus einem Lego-Teilchentrenner in Orange, nämlich ein herziges Herbstmaskottchen kreiert, das er gerne verschenkt.
Das Zugdepot zeigt Wandel
An der Seitenwand sind endlos lang wirkende Zugkompositionen auf mehreren Stufen untereinander aufgereiht. Wer genau hinsieht, findet Bahnwagen aus den unterschiedlichen Epochen der Lego-Eisenbahn. Gleiches gilt für die Häuserbauten. Immerhin hat Martin Marmet für seine drei Söhne zuerst einmal seine eigenen, alten Legokisten wieder hervorgeholt. Ein Teil davon steht aufgebaut im Zentrum des grossen Raumes. Eine Zeit lang bauten die Söhne mit. Manche Werke aus dieser Zeit sind in Glasvitrinen ausgestellt. Hier findet man auch diverse Themen von Lego, die eigentlich nichts mit der Eisenbahn zu tun haben, so beispielsweise die «Explorer-Serie» oder «die Minecraft-Serie» oder «die Feuerwehr-Serie».

Die Lego-Eisenbahn umfasst natürlich neben den Zügen auch Bauten und Figuren, genau wie bei der herkömmlichen Modelleisenbahn. Die erste Lego-Eisenbahn kam übrigens in den 1960er-Jahren auf den Markt. Damals gab es blaue Gleise und vergleichsweise kantig wirkende, bunte Züge ohne Antrieb. Später folgten solche mit Batterieblock. Sie waren die Vorstufe für die ferngesteuerten Locks. Insgesamt wurden seither über 150 Bahnsets von Lego herausgegeben, die sich immer mehr an den realen Vorbildern orientierten. Natürlich wurde auch die Motorisierung immer wieder angepasst. Was blieb, war die Spurweite. Lego hat bis heute nur eine Spurweite, die für alle Systeme passt. Zunächst kamen Zwölf-Volt- und später Neun-Volt-Schienen. Aktuell sind wieder ausschliesslich Kunststoffschienen auf dem Markt. Martin Marmet hat dementsprechend Zugkompositionen, die elektrisch geleitet werden wie bei einer herkömmlichen Modelleisenbahn. Die aktuellen Lego-Loks werden jedoch mit Akku betrieben.
Auch künftig nicht langweilig
Im Prinzip sei er Lego-Millionär, sagt Marmet schmunzelnd und meint damit die Menge seiner Legosteinchen. Manchmal -kauft er gebrauchte Legosteine, manchmal sind grössere Mengen nötig. Seinen Kindheitstraum hat sich Martin Marmet mit diesem Raum erfüllt. Nicht zuletzt gab es jedoch auch eine bestimmte Lok, die er sich als Kind nicht leisten konnte und die nun seine Sammlung ziert. Natürlich sei für ihn auch das Vereinsleben und somit die Möglichkeit zum Fachsimpeln mit Kollegen Teil dieses vergnüglichen Hobbys, sagt Marmet. Er ist Vereinsmitglied beim EACS (Eisenbahn-Amateur-Club-Sarganserland) und bei SwissLUG (Swiss Lego Users Group). Im Jahr 2014 wagte er sich an einen Weltrekord. Dazu liess er anlässlich einer Eisenbahnausstellung des EACS in Walenstadt 120 Wagen zeitgleich fahren. Gebrochen wurde dieser Rekord erst in diesem Jahr, indem man 135 Wagen zeitgleich in Gang setzte.
Die Ideen gehen dem Lego-Eisenbähnler nicht aus. Die 12-Volt-Anlage fertigstellen und in Betrieb nehmen, das wäre beispielsweise so ein Zukunftstraum. Die Gefahr, dass die Anlage einmal fertiggestellt werde oder Langeweile aufkomme, bestehe jedoch nicht. Davon ist Martin Marmet überzeugt. Für ihn gibt es immer Projekte und neue Ideen.

